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03.09.2015

11:11 Uhr

Grauer Kapitalmarkt

Die mysteriösen Machenschaften der Eusa AG

VonGertrud Hussla

Die schwäbische Eusa AG hatte Anlegern die „wohl sicherste Anlageform der Welt” versprochen: Genussrechte mit Zinsen von über sechs Prozent. Nun ist sie insolvent.

Rund 120 Anlegern sollen mindestens 3,4 Millionen Euro in Eusa investiert haben.

Genussrechte

Rund 120 Anlegern sollen mindestens 3,4 Millionen Euro in Eusa investiert haben.

DüsseldorfDie Webseite gibt es noch: „Kommen Sie in die Gewinnzone und sichern Sie sich attraktive Renditemöglichkeiten der Eusa AG”, steht dort. In die „wohl sicherste Anlageform der Welt”, dürfen Sparer ihr Geld stecken. Sie können Genussrechte kaufen. Mindestzeichnungssumme 1000 Euro. Darauf soll es Zinsen zwischen 6,25 und zwölf Prozent geben.

Wer bei Eusa anruft und Geld investieren will, landet allerdings nur bei einer automatischen Ansage. Damit kann zumindest der Schaden nicht noch größer werden: Seit vergangenem Donnerstag ist die Eusa AG insolvent. Sachwerte hat der Verwalter Erion Metoja aus Schwäbisch Hall bislang nicht entdeckt. Wo das Geld gelandet ist, bleibt ein Rätsel. Lediglich 6000 Euro Cash hat Metoja auf dem Konto vorgefunden.

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50 Millionen Euro wollte die Eusa AG einsammeln, vorwiegend über die Muttergesellschaft Procura Finanz GmbH, die inzwischen „DMV Deutscher Makler Vertrieb” heißt. Die Firmengruppe hatte sogar Immobilienfachleute eingestellt. Ein paar Häuser sollen eingekauft und weiterverkauft worden sein. Doch heute ist keine einzige Immobilie mehr vorhanden. Zuständiges Insolvenzgericht ist das Amtsgericht Heilbronn. Anleger können ihre Ansprüche bis zum 8. Oktober dem Insolvenzverwalter melden.

Metoja weiß bisher von rund 120 Anlegern, die mindestens 3,4 Millionen Euro investiert haben. Nach Recherchen des Berliner Anwalts für Kapitalanlagerecht, Michael Zischka, haben etwa 200 Anleger Verträge über zwölf Millionen Euro unterzeichnet. Davon seien etwa acht Millionen Euro bereits geflossen. Die Eusa AG hatte auch Ratenanlagen angeboten mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren. Sie richtete ihr Angebot damit auf Kleinanleger.

Diese konnten Genussrechte zeichnen. Das sind anleiheähnliche Papiere, die nicht handelbar und stimmrechtslos sind und deren Zinsen sich je nach Gewinnlage ändern können. Solche Papiere hatte auch der Windparkbetreiber Prokon ausgegeben. Bei einer Laufzeit von drei Jahren versprach die Eusa 6,25 Prozent. Bei zwölfjähriger Laufzeit sogar zwölf Prozent Zins. Die Frage, in welcher Rangfolge die Gläubiger befriedigt werden, dürfte sich nun kaum stellen: Wo nichts ist, gibt es nichts zu verteilen.

Als noch Geld eingeworben wurde, bekamen Altanleger ihre Zinsen. Es besteht nun der Verdacht, dass es sich um ein Schneeballsystem handelte.

Auch die Muttergesellschaft Deutscher Makler Vertrieb GmbH soll nach Informationen des Handelsblatts inzwischen vor der Zahlungsunfähigkeit stehen. Sie hatte für die Anlagen in die Eusa AG kräftig kassiert. Sparer haben sieben Prozent Provision gezahlt.

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