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12.10.2016

18:27 Uhr

Grauer Kapitalmarkt 2.0

Marktwächter warnen vor neuer Abzocke

VonKatharina Schneider

Es sind keine klassischen Geldanlage-Modelle, doch den Verbraucherschützern machen sie Sorgen: Im Internet werden Verbraucher in vermeintlich lukrative Geschäfte gelockt, doch dahinter stecke oft ein Schneeballsystem.

Bei unseriösen Anbietern im Internet können Verbraucher viel Geld verlieren. dpa

Geldstapel

Bei unseriösen Anbietern im Internet können Verbraucher viel Geld verlieren.

FrankfurtDer Traum vom großen Geld und zweistellige Renditen bei angeblich hoher Sicherheit – diese Mischung hat schon Hunderttausende Anleger in den Ruin getrieben. Windige Geschäftemacher tummeln sich insbesondere auf dem Grauen Kapitalmarkt, der lange Zeit kaum reguliert war. Die Verbraucherzentrale Hessen warnt jetzt vor neuen Maschen: Undurchsichtige Geschäftsmodelle werden nicht mehr von Vertrieblern an der Haustür oder in schicken Prospekten beworben, sondern auf Internetseiten und in Youtube-Videos.

Der Marktwächter Finanzen, ein Frühwarnnetzwerk der Verbraucherzentralen, teilte am Mittwoch mit, dass ihm aus neun Bundesländern und über das Portal marktwaechter.de neue Fälle gemeldet worden seien, die „den Verdacht auf verbotene Schneeballsysteme nahelegen“. Die Verbraucherschützer warnen vor „betrügerischen Angeboten, die sich als simple, seriöse und renditestarke Geldanlage präsentieren“.

Wie die Welt im Jahr 2015 ihr Geld anlegt

Nordamerika

Anlageklassen in Prozent des Brutto-Geldvermögens

Bankeinlagen: 14 Prozent

Wertpapiere: 51 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 32 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Quellen: Allianz Wealth Report (Nationale Zentralbanken und Statistikämter, Allianz SE)

Westeuropa

Bankeinlagen: 30 Prozent

Wertpapiere: 27 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 40 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Osteuropa

Bankeinlagen: 54 Prozent

Wertpapiere: 28 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 10 Prozent

Sonstige Forderungen: 8 Prozent

Asien

Bankeinlagen: 44 Prozent

Wertpapiere: 41 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 13 Prozent

Sonstige Forderungen: 2 Prozent

Hinweis: Japan ist in dieser Kategorie nicht gelistet

Japan

Bankeinlagen: 53 Prozent

Wertpapiere:18 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 28 Prozent

Sonstige Forderungen: 1 Prozent

Ozeanien

Bankeinlagen: 23 Prozent

Wertpapiere: 24 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 52 Prozent

Sonstige Forderungen: 1 Prozent

Lateinamerika

Bankeinlagen: 23 Prozent

Wertpapiere: 41 Prozent

Versicherungen und Pensionen: 33 Prozent

Sonstige Forderungen: 3 Prozent

Aufgefallen seien vermeintliche Angebote, bei denen der Verbraucher durch Anklicken von Werbeanzeigen im Internet oder durch das Vermieten von freiem Speicherplatz auf dem eigenen PC Geld verdienen soll. Solchen Offerten sei aber gemein, dass der Verbraucher zuerst eigenes Geld investieren müsse. „Die Zahlung ist angeblich nötig, um Einnahmechancen zu verbessern, sich technische Unterstützung des Anbieters zu erkaufen oder schlicht als Bearbeitungsgebühr für den Initiator“, schreiben die Marktwächter. Verbraucherbeschwerden habe es etwa zu den Angeboten von Crowdfunding International (CFI), Wowicro oder Kairos Technologies gegeben.

Unter den angeprangerten Seiten gebe es auch vermeintliche Crowdfunding-Anbieter, die nach Angaben der Marktwächter den Anschein erweckt hätten, Spenden für Projekte einzusammeln. „Die Modelle bestehen aus Spenderstufen: Der erste Spender zahlt einen festen Betrag, von dem ein Teil an andere Empfänger fließt“, so die Erklärung der Marktwächter. „Sobald man eine bestimmte Stufe innerhalb der Hierarchie erreicht hat, kann man die Spenden selbst behalten. Die Einnahmen sollen mit dem Erklimmen weiterer Stufen exponentiell steigen.“

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