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22.05.2014

15:27 Uhr

Grauer Kapitalmarkt

Mehr Transparenz – kaum Verbote

VonKatharina Schneider

Zehntausende geschädigte Anleger und ein Verlust in Milliardenhöhe – der Fall Prokon hat die Regierung zu einem Aktionsplan animiert. Sie will Anleger besser vor Produkten wie geschlossene Fonds schützen. Die Details.

Zehntausende Anleger vertrauten dem Windanlagenfinanzierer Prokon und müssen nun um ihr Geld bangen. dpa

Zehntausende Anleger vertrauten dem Windanlagenfinanzierer Prokon und müssen nun um ihr Geld bangen.

DüsseldorfViel versprochen haben sie alle, doch am Ende mussten Anleger Verluste in Milliardenhöhe verbuchen. Prokon, S&K, Infinus – das sind nur die jüngsten Beispiele für Unternehmen, die Kleinanleger mit hoher Rendite und angeblich geringem Risiko gelockt haben. Am Ende entpuppten sich die vermeintlich sicheren Anlagen beispielsweise als Schneeballsysteme und das Geld der Anleger war verloren.

Vor solchen Investments am Grauen Kapitalmarkt sollen Privatanleger künftig besser geschützt werden, mit neuen Informationspflichten, strengeren Prospektregeln, Werbebeschränkungen und mehr Kompetenzen für die Finanzaufsicht Bafin. Wie genau das funktionieren soll, steht im „Aktionsplan für mehr Verbraucherschutz im Finanzmarkt“, den Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Donnerstag in Berlin vorgestellt haben.

Verhaltensregeln am grauen Markt

Misstrauen Sie hohen Renditen

Früher galten zweistellige Renditen als suspekt, heute wird es schon bei mancher Solaranleihe mit sechs Prozent Zins kritisch. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen möchten Sparer zwar gerne etwas mehr verdienen. Doch im Moment sind leider die Zinsen auf einem historischen Tief. Wer behauptet, er könnte Festgeldangebote und Anleiheanbieter haushoch überbieten, ist unglaubwürdig.

Lesen Sie alle Unterlagen

Die Entschuldigung „In Finanzdingen kenne ich mich nicht aus“ gilt nicht. Auch Experten brauchen oft Tage, bis sie einen Prospekt komplett verstanden haben. Wenn der Berater nur eine nette Broschüre mitgebracht hat, dann sollte der Anleger im Internet den Prospekt herunterladen (meist unter „Downloads“). Anbieter sind bei Fonds verpflichtet, alle Risiken aufzuzählen. Wer querlesen möchte, sollte zumindest die Prognoseplanung auf Plausibilität überprüfen. Wichtig ist die komplette Lektüre des Zeichnungsscheins.

Nehmen Sie Zeugen mit

Auch einem altbekannten Bankberater ist nicht unbedingt zu trauen. Die Angestellten stehen oft unter hohem Verkaufsdruck. Was besprochen wurde, gehört zwar ins Beratungsprotokoll. Aber auch das sichert im Zweifel eher den Berater ab als den Kunden. Deshalb: lieber einen Bekannten als Zeugen mitnehmen.

Hinterfragen Sie die Kosten

Die einfache Frage: "Was verdient der Berater?" stellen sich viele Anleger gar nicht. Erst hinterher wird ihnen klar, warum ihr Vermittler das eine oder andere Investment so toll fand.

Verbraucherschützer bewerten das Maßnahmenpaket grundsätzlich positiv: „Wir warten schon seit Jahren darauf, dass der Graumarkt reguliert wird. Unserer Ansicht nach gehören Produkte wie geschlossene Fonds und Genussrechte gar nicht in die Depots von Kleinanlegern“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Sie hätte sich deshalb eigentlich ein komplettes Verbot des aktiven Vertriebs gewünscht. „Dazu konnten sich die Ministerien leider nicht durchringen, der Aktionsplan bringt aber trotzdem interessante Verbesserungen“, sagt sie.

Daniel Vos, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bei der Kanzlei Göddecke ist kritischer: „Das Maßnahmenpaket ist nur eine Symptomkur, der Schutz der Anleger geht immer noch nicht weit genug“, sagt er. „Die Politik lässt sich damit auf ein Hase-und-Igel-Spiel mit den Produktanbietern ein, das sie nicht gewinnen kann. Um Kleinanleger wirklich zu schützen, müsste der Zugang der Anleger zum Grauen Kapitalmarkt für sie erschwert werden – beispielsweise durch hohe Mindestzeichnungssummen.“

Insbesondere der Fall Prokon hat die Bundesregierung wohl zum Handeln bewegt. Dem Windanlagenbetreiber hatten rund 75.000 Anleger etwa 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie investierten in riskante Genussrechte. Inzwischen ist das Unternehmen insolvent und den Investoren bleibt nur die Hoffnung, zumindest noch einen Teil ihres eingezahlten Kapitals zurückzubekommen. Vor solchen Fällen will die Bundesregierung schützen.

Konkret sollen Anleger künftig mehr Informationen zu den Finanzprodukten erhalten, auch die Risiken sollen stärker offengelegt werden. Dafür stellen die Minister schärfere Anforderungen an den Verkaufsprospekt: Hier müssen die Anbieter preisgeben, wann bereits begebene und noch laufende Vermögensanlagen fällig sind. Das soll dem Anleger „die Einschätzung erleichtern, in welchem Umfang eine Anlage dazu genutzt wird, früher eingegangene Verpflichtungen zu bedienen“ – ob es sich also beispielsweise um ein sogenanntes Schneeballsystem handelt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.05.2014, 16:26 Uhr

"Grauer Kapitalmarkt: Mehr Transparenz – kaum Verbote"

Für Versicherungen sollen auch die gleichen strengen orderungen wie für den "Grauen Kapitalmarkt" gelten! Betrachtet man die Lebensversicherungsverträger der Versicherten geht es hier um ein Vielfaches des "Grauen Kapitalmarktes" und Transparenz gibt dort auch nicht.

Die Preisangabenverordnung (PAngV) verlangt, dass Preise für das Anbieten von Waren oder Dienstleistungen im Verhältnis zum Endverbraucher angegeben werden. Bei fälligen Lebensversicherungen legen Versicherungen aber keine Daten offen, weshalb sie so hohe oder so niedrige Auszahlungsbeträge leisten.

Deshalb sollte dieses Geschäft gänzlich verboten werden. Unterzeichnen Sie die Petition:

https://www.openpetition.de/petition/online/verbot-des-vertriebs-von-lebensversicherungen-und-rueckabwicklung-bestehender-vertraege

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