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27.06.2012

15:18 Uhr

Gekürzte Förderung

Warum sich die Photovoltaikanlage trotzdem lohnt

Die Förderung von Solarstrom wird weiter gekürzt. Doch für Hausbesitzer ist der selbst erzeugte Strom trotz geringerer staatlicher Unterstützung noch immer ein lukratives Geschäft. In Zukunft vielleicht noch mehr.

Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des eigenen Hauses lohnt sich trotz Kürzung der Förderung noch. dpa

Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des eigenen Hauses lohnt sich trotz Kürzung der Förderung noch.

DüsseldorfDie Förderung von Solaranlagen wird gesenkt, allerdings nicht so stark wie zwischenzeitlich angekündigt. Darauf haben sich Bund und Länder nach monatelangem Streit wohl endlich geeinigt. Das sickerte aus Koalitions- und Oppositionskreisen durch. Die Zustimmung des Vermittlungsausschusses zu der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sei am Mittwochabend nur noch eine Formsache.

Rückwirkend soll die Kilowattstunde Strom für Kleinanlagen, die ab dem ersten April in Betrieb genommen wurden, nur noch mit 19,50 Cent pro Kilowattstunde vergütet werden. Diese Vergütung ist weiterhin ab Zeitpunkt der Inbetriebnahme für 20 Jahre garantiert. Wer im Februar seine Anlage in Betrieb nahm, bekam dagegen noch 24,43 Cent.

Leistung, Kosten und Rendite einer Photovoltaikanlage

Wie viel leistet die Anlage?

Auf Einfamilienhäusern werden typischerweise Anlagen verbaut, die bis zu fünf Kilowatt Peak (kWp) leisten. Unter sehr guten Bedingungen können pro Kilowatt Leistung jährlich bis zu 1.000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden.

Wovon hängt die Leistung ab?

Die Angabe Kilowatt Peak beschreibt die maximal mögliche Leistung der Anlage. Wie viel Strom tatsächlich erzeugt wird, hängt von mehreren Faktoren ab: Wie sonnenreich ist das Gebiet? Befindet sich die Anlage auf dem Dach in Richtung Süd/Südwesten? Ist die Dachneigung gut (20 bis 40 Grad)? Fällt Schatten auf die Anlage? Und haben die Module eine gute Qualität? Zudem nimmt die Leistungsfähigkeit jährlich etwas ab.

Wie viel kostet die Photovoltaikanlage?

Laut Preisübersicht der Stiftung Warentest liegt der Preis für Kleinanlagen mit einer Spitzenleistung von bis zu zehn Kilowatt pro Kilowatt bei etwa 2.000 Euro, ohne Mehrwertsteuer.

Wie berechnet sich die Rendite bei Photovoltaikanlagen?

Die Stiftung Warentest hat die Rendite für Solarstromanlagen, die im Februar in Betrieb genommen wurden, berechnet. In der Rechnung wurde ein Eigenverbrauch von 20 Prozent angenommen, jährliche Betriebskosten von 1,5 Prozent des Anlagepreises, die jährlich um 1,5 Prozent steigen. Zudem wurde mit einem jährlich um 0,25 Prozent sinkenden Stromertrag und einer Finanzierung nur mit Eigenkapital gerechnet. Für die bei Eigenverbrauch gesparten Stromkosten wurden anfänglich 24 Cent je Kilowattstunde angenommen, mit einer jährlichen Steigerung um drei Prozent.

Rendite bei Inbetriebnahme im Februar 2012

Wer seine Anlage für 2.000 Euro pro Kilowatt Leistung gekauft hat und damit pro Jahr und Kilowatt Leistung 850 Kilowattstunden Strom produziert, erzielt in 20 Jahren eine Rendite von 7,3 Prozent – sofern die Anlage im Februar 2012 in Betrieb genommen wurde und der Eigentümer sich damit noch eine Einspeisevergütung von 24,43 Cent/kWh und für den selbstgenutzten Strom die Vergütung von 8,05 Cent/kWh sichern konnte.

„Damit kann man als zukünftiger Anlagenbetreiber ganz gut leben, da eine ausreichende Rendite durch Verkauf und Einspeisevergütung noch drin ist“, sagt Holger Schneidewindt, Experte für Energierecht bei der Verbraucherzentrale NRW. Die Kehrseite sei jedoch, dass jeder Stromverbraucher mit seiner Stromrechnung diese Förderung über die EEG-Umlage bezahlen muss.

Kauftipps zur Photovoltaikanlage

Wo finde ich die passende Anlage?

„Einen guten Installateur findet man am besten auf Empfehlung von Nachbarn oder Bekannten, die bereits eine Photovoltaikanlage angebracht haben und zufrieden sind“, sagt Holger Schneidewindt, Experte für Energierecht bei der Verbraucherzentrale NRW.

Wie viele Jahre Gewährleistung gibt es auf die Anlage?

Für Photovoltaikanlagen gilt grundsätzlich die gesetzliche Gewährleistungszeit von zwei Jahren. Ist die Anlage jedoch nicht auf den Dachpfannen montiert, sondern Teil des Daches (In-Dach-Anlagen), verlängert sich die Gewährleistungszeit auf fünf Jahre. In dieser Zeit muss der Installateur für den einwandfreien Betrieb und Mangelfreiheit der einzelnen Komponenten einstehen.

Welche Garantien geben die Hersteller?

Die Hersteller geben teils eigene Garantien auf ihre Module von bis zu 30 Jahren. „Bei den Garantien der Hersteller sollte der Verbraucher aber sehr genau hinschauen, insbesondere welche Kosten das Unternehmen tatsächlich trägt und worauf der Kunde selbst sitzen bleibt“, sagt Schneidewindt. Zumindest die Kostenklausel in den Garantiebedingungen gehöre deshalb vor Abschluss des Vertrags zur Pflichtlektüre.

Was passiert bei Aufkauf des Modulherstellers?

Wird der Modulhersteller  von einem anderen Unternehmen aufgekauft, weil er beispielsweise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt oder sogar schon einen Insolvenzantrag gestellt hat, gehen auch die Garantiepflichten gegenüber dem Kunden auf den neuen Eigentümer über. „Wenn ein Hersteller nur seine Niederlassung in Deutschland aufgibt, bleiben die Ansprüche der Kunden zwar weiter bestehen“, sagt Holger Schneidewindt. Dann sei es allerdings schwieriger, diese durchzusetzen.

Was passiert bei einer Pleite des Modulherstellers?

Ist der Hersteller pleite und wird ein Insolvenzverfahren eröffnet, haben die Kunden schlechte Karten. „Sie sollten den Gang des Insolvenzverfahrens beobachten und etwaige Garantieansprüche beim zuständigen Insolvenzverwalter anmelden“, empfiehlt Verbraucherschützer Schneidewindt. Zu große Hoffnungen solle man sich aber nicht machen.

Welchem Hersteller kann ich vertrauen?

Der Solarbranche geht es insgesamt nicht gut. „Verbraucher sollten sich daher gut überlegen, von welchem Hersteller sie die Solarmodule für ihre Anlage kaufen. Eine Gewissheit, dass es das Unternehmen – ob groß oder klein – auch in zwanzig Jahre noch geben wird, gibt es zwar nicht. „Man kann sich aber zumindest über die aktuelle Verfassung der Unternehmen und ihre Unternehmensstruktur informieren und damit das Ausfallrisiko reduzieren.“, sagt Verbraucherschützer Schneidewindt. Außerdem haben einige Modulhersteller Rückversicherungen abgeschlossen, die bei einer Pleite einspringen. Aber auch hier sollte man die Versicherungsbedingungen gut lesen.

Positiv für Hausbesitzer ist aber, dass nun wohl doch hundert Prozent ihres erzeugten Stroms gefördert werden. Zwischenzeitlich war geplant, die Förderung ab 2013 auf 80 Prozent zu beschränken. Doch gerade in der eigenen Nutzung des selbst erzeugten Stroms sehen Experten den Reiz der Photovoltaikanlagen.

Private Stromerzeugung: So sparen Sie mit der Solaranlage Steuern

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Wer mit einer Photovoltaikanlage selbst Strom erzeugt, spart nicht nur Stromkosten. Wenn er einen Teil des Stroms an den Netzbetreiber verkauft, spart er auch Steuern - und wird zum Unternehmer.

Die Anlagen werden immer günstiger und gleichzeitig wird der Strom immer teurer, das macht die private Stromerzeugung zunehmend attraktiv. Schon heute zahlen Verbraucher etwa 24 Cent pro Kilowattstunde Strom. „Die Rendite, die durch den Verkauf des Stroms erzielt wird, wird damit langfristig zur Nebensache“, sagt Verbraucherschützer Schneidewindt. Wichtiger sei also die Ersparnis bei Selbstverbrauch, da weniger Strom zugekauft werden muss.

Kommentare (14)

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vandale

27.06.2012, 16:22 Uhr

Ein normaler Arbeitnehmerhaushalt hat einen gewissen Strombedarf am Morgen, Kaffeemaschine, Licht und einen erheblichen Strombedarf am Abend, Herd, Spülmaschine, Licht etc.

Eine umweltschädliche Solarzelle produziert im Sommer von 8 - 16:00 und im Winter von 10 - 14:00 Strom, am meisten am Mittag, sofern das Wetter danach ist.

Das bedeuted ein Arbeitnehmerhaushalt kann nur einen geringen Teil, gem. einer BDEW Statistik wurden 09 lediglich 2% dem Eigenverbrauch zugeführt, des erzeugten religiös verehrten Solarstroms nutzen. Der Journalist hat demzufolge die übliche Oekopropaganda ohne nachzudenken repetiert.

Der erzeugte Strom ist im Netz so wertlos wie im Eigenverbrauch. Wie lange die Gesellschaft bereit ist den Strom, Wert 1c/kWh, mit 19,5c/kWh zu vergüten dürfte davon abhängen wie lange es dauert bis die Deutsche Gesellschaft durch die Alimentierung Südeuropas finanziell überfordert wird. Es erscheint unwahrscheinlich dass man diese Subventionen noch in 20 Jahren auszahlen wird.

Meines Erachtens gibt es bessere Geschäfte.

Vandale

Gastredner

27.06.2012, 16:49 Uhr

Die Solarenergie wurde in Deutschland bisher mit rund 100 Milliarden (!) subventioniert. Die sog. Stromgestehungskosten - die sind im übertragenen Sinne die Herstellungskosten, die der Stromproduzent hat - liegen bei Atomstrom mit ca. 4 Cent/KWh am günstigsten, gefolgt von Kohle & Gas mit 6-9 Cent/KWh. Solarenergie kostet um die 30 Cent/KWh. Also ganz grob nahezu das 10fache !!!!! dessen, was Atomstrom in der Herstellung kostet. Das muss man sich nur mal vorstellen. Aktuell macht Atomstrom am gesamten Stromenergiemix ca. 30% aus. Wenn dieser Anteil durch 'Erneuerbare' ersetzt werden soll, die im Mittel ca. 4.5 Mal so teuer sind, wie Atomstrom, gibt's hier nichts anderes als die absolute Kostenexplosion. Das wird das ökonaive Volk schon merken. Aber bleiben wir beim Thema Solarenergie. Eine absolute Riesensauerei. Die blanke Verbennung von Volksvermögen. Dadurch, dass diese Stromerzeugungsform nicht funktioniert bzw. nur zu so exorbitanten Kosten, dass sie jede Volkswirtschaft in den Ruin treibt. Und diejenigen, die diese Zeilen hier lesen, sollen sicht das mal ausdrucken und ihrem Umfeld erklären. Vielleicht setzt dann bei so einigen endlich mal ein Umdenken ein. Wir sollten durch den ganzen 'Morgen geht die Welt jetzt aber wirklich unter' Blödsinn in die Vollverarmung getrieben werden. Es ist nicht so, dass die Politik diese Zahlen nicht kennt oder deren Zusammenhänge nicht versteht. Es dient der schleichenden Verarmung des Volks.

sgk_10

27.06.2012, 16:52 Uhr

+++News+++RWE ZÜCHTET ANANAS IN ALASKA+++News+++

RWE hat erkannt, dass Solarstrom in Deutschland sinnvoll ist.
RWE hat im Juni bekanntgegeben, dass sie bis Ende 2012 in 1 GW bauen und mehrere Mrd. EUR investieren möchten, um das margenschwache Kohlestromgeschäft aufzubessern.

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