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13.01.2005

07:24 Uhr

Geringere Steuervorteile bei Medienfonds

Mit Schiffscontainern lässt sich der Fiskus ärgern

VonEva Engelken

"Ohne eine gute Rendite verbrennt man sich an so genannten Steuersparmodellen die Finger", bringt Peter Lischke, Finanzberater der Verbraucherzentrale Berlin, die neuerdings herrschende Meinung der Experten auf den Punkt.

HB DÜSSELDORF. Doch die Rendite lasse bei drei Vierteln aller neu auf den Markt kommenden "Steuersparmodelle" zu wünschen übrig. Zudem erkennen die Finanzämter längst nicht mehr alle Konstruktionen an, wie die Oberfinanzdirektion Münster bestätigt. "Besser als auf die steuerlichen Verlustzuweisungen zu setzen, ist es daher, die langfristige Rendite zu beobachten", betont auch Fondsexperte Ralph Heller von HW HanseInvest. Beispielhaft gilt dies für drei Beteiligungsmodelle aus dem Bereich der geschlossenen Fonds, die als Steuersparmodelle galten: die Container- die Schiffs- und die Medienbeteiligungen.

"Die Schiffscontainer, mit denen Waren um die ganze Welt transportiert werden, sind ein sehr attraktives Investment, da sie von der weltwirtschaftlichen Entwicklung profitieren", sagt Containerexperte Ralph Heller. So erwartet das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) eine Verdopplung des Warenverkehrs auf den Weltmeeren in den kommenden zehn Jahren. Schon bisher wächst der Containerschifffahrtsmarkt jährlich um 9 %, während der Seeverkehrsmarkt insgesamt um 3 % pro Jahr zunimmt, schreibt das ISL in einer aktuellen Studie. Diese Entwicklung verstärkt die Nachfrage nach Containern, deren Anzahl sich seit 1995 auf 17 Millionen mehr als verdoppelt hat.

Anleger können dies mit zwei Arten von Fonds nutzen, die von den vier Hauptanbietern angeboten werden. Bei Buss Capital und Conrendit beteiligt man sich an einer KG mit einem Portfolio von bis zu 10 000 Containern. Bei den Anbietern P&R und Schroeder Container erwirbt oder least man Einzelcontainer, die dann weiter vermietet werden.

"Attraktiv ist die kurze Laufzeit von 5 bis 6 Jahren bei einer hohen Nachsteuerrendite mit einer ?sieben' vor dem Komma", sagt Fondsexperte Heller. Die Ausschüttungen erfolgen mit Ausnahme von Conrendit quartalsweise, der Kunde kann sich also mehrmals im Jahr über Rückflüsse freuen. Nach der Laufzeit kauft der Initiator die Boxen zu einem feststehenden Betrag zurück. Die Mindestbeteiligung bei allen Modellen liegt zwischen 8 000 und 15 000 Euro.

Steuerlich attraktiv ist die Anlage, weil der Anleger die Abschreibungen der Container und die Zinsen der Leasingraten steuerlich mit den Einnahmen verrechnen kann, was die Rendite nahezu steuerfrei macht. "Vorausgesetzt, die Rendite stimmt, kann man hier das Steuersparmodell noch als Sahnehäubchen mitnehmen", sagt Finanzexperte Lischke.

Von der weltwirtschaftlichen Entwicklung profitiert auch der Markt für Schiffsbeteiligungen. Anlageobjekt sind Beteiligungen an neuen oder gebrauchten Schiffen, Frachtern, Tankschiffen oder Containerschiffen. Der Mindesteinsatz liegt bei 15 000 Euro plus einem Agioaufschlag von 5 %. Die Rendite nach Steuern in Form von Ausschüttungen des Fonds kann zwischen 6 bis 10 % erreichen und das bei einer Laufzeit von 10 und mehr Jahren.

"Bei den Steuervorteilen sollte der Anleger allerdings aufpassen", betont Daniel Velte, Geschäftsführer des Fondshauses Hamburg. Denn nur bei dem alten, nur noch bis 2007 gültigen Kombinationsmodell können Anleger mit den steuerlichen Anfangsverlusten ihre Steuerlast in die Zukunft verschieben - immer vorausgesetzt, das Finanzamt erkennt die Verluste an. Nach der Anfangsphase von 2 Jahren können sie nach § 5 a Einkommensteuergesetz zu einer pauschalen Gewinnermittlung wechseln. Bei dieser wird nicht der tatsächliche Gewinn aus den Chartereinnahmen, sondern die Größe des Laderaums des jeweiligen Schiffes besteuert, unabhängig davon, ob das Schiff voll ist oder nicht. "Damit werden im Ergebnis nur 0,2 % der Einlage des Anlegers besteuert, was im Ergebnis die Ausschüttungen nahezu steuerfrei macht", erläutert Velte. Ab 2007 ist die Tonnagesteuer der einzige Steuervorteil der Schiffsbeteiligungen. "Was zählt, ist daher die Wirtschaftlichkeit der Beteiligung", sagt Velte. Allerdings sei es fraglich, ob sich der Markt auch in Zukunft so gut entwickelt wie bisher.

Für Medienfonds, die sich an der Produktion und Vermarktung künftiger Filme beteiligen, hatten die Deutschen bisher ein besonderes Herz. Nach Branchenschätzungen wurden 15 % aller Hollywood-Filme von deutschen Anlegern finanziert. "Inzwischen bestehen jedoch große Zweifel, ob sich die gewünschten Steuervorteile weiterhin realisieren lassen", sagt Lischke.

Bisher konnten die Aufwendungen für die Herstellung eines Films sofort im Jahr der Herstellung als Betriebsausgaben steuerlich gewinnmindernd geltend gemacht werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Finanzämter die Fonds-Verluste anerkennen. "Das erste Kriterium dafür erfüllen die großen Anbieter inzwischen wenigstens formell", sagt Medienfondsanalyst Raimund Franken von Rinke Medien Consult. "Sie beachten den Medienerlass des Finanzministeriums, wonach die hohen Steuervorteile nur die Anleger bekommen, die wesentliche Einflussmöglichkeiten auf die Filmproduktion haben" (Az.: IV A 6 - S 2241 - 81/03).

Doch letztendlich ist Betriebsprüfung entscheidend, ob die Verluste anerkannt werden. "Neben den steuerlichen Effekten sollten Fondsanleger auch genau prüfen, ob sie für ihre Mindesteinlage von 15 000 Euro auch überhaupt die Chance haben, genügend Rendite aus den Filmerlösen zu bekommen", betont Franken.

Die Anlagedauer liegt in der Regel zwischen 5 und 15 Jahren. "Im Erfolgsfall kann die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital nach Steuern 40 % oder sogar mehr erreichen, wenn der Fonds entsprechend konzipiert ist", erläutert Franken.

Doch die Rendite in Form von variablen Lizenzzahlungen und einen festen Anteil an der Abschlusszahlung steht keinesfalls fest. Bei Film-Flops droht der Totalverlust, wenn das Anlegergeld nicht ausreichend gesichert ist - etwa durch eine Schuldübernahme des Emittenten. Franken: "Dann werden nicht Steuern gespart, sondern Gelder verbrannt".

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