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01.05.2013

16:42 Uhr

Guter Rat von TV-Anwalt Lenßen

Jura kann auch amüsant sein

VonKatharina Schneider

Anwalt Lenßen – bekannt aus seiner TV-Sendung – beschreibt in seinem neuen Buch Gesetzeslücken. Wer ein dröges Jura-Lexikon erwartet, wird überrascht.

Rechtsanwalt Ingo Lenßen setzt auf informative Unterhaltung.

Rechtsanwalt Ingo Lenßen setzt auf informative Unterhaltung.

DüsseldorfKommt ein Mann zum Anwalt – so oder so ähnlich beginnen zahlreiche Anekdoten, die Rechtsanwalt Ingo Lenßen in seinem neuen Buch „Die Lücke im Gesetz – wie man ungestraft davon kommt“ erzählt. Wie der Titel schon ahnen lässt, geht es um Fälle, in denen die Betroffenen bereits mit einer Strafe rechneten, dann aber doch verschont wurden – dank juristischen Know-hows.

Eine Anleitung, wie man Straftaten begeht, ohne dafür belangt zu werden, ist das Buch natürlich nicht. Vielmehr räumt Lenßen darin mit typischen Irrtümern und Missverständnissen juristischer Laien auf. Wer ausschließlich auf handfeste Ratschläge hofft, könnte enttäuscht sein. Lenßen verzichtet darauf, Paragraphen und Aktenzeichen zu zitieren. Er will nicht nur informieren, sondern vor allem unterhalten.

Ingo Lenßen

Der Autor

Ingo Lenßen wurde 1961 in Krefeld geboren.

Ausbildung

Lenßen studierte Rechtswissenschaften in Konstanz, arbeitete zwischenzeitlich in einem Anwaltsbüro in Rio de Janeiro. Seit 1997 ist er Fachanwalt für Strafrecht.

Anwaltsbüro

1990 ließ er sich als selbstständiger Rechtsanwalt in Meersburg am Bodensee nieder. Heute ist er Sozius der Anwaltskanzlei Lenßen & Partner in Ludwigshafen.

TV-Karriere

2002 trat Lenßen erstmals in der Sendung „Richter Alexander Hold“ auf. 2003 startete seine eigene Serie „Lenßen und Partner“, in der er die Hauptrolle spielt.

Das Buch

„Die Lücke im Gesetz – wie man ungestraft davon kommt“ ist im April 2013 im Rivaverlag erschienen.

Doch gerade die Tatsache, dass „Die Lücke im Gesetz“ kein typisches Sachbuch ist, macht es lesenswert. Denn es bietet Informationen, ohne dabei zu langweilen. Es ist kein trockenes Nachschlagewerk, sondern ein kleiner Wissensschatz in Plaudersprache.

Aufgeteilt ist das Buch in zehn Kapitel zu unterschiedlichen Rechtsgebieten. Die meisten Fälle stammen aus dem Zivilrecht. Hinzu kommen beispielsweise Familienrecht, Verkehrsrecht, Miet-, Steuer- und Arbeitsrecht. Die erste Lektion im Kapitel zum Zivilrecht lautet: Eltern haften nicht in jedem Fall für ihre Kinder. Sie haften nur dann, wenn sie ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind.

Die Rechte der Fluggäste

Betreuung bei Verspätung oder Annullierung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern Entfernung haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Betreuung bei Verspätung oder Annullierung 2

Anspruch auf Betreuung haben Reisende aber auch, wenn Flüge wegen "außergewöhnlicher Umstände" wie der Luftraumsperrung nach einem Vulkanausbruch annulliert werden müssen. Die Airlines müssen dann etwa im Ausland gestrandeten Reisenden solange Hotel und Vollpension zahlen, bis sie abfliegen können. Die Betroffenen können in solchen Fällen aber nur eine "notwendige und angemessene" Betreuung verlangen, heißt es in einem neuen EuGH-Urteil.

Stornierung und Umbuchung bei Streiks

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks ebenso wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) entschied: Streiks könnten als außergewöhnlicher Umstand von Airlines "nicht beherrscht" werden.

Informationen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Reisende sollten sich am Flughafen schriftlich die Verspätung oder Flugausfall bestätigen lassen. Hilfreich ist auch ein Beweisfoto der Anzeigetafel. Reisende sind allerdings verpflichtet, sich rechtzeitig über aktuelle Änderungen von Abflug- und Ankunftszeiten zu informieren. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Das habe er einmal einem völlig verzweifelten Vater erklären müssen, schildert Lenßen. Der dachte, er müsse für alle Forderungen aufkommen, die an seinen zwölfjährigen Sohn gestellt wurden. Das hätte teuer werden können, denn nachdem das Haus der Familie abgebrannt war, forderte die Versicherung plötzlich Geld von dem Sohn. Das konnte der Anwalt jedoch mit einem einfachen Schreiben abwenden, zumal auch die Polizei gar keine Brandursache feststellt hatte.

Kommentare (6)

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Sarina

01.05.2013, 17:01 Uhr

Mag ja sein, dass Lenssen ein interessantes und unterhaltsames Buch geschrieben hat. Mir persönlich wären die geschilderten Fallbeispiele jedoch zu anspruchslos und banal, um es meinem Bücherschrank zuzumuten. Wie das HB dazu kommt, diesem Thema gleich die Head-Line zu widmen, erschließt sich mir nicht.

Kulanz

01.05.2013, 17:23 Uhr

Müssen bezahlte Artikel nicht auch als solche gekennzeichnet werden? Oder wird wird beides im selben Verlag gedruckt? ;)

Ich_kritisch

01.05.2013, 17:31 Uhr

Es gibt sicherlich eine Klientel, die dieses Buch bedient.

Allerdings stelle ich mir gerade die Frage, ob das HB diese Klientel auch zu seinen Lesern zählt bzw. glaubt zählen zu müssen.

Hält das HB seine Artikel inzwischen wirklich selbst schon für so niveaulos?

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