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04.08.2014

12:53 Uhr

Großzügige Auslegung

Der Handwerker muss nicht im Haus arbeiten

VonPaul Lauer

Haushaltsnahe Handwerkerleistungen können von der Steuer abgesetzt werden. Was genau noch haushaltsnah ist, musste nun der Bundesfinanzhof entscheiden und kam zu einer sehr großzügigen Auslegung.

Steuern sparen funktioniert auch, wenn der Handwerker außerhalb des Hauses beschäftigt ist. dpa

Steuern sparen funktioniert auch, wenn der Handwerker außerhalb des Hauses beschäftigt ist.

DüsseldorfSeit dem Jahr 2006 können private Haushalte haushaltsnahe Handwerkerleistungen steuerlich absetzen. Konkret nennt Paragraf 35a des Einkommensteuergesetzes Arbeiten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die in einem inländischen Haushalt erbracht werden.

In einem aktuellen Rechtsstreit ging es um die Frage, ob die Arbeiten für den Anschluss eines Grundstücks an die zentrale Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung zu den begünstigten Leistungen gehören, wenn sie im Auftrag des zuständigen Zweckverbands auf einer öffentlichen Straße ausgeführt wurden.


Die klagenden Eheleute hatten im Jahr 2001 ein Grundstück erworben und darauf im folgenden Jahr ein Einfamilienhaus errichtet. Das Haus wurde zunächst mit Trinkwasser aus einem Brunnen versorgt, das Abwasser über eine Grube entsorgt. Im Jahr 2005 begann der zuständige Zweckverband das Grundstück an die zentrale Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung anzuschließen. Wie in solchen Fällen üblich, stellte der Zweckverband im Jahr 2007 für die Aufwendungen Kostenbeträge in Rechnung, die die Eheleute in ihrer Einkommensteuererklärung 2007 als steuerbegünstigte Handwerkerleistungen geltend machten. Diese Aufwendungen erkannte das Finanzamt aber nicht an, da die Eheleute keine Belege vorgelegt hätten.

Steuertipps zum Umzug

Meldung beim neuen Finanzamt

Wenn Gewerbetreibende oder Freiberufler umziehen, müssen sie die Verlegung ihres Sitzes innerhalb eines Monats dem neuen Finanzamt melden. Privatpersonen geben einfach ihre nächste Steuererklärung beim neuen Finanzamt ab.

Meldung beim alten Finanzamt

Das alte Finanzamt muss man nicht informieren. Die Finanzämter unterrichten sich gegenseitig. Allerdings ist es sinnvoll, dem alten Finanzamt dennoch Bescheid zu geben, so können die Beamten die Akten schon an das neue Amt weiterleiten. Das kann die Wartezeit des Steuerzahlers verkürzen.

Private Umzugskosten

Wer aus privaten Gründen umzieht, hat nur geringe Möglichkeiten, die Kosten bei der Steuerklärung geltend zu machen. Wer ein Umzugsunternehmen engagiert, kann die Arbeitskosten für Möbelpacker als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen, anerkannt werden 20 Prozent der Kosten, maximal 4.000 Euro. „Die Materialkosten, etwa für den LKW und die Umzugskartons, sind jedoch nicht steuerlich absetzbar“, sagt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband. In der Rechnung der Spedition müssen deshalb alle Kosten einzeln aufgeschlüsselt werden. Zudem sollten die Leistungen nicht bar gezahlt werden, wichtig ist immer ein Kontobeleg und eine Rechnung.

Beruflich veranlasste Umzugskosten

Wer umzieht, weil er einen neuen Job hat oder sich das Pendeln sparen will, kann die Ausgaben als Werbungskosten geltend machen. „Zur Frage, wann ein Umzug beruflich veranlasst ist, gibt es viele Einzelfallentscheidungen, in der Regel wird es aber dann anerkannt, wenn die Fahrtzeit zur Arbeit durch den Umzug erheblich verkürzt wird“, sagt Steuerberater Deutsch. Als Richtwert wird oftmals eine Zeitersparnis von einer Stunde genannt.

Tatsächliche Umzugskosten

Wer wegen seines Jobs umzieht, kann die tatsächlichen Umzugskosten vollständig als Werbungskosten geltend machen. Hier wird nicht zwischen Materialkosten und Arbeitskosten unterschieden.

Sonstige Umzugskosten

Neben den tatsächlichen können pauschal auch sonstige Umzugskosten abgesetzt werden, darunter fallen beispielsweise Kosten für Zeitungsinserate, die Anmeldung des Telefonanschlusses und die Ummeldung des Autos. Für Umzüge nach dem 1. Januar 2012 beträgt die Pauschale für Ledige 657 Euro, für Ehepaare ist die doppelt so hoch und für jedes Kind kommen 289 Euro hinzu. Die einzelnen Belege muss der Steuerzahler nicht einreichen.

Wenn der Chef zahlt

Fein raus ist der Steuerzahler, wenn der Arbeitgeber seine Umzugskosten zahlt. „Sofern die Erstattung die tatsächlich entstandenen Kosten nicht übersteigt, gilt die Zahlung nicht als geldwerter Vorteil“, sagt Steuerberater Markus Deutsch. Es werden also weder Steuern noch Sozialabgaben fällig. Die Rechnungen muss der Steuerzahler seinem Arbeitgeber vorlegen, damit dieser die Belege aufbewahren kann.

Doppelte Miete absetzbar

Wer berufsbedingt umzieht und vorübergehend eine zweite Wohnung am Arbeitsort anmietet, kann diese Kosten unbegrenzt als Werbungskosten geltend machen. Wenn die Familie schon einige Monate später nachzieht, gilt das auch für die Kosten einer großen Wohnung mit mehr als 60 Quadratmetern, entschied der Bundesfinanzhof (Az: VI R 2/11, vom 13. Juli 2011). Dem Urteil zufolge liegt in diesem Fall keine doppelte Haushaltsführung vor, bei der die absetzbare Wohnung maximal eine Größe von 60 Quadratmetern haben dürfte.

Kosten für die Nachhilfe

Wenn der Nachwuchs wegen des Umzugs Nachhilfe benötigt, kann der Steuerzahler auch diese Kosten bei der Steuererklärung geltend machen. Ab 2012 werden 1.657 Euro anerkannt.


Nach einem erfolglosen Einspruch erhob das Ehepaar eine Klage beim Finanzgericht und reichte auch die entsprechenden Belege nach. Das überzeugte das Finanzgericht. Es ließ nicht nur den Abzug der Arbeitskosten auf dem Grundstück zu, sondern auch für die Arbeiten auf der Straße vor dem Grundstück.

BFH legt gesetzliche Regelung großzügig aus

In der anschließenden Revision, die das Finanzamt erwirkte, folgte der Bundesfinanzhof (BFH) nicht nur dem Finanzgericht, es legte die gesetzliche Regelung zum Abzug von Handwerkerleistungen auch noch weiter aus als bisher (Az.: VI R 56/12). Obwohl es im Gesetz heißt, dass die Handwerkerleistung „in“ einem Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden müsse, dürfe daraus nicht geschlossen werden, dass nur Tätigkeiten dazu gehören, die in der privaten Wohnung oder dem Haus und dem Garten geleistet werden.

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