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02.02.2018

13:28 Uhr

„Goldfinger“-Masche

Großrazzia bei Millionären wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung

VonVolker Votsmeier

Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt bei der sogenannten „Goldfinger“-Masche gegen 106 Beschuldigte, meist Einkommensmillionäre.

Großeinsatz wegen der „Goldfinger“-Masche. dpa

Marke einer Steuerfahnderin

Großeinsatz wegen der „Goldfinger“-Masche.

DüsseldorfEs geht um mögliche Steuerhinterziehung mit einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro: Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt gegen 106 Beschuldigte, die im Verdacht stehen, durch dubiose Tricks den Fiskus geprellt zu haben. Mitte Januar gab es im Rahmen der Ermittlungen eine große Durchsuchungsaktion vor allem in Süddeutschland. Im Einsatz waren 30 Staatsanwälte, über 800 Beamte verschiedener Steuerfahndungsstellen und die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Ermittlungen und die Razzia. Es bestehe der Verdacht, dass zwei Beschuldigte ein illegales Steuersparmodell initiiert und maßgeblich zusammen mit drei weiteren Beschuldigten betrieben haben. Diese werden verdächtigt, das Steuersparmodell umgesetzt und so im Zeitraum von 2009 bis 2016 nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt zu haben. Bekannt wurde die Masche unter dem Namen „Goldfinger“.

Vor allem bei Einkommensmillionären war dieser Trick beliebt, konnten sie so ihre Steuerlast doch massiv drücken. Dabei nutzten sie das Progressionssystem des deutschen Steuersystems aus. Das Modell wurde auf den Namen „Goldfinger“ getauft, weil sich die Spitzenverdiener zur Erzeugung steuerlich relevanter Verluste häufig einer eigens dafür gegründeten Goldhandelsfirma im Ausland bedienten, über die Käufe von Gold oder anderen Edelmetallen abgewickelt wurden.

Der Trick dabei: Die zum Zweck der Steuergestaltung gegründete Firma musste in einem Land gegründet werden, mit dem ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht. Dann konnten Verluste aus dem Ankauf von Gold bei der Ermittlung des Progressionsvorbehaltes in Deutschland geltend gemacht werden. Der auf das inländische Einkommen anzuwendende persönliche Steuersatz konnte so im günstigsten Fall auf null gedrückt werden.

Entstanden im Folgejahr durch den Verkauf der Edelmetalle entsprechende Einkünfte, wurden diese zwar ebenfalls zur Ermittlung des persönlichen Steuersatzes in Deutschland herangezogen. Da dieser aber aufgrund der Millioneneinkommen der Steuerpflichtigen ohnehin in der Nähe des Spitzensteuersatzes lag, steigerte das ausländische Einkommen den deutschen Steuersatz in der Regel nur unerheblich oder im Idealfall gar nicht. Die Einnahmen der ausländischen Firma selbst wurden nicht in Deutschland, sondern im Ausland mit einem häufig massiv niedrigeren Satz versteuert. In vielen Fällen konnten sie aber auch mit den zuvor entstandenen Verlusten aus dem Ankauf verrechnet werden.

Der Gesetzgeber schaute dem Treiben lange Jahre zu. Erst am 5. Juni 2013 einigte sich der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat darauf, künftig „unerwünschte Gestaltungen zur Steuervermeidung“ einzuschränken. Das Modell „Goldfinger“ wurde komplett aus dem Einkommensteuergesetz gestrichen. Zuvor hatte der Bundesrechnungshof gerügt, dass dem Staat durch das „Goldfinger-Modell“ jährlich Steuern in dreistelliger Millionenhöhe entgehen.

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