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23.04.2015

20:00 Uhr

Grauer Markt

Sieben Regeln gegen windige Geldanlagen

VonGertrud Hussla, Sönke Iwersen, Volker Votsmeier , Massimo Bognanni, Andreas Dörnfelder, Michael Brächer

Viele Finanzprodukte bewegen sich in der Grauzone zwischen Legalität und Illegalität. Die Anbieter versuchen, den Deutungsspielraum geschickt zu nutzen. Die Risiken des grauen Kapitalmarkts – und wie Sie ihnen aus dem Weg gehen.

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„The Wolf of Wall Street“

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Düsseldorf1. Zügeln Sie Ihre eigene Gier!

Mit konservativen Geldanlagen ist derzeit kaum Geld zu machen. Die Zeiten sind hart, finden Sie sich damit ab. Geldexperten aller Art verzweifeln an dem, was sich „Niedrigzinsphase“ nennt. Lebensversicherer, die Milliarden verwalten, dabei aber kein Risiko eingehen dürfen, sind ratlos. Vernünftige Zinsen ohne Risiko gibt es einfach nicht mehr.

Das sieht man ausgerechnet an solchen Anlageformen am besten, die bisher in Deutschland am beliebtesten waren. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins bei 0,05 Prozent fixiert. Für zehnjährige Bundesanleihen wurden zuletzt nur noch 0,09 Prozent Zinsen pro Jahr ausgezahlt. Da frisst selbst die niedrigste Inflationsrate die Rendite gleich wieder auf. Für fünfjährige Anleihen bietet die Bundesbank erstmals in ihrer Geschichte gar keine Zinsen an. Auf dem Sekundärmarkt fielen die Angebote sogar bereits unter die Null-Linie. Es ist eine verrückte Welt.

Ulrich Kelber: „Anbieter und Anleger sind oft nicht auf Augenhöhe“

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Die Bundesregierung will den grauen Kapitalmarkt nicht austrocknen, aber die Spielregeln verschärfen. Warum das nötig ist, erklärt der Staatssekretär im Ministerium für Verbraucherschutz im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das bedeutet aber nicht, dass Sie nun auch verrückt sein müssen. Die Männer, die über die Fesseln der Niedrigzinsen klagen, haben im Umgang mit Vermögensbildung jahrzehntelange Erfahrung. Wenn die es schon nicht schaffen, Geld gleichzeitig sicher und gewinnbringend anzulegen, dann handelt es sich offenbar um eine besonders schwierige Aufgabe.

Doch die deutsche Psyche in Sachen Geld ist schwer zu verstehen. Sparzinsen von weniger als einem Prozent sind den Bundesbürgern nicht genug. Die Aktien im Dax, bei denen zuletzt durchschnittlich eine Dividendenrendite von 2,8 Prozent heraussprang, sind ihnen aber zu heikel. In den vergangenen zehn Jahren haben sich mehr als vier Millionen Deutsche von der Börse verabschiedet. Die Aktionärsquote ist auf 6,5 Prozent gesunken – kein anderes entwickeltes Industrieland hat weniger.

Was machen sie also? Sie wenden sich ab von großen Namen wie Adidas, Bayer und Deutscher Bank und geben ihr Geld lieber Unbekannten, die das Drei- bis Fünffache an Rendite versprechen. Zehn Prozent mit Holzanlagen in Deutschland. Zwölf Prozent mit Kautschukplantagen in Asien. 18 Prozent mit Ölbohrungen in den USA. All diese Angebote finden ihre Käufer. Oft scheint es, als würden die Sparer einfach den auswählen, der am meisten verspricht.

So legen deutsche Haushalte an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. 2014 machte der Posten einen Anteil von 39,2 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. 2014 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 38,2 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Andere Fonds

Fonds die nicht ausschließlich in Aktien investieren, sind bei den deutschen Anlegern eher gefragt. 5,8 Prozent machte ihr Anteil 2014 aus. Trotzdem ist der Wert seit 2001 zurückgegangenen, damals lag er noch bei 8,4 Prozent.

Sonstige Anteilsrechte

Der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen ist ebenfalls zurückgegangen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte noch 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2014 lag der Anteil bei lediglich 5,4 Prozent.

Aktien

Das in Aktien investierte Vermögen der deutschen Haushalte ist über die Jahre zurückgegangen. 2014 legten die deutschen Haushalte 4,5 Prozent ihres Vermögens in Aktien an. 2001 lag der Anteil noch bei 5,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. Im vergangenen Jahr ging die Quote auf 3,4 Prozent zurück.

Aktienfonds

Auch die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit verloren. Nur 2,8 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Ein solches Verhalten ist eine Einbahnstraße in die Katastrophe. Bei allem verständlichen Ärger über die niedrigen Zinsen: Dahinter stecken oft Scharlatane. Wer denen sein Geld anvertraut, die risikolose Anlagen mit zweistelligen Renditen in Aussicht stellen, darf sich später nicht beschweren, wenn er mit leeren Händen dasteht.

Wo hat der deutsche Anleger sein Geld nicht schon überall hingetragen! Festzinskonten in Island. Goldvorkommen in Kanada. Oft gleichen die Investmentausflüge der Deutschen den Erlebnissen von Baron Münchhausen. Nur dass der Sparer sich nicht am eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen kann. Wer sich von seiner eigenen Gier blenden lässt, verliert sein Geld umso schneller.

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