Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.07.2012

12:03 Uhr

Gefälligkeitsdienst

"Haus-Sitter" müssen für Schäden nicht haften

Wer sein Haus im Urlaub Verwandten oder Freunden anvertraut, sollte genau aufpassen, wen er sich ins Heim holt. Denn wenn ein „Haus-Sitter“ in dieser Zeit versehentlich etwas beschädigt, muss er dafür nicht haften.

Vorsicht, wem Sie den Schlüssel geben: Bei Gefälligkeitsdiensten sind Haus-Sitter nicht für mögliche Schäden am Inventar haftbar. ap

Vorsicht, wem Sie den Schlüssel geben: Bei Gefälligkeitsdiensten sind Haus-Sitter nicht für mögliche Schäden am Inventar haftbar.

Düsseldorf/BerlinDie ersten Urlauber sind wieder aus den Ferien zurück. Und schon ist die schöne Erholung dahin, weil der nette Nachbar, Verwandte oder Freund dummerweise beim „Haus-Sitting“ gepatzt hat: Mal ist das teure Parkett aufgequollen oder der Fernseher ist geflutet, weil beim Gießen viel daneben ging. Mal hat die wertvolle Bodenvase einen Sprung, die Ledercouch hässliche Wasserflecken, der Schrank einen neuen Kratzer oder der Rasenmäher den Geist aufgegeben. Was dann? Wer zahlt für folgenreiche Missgeschicke von Urlaubshelfern, die doch eigentlich nur nach dem Rechten sehen sollten?

„Das bleibt klar am Urlauber hängen“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Er kann den Helfer, der beim Freundschaftsdienst aus Versehen patzte und nicht etwa grob fahrlässig handelte, jedenfalls nicht zu Schadenersatz verdonnern, wie auch Karin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) betont. Dem Wohnungsbesitzer hätte rein theoretisch das gleiche Missgeschick beim Blumengießen oder Lüften passieren können.

Grundsätzlich steht im Bürgerlichen Gesetzbuch zwar, dass zu Schadenersatz verpflichtet ist, wer anderen vorsätzlich oder fahrlässig Schaden zufügt. Bei Gefälligkeitsdiensten, zu denen auch das Kümmern um Haus und Garten in der Ferienzeit gehört, gibt es jedoch eine abweichende Rechtsprechung, wie Weidenbach betont. Und die stellt uneigennützige Helfer aus dem Nachbars-, Freundes- oder Verwandtenkreis von der Haftung frei. „Das ist das Gleiche wie beim Umzugshelfer, der aus Unachtsamkeit Schäden verursacht“, sagt die Versicherungsexpertin.

Gerichte gehen in solchen Fällen von einem „stillschweigenden Haftungsausschluss“ aus – zwischen dem, der um Hilfe bat, und dem, der in seiner Freizeit netterweise half. Danach sind die Helfer bei Unachtsamkeiten aus dem Schneider. „Eigentlich ja auch ganz plausibel“, sagt Rüter de Escobar. Niemand würde sonst mehr nach dem Rechten sehen oder bei Umzügen mit anpacken. Der Helfer kann immer aufatmen. Pech für den Urlauber.

Bei Schäden nach Gefälligkeitsdiensten springe in der Regel auch keine Versicherung ein, sagt die GdV-Sprecherin. Das Angebot des Unglücksraben, seine private Haftpflichtversicherung einzuschalten, nutze bei dieser Konstellation auch nichts. Typische Gefälligkeitsschäden sind durch Standardpolicen nicht abgedeckt. Nur die wenigsten Haftpflichtverträge enthalten einen Zusatzschutz gegen Schäden bei Freundschaftsdiensten.

Richtig knifflig kann es werden, wenn der Heimkehrer einen riesigen Schaden am Hals hat. Beispielsweise dann, wenn der Helfer aus Versehen Haustür oder Fenster offen ließ und Einbrecher anschließend die Wohnung ausräumten. Dann greife auch die Hausratversicherung des Urlaubers nicht, erläutert die GdV-Expertin. Solche Probleme müssten dann im Einzelfall vor Gericht geklärt werden.

Wer netterweise ein „Haus-Sitting“ übernimmt und sich für den Ernstfall absichern will, sollte schon vor der Abreise des Nachbarn oder Freundes über mögliche Schadensfragen reden, rät Weidenbach. Dann fällt eine gütliche Einigung hinterher leicht. Alternative: Den Urlauber bitten, ihn von vornherein von jeglicher Haftung bei Missgeschicken in Haus und Garten freizustellen. Für den kleinen Vertrag unter Freunden reicht schon ein formloser Zettel. Der schützt zwar auch nicht vor Schäden, erspart aber vielleicht eine Menge Streit.

Von

dapd

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

homesitter

27.07.2012, 11:24 Uhr

Wie auch immer bei Gefälligkeitsdienst durch Nachbarn oder Freunden die Haftungsfrage der Haus-Sitter oder Haushüter geregelt wird, falls ein Schaden entstanden ist wird in den meisten Fällen die vormals freundschaftliche Beziehung darunter leiden. Letztendlich bleibt der Hausbesitzer wie in dem obigen Artikel dargelegt, auf seinem Schaden sitzen.
Wer es sich leisten will und kann empfehlen wir daher die Beauftragung von zertifizierten Haushütern. Vom Haushüter-Forum zertifizierte Haushüter-Unternehmen müssen u.a. ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen können, ihr Gewerbe ordnungsgemäß angemeldet haben, eine ausreichende (gößer 1 MIO €) Betriebshaftpflichtversicherung abgeschlossen haben und für Ihre Mitarbeiter eine Unfallversicherung.

Die Dienstleistungen eines professionellen Haushüters umfassen über die Objektbetreuung hinaus auch die Betreuung der Daheimgebliebenen Menschen (Senioren und Kinder) und Haustiere.
Zertifizierte, professionelle Haushüter finden Sie schon ab 45 € pro Tag im www.haushueter-verzeichnis.info .
Damit Sie beruhigt verreisen können.

Hans-Peter Reiss
HC & S - Die Haushüter

Fachwirt_OO

27.07.2012, 14:49 Uhr

Überraschend schlecht recherchiert und auch erstaunlich, dass sich Verbraucherzentrale und GdV dergestalt geäußert haben sollen.

Der stillschweigende Haftungsausschluss gilt tatsächlich, wenn man nichts anderes schriftlich vereinbart, aber etliche TOP-PHV-Tarife der Versicherungsgesellschaften bieten Deckung für Gefälligkeitsschäden - teilweise bis zur vollen Versicherungssumme (d.h. heutzutage 10 Mio. € und mehr). Man sollte also nur klären, wo der private Haushüter versichert ist.

Ein einfacher Blick in die gängigen Vergleichsportale hätte also genügt. Alternativ hätte man sich auch vom Fachmann beraten lassen können...

Viele Grüße aus Berlin

Oliver O.
Versicherungsmakler

Daffner

29.07.2012, 12:55 Uhr

Wann werden endlich die falschen Berichte zur Gefälligkeitshaftung aufhören? Die Rechtsprechung bestätigt die Aussage, bei Gefälligkeit gelte ein stillschweigender Haftungsausschluss nicht:
OLG Stuttgart Urteil vom 8.5.2008, 13 U 223/07

"... Eine derartige (stillschweigende) Haftungsbeschränkung kann im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung auf der Grundlage des § 242 BGB nur ganz ausnahmsweise angenommen werden; sie stellt eine künstliche Rechtskonstruktion aufgrund einer Willensfiktion dar, da sie von einem Haftungsverzicht ausgeht, an den beim Abschluß der Vereinbarung niemand gedacht hat (vgl. BGHZ 34, 355, 361; 41, 79, 81; 43, 72, 76; Senatsurteil vom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91 - VersR 1992, 1145, 1147). .... Gerade dort, wo der Schädiger gegen Haftpflicht versichert ist,..., entspricht es ... noch dem Willen der Beteiligten, durch (letztlich fingierte) Verzichtsabreden den Haftpflichtversicherer zu entlasten (vgl. BGHZ 39, 156, 158; Senatsurteile vom 26. Oktober 1965 - VI ZR 102/64 - VersR 1966, 40, 41 und vom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91 - aaO). Deshalb spricht das Bestehen eines Haftpflichtversicherungsschutzes für den Schädiger in aller Regel gegen eine stillschweigende Haftungsbeschränkung (vgl. BGHZ 63, 51, 59; Senatsurteil vom 15. Januar 1980 - VI ZR 191/78 - aaO)...."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×