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04.03.2013

14:45 Uhr

Geschlossene Fonds

Die Tricks der Anlagebetrüger

VonKatharina Schneider

Ganz ohne Risiko geht es nicht, doch von manchen Anlageprodukten sollten private Investoren besser die Finger lassen, das zeigt gerade wieder der Fall S&K. Bei welchen Maschen Anleger skeptisch werden sollten.

Anleger müssen genau hinschauen, um nicht auf die Tricks von Betrügern hereinzufallen.

Anleger müssen genau hinschauen, um nicht auf die Tricks von Betrügern hereinzufallen.

DüsseldorfWürden Sie diesen Leuten Ihr Geld anvertrauen? Wer heute die Fotos der S&K-Gründer sieht und von ihren Partys mit Models und Prominenten, ihren Luxuskarossen und den mutmaßlichen Verstrickungen mit anderen Unternehmen liest, wird ohne langes Nachdenken mit „Nein“ antworten. Das Problem ist nur: Die Herren Schäfer und Köller – die Gründer der S&K –haben den Anlegern ihre Fonds-Beteiligungen wohl nicht persönlich verkauft. Und selbst wenn, wären sie dabei vermutlich nicht in spärlichem Pool-Party-Dress und mit leicht bekleideter Dame im Arm erschienen.

Doch es hat andere Warnsignale gegeben. Handelsblatt Online zeigt, welche Hinweise private Investoren in den Beschreibungen von Anlageprodukten wie geschlossenen Fonds finden können und auf welche Maschen der Vermittler sie nicht hereinfallen sollten.

Um diese Produkte geht es im S&K-Fall

Liste der Rechtsanwalt-GmbH PIA

Die Rechtsanwalt-GmbH PIA, ein Zusammenschluss der beiden großen Kanzleien Nieding und Barth in Frankfurt und Tilp in Tübingen, hat eine Liste mit Fonds und anderen Produkten erstellt, die von dem mutmaßlichen Betrug der S&K betroffen sind. Nachfolgend wird diese Liste dargestellt.

S&K Real Estate Value Added Fondsgesellschaft mbH & Co. KG

Über eine Treuhandkommanditistin der United Investors Gruppe wurden hier die Gelder der Anleger, ausweislich des Prospektes, in andere S&K Gesellschaften investiert, die sich wiederum an weiteren S&K Zweckgesellschaften beteiligen sollten. Diese sollten dann in Immobilien aus Zwangsversteigerungen investieren.

Deutsche S&K Sachwerte GmbH & Co. KG

Bei dieser Beteiligung wurden Anlegergelder des Fonds als Darlehen an die Deutsche S&K Sachwert AG vergeben, welche die Gelder dann auf dem deutschen Immobilienmarkt investieren sollte. Die Beteiligung erfolgte über eine treuhänderisch gehaltene Kommanditbeteiligung.

Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 GmbH & Co. KG

Der Nachfolgefonds zum Deutsche S&K Sachwerte GmbH & Co. KG versprach die gleiche Strategie wie der Vorgänger. Auch hier sollten Anlegergelder als Darlehen an S&K Gesellschaften vergeben werden, die dann im Immobilienmarkt investieren sollten.

S&K Investment GmbH & Co. KG und S&K Investment Plan GmbH & Co. KG

Als Private-Equity Fonds sollten die vorstehenden Beteiligungsangebote nicht nur der Immobilienfinanzierung, sondern der S&K Gruppe auch zum Wachstum dienen.

„Vario” Produkte

Die sogenannten „Vario” Produkte (Vario Zins, Vario Flex, Vario Loan, Vario First und Vario Prime) der Deutsche Sachwert Emissionshaus AG (DSW), die in S&K Gesellschaften investiert haben.

MIDAS Mittelstandsfonds

Die MIDAS Mittelstandsfonds Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 6 GmbH & Co. KGs, die von der S&K Gruppe 2011 übernommen wurden.

SHB-Fonds

Die SHB-Fonds der SHB Innovative Fondskonzepte AG, an denen die S&K Gruppe über die Muttergesellschaft beteiligt ist, insbesondere die SHB Altersvorsorgefonds, SHB Renditefonds 6 und die SHB Fonds Fürstenfeldbruck und München.

DCM-Fonds

Die DCM-Fonds der DCM AG, die seit 2012 von der S&K gehörenden DCM Verwaltungs GmbH und der DCM Service GmbH verwaltet werden.

Asset Trust AG

Die Asset Trust AG bewog Anleger in der Vergangenheit dazu, Lebensversicherungen gegen Investments in S&K zu tauschen. Auch über die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG beteiligen sich Anleger an S&K.

Um zu ahnen, dass an dem System der S&K mit ihren zahlreichen Tochterunternehmen und diversen Fonds etwas nicht stimmte, mussten Anleger schon genauer hinschauen und eine ordentliche Portion Finanzwissen mitbringen. Skeptisch hätten sie etwa bei der Lektüre des Emissionsprospekts zum Fonds „Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2“ werden können. Dieser investierte nicht direkt in Immobilien, vielmehr wurde mit dem Geld der Anleger ein Darlehen an ein S&K-Tochterunternehmen gezahlt. Dessen Investitionen sollten dann „im weitestgehenden Zusammenhang mit Immobilien“ stehen.

„Das ist keine gute Ausgangslage“, sagt Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Wenn der Fonds nicht selbst in Immobilien investiert und die Gesellschaft auch keinen Konzernabschluss vorlegt, kann der Kunde also nicht nachverfolgen, wie das Geschäft läuft.“ Außerdem laufen die Anleger im Falle einer Insolvenz Gefahr, ganz hinten in der Reihe zu stehen.

Auch die hohen Zinsen waren ein Warnsignal. Den Anlegern wurde eine jährliche Rendite von zwölf Prozent in Aussicht gestellt – und das, obwohl von ihrer Einlage und dem zu zahlenden Aufschlag nur etwas mehr als 80 Prozent als Darlehen weitergegeben wurden. Der Rest ging laut Prospekt für Vergütungen, Provisionen, sonstige Kosten und eine kleine Liquiditätsreserve drauf.

Fallstricke bei geschlossenen Fonds

Vermögenslage

Anteile an geschlossenen Fonds oder Unternehmensbeteiligungen sind in der Regel nur etwas für Anleger, deren Vermögen im sechsstelligen Bereich liegt und die bereits Aktien, Anleihen, Festgeld und ein eigenes Häuschen besitzen. Der Anteil geschlossener Fonds sollte maximal 30 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen.

Laufzeit

Die Beteiligungen laufen in der Regel zehn Jahre und länger. Der Anleger muss somit in der Lage sein, über viele Jahre auf dieses Geld zu verzichten. Ein vorzeitiger Verkauf ist zwar beispielsweise bei Schiffen über den Zweitmarkt möglich. Die Preise dort schwanken jedoch stark – insbesondere seit der Finanzkrise.

Steuern

Steuerliche Aspekte spielen im Gegensatz zu früheren Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle beim Kauf von geschlossenen Fonds. Viele populäre Anlagemodelle wie die in den 90er-Jahren – etwa Ost-Immobilien mit hohen Sonderabschreibungen – gibt es längst nicht mehr.

Trends

Wie viele andere Anlageklassen unterliegen auch die geschlossenen Fonds und Unternehmensbeteiligungen gewissen Modetrends. Beliebt sind aktuell Fonds im Bereich Flugzeugleasing. Zudem ist zu beobachten, dass die Anleger wieder risikofreudiger werden. Sogar Private-Equity- und Projektentwicklungsfonds finden wieder Käufer. Das war vor zwei Jahren noch nahezu undenkbar.


„Bei einer zweistelligen Rendite sollten Anleger grundsätzlich skeptisch werden“, sagt Bauer. Aktuell sind die Zinsen für Bankkredite günstig. „Da muss man sich schon fragen, warum ein Unternehmen, das seriöse Absichten hat und Sicherheiten bieten kann, sein Kapital nicht viel preiswerter mit einem Bankkredit aufstockt, dafür müsste es nur drei bis vier Prozent Zinsen zahlen“, so Bauer.

Kommentare (17)

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salpeter

04.03.2013, 15:50 Uhr

Anleger sollten am besten dann die Finger weg lassen, wenn die Gier sie überrollt, sie alles vergessen, links liegen lassen, mental out of orders "klicken" bei der Vorstellung "dieser" Anlage!

Account gelöscht!

04.03.2013, 16:11 Uhr

Wer bei 12% Rendite nicht skeptisch wird, dem ist nicht mehr zu helfen.

Aber bei zweistelligen Renditen, gepaart mit den Begriffen 'Steuern sparen', 'Inflationsschutz' und 'Sachwertanlage' schaltet bei vielen Anlegern das Hirn halt ab.

Natürlich wird jetzt wieder mit dem Finger auf diverse Vermittler gezeigt, die hier zweifelhafte Empfehlungen ausgesprochen haben. das ist auch weitestgehend berechtigt, greift aber zu kurz.
Warum sind beispielsweise beteiligte Anwälte und Wirtschaftsprüfer bei solchen kritischen Fragen immer sofort aus der Schusslinie, obwohl dort richtig abgesahnt wird?

Ich fände es gerecht, wenn auch diese Beteiligten mithaften, denn deren Testate signalisierem dem Anleger zusätzlich Seriösität.

Kettner

04.03.2013, 16:13 Uhr

Mal wieder ein unglaublicher Blodsinn, die das Handelsblatt von sich gibt: Privatanleger hätten in geschlossenen Fonds nichts zu suchen. Sie berichten über das angeblich mangelnde finanzielle Grundverständnis der Privatanleger, klassifizieren selbst aber den "geschlossenen Fonds" per se als "nicht geeignet".
Mal eine andere Frage: Wie viele "geschlossene Fonds" gibt es, die keine Probleme haben und gut performen? Zäumen Sie doch endlich auch einmal das Pferd von hinten auf und berichten Sie nicht andauernd von den "bösen Kapitalvernichtern: Geschlossene Fonds". Hier ist Ihnen sowieso mittlerweile zu unterstellen, dass Sie Werbung für einige bekannte Anwälte machen, die um Mandate buhlen. Für mich war der Entschluss goldrichtig, dass ich mein HB- und Wiwo-Abo vor einiger Zeit gekündigt habe.

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