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06.10.2014

10:48 Uhr

Häusliches Arbeitszimmer

Kein Arbeitszimmer zur Fortbildung

VonPaul Lauer

Den Fiskus an den Kosten für das häusliche Arbeitszimmer zu beteiligen, ist oft schwierig. In einer aktuellen Entscheidung hat ein Gericht die Grenzen erneut etwas enger gezogen. Was Steuerzahler jetzt wissen müssen.

Über das heimische Arbeitszimmer streiten Steuerzahler und Finanzämter besonders oft. dpa

Über das heimische Arbeitszimmer streiten Steuerzahler und Finanzämter besonders oft.

DüsseldorfDas häusliche Arbeitszimmer ist ein ständiger Zankapfel zwischen Steuerzahlern und dem Finanzamt. Die Ausgangslage ist klar: Ist das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit, können die Kosten problemlos im Rahmen der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden. Das gilt besonders für Selbstständige. Anders ist es bei Arbeitnehmern mit einem festen Job.

Auch sie können Aufwendungen für das Arbeitszimmer abziehen, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Der klassische Fall ist der Außendienstmitarbeiter, der aufgrund seiner Tätigkeit nicht regelmäßig im Büro anwesend und daher auf den Arbeitsplatz zu Hause angewiesen ist. In diesem Fall sind bis zu 1250 Euro abzugsfähig. Ist das Arbeitszimmer gar Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit, gilt der unbegrenzte Abzug.

Ansonsten gilt: Steht ein Arbeitsplatz im Betrieb zur Verfügung, ist der Abzug der Aufwendungen grundsätzlich nicht erlaubt, auch wenn ein Arbeitnehmer das Arbeitszimmer zuhause ausschließlich beruflich nutzt. Genau daran scheiterte jetzt die Klage eines Angestellten.

Zu wenig Zeit für die Fortbildung

In dem Streitfall hatte sich ein Angestellter der Steuerabteilung eines Unternehmens am Arbeitsplatz zu Hause weitergebildet und die entsprechenden Aufwendungen in seiner Steuererklärung geltend gemacht. Seine Begründung: Aufgrund seines Arbeitsvertrags sei er zur Weiterbildung verpflichtet.

So verstehen Sie das Finanzamt

Der Einspruch ist zulässig

Wenn das Finanzamt schreibt, dass der Einspruch zulässig sei, klingt das zunächst einmal gut, aber es ist nur die halbe Miete. Denn dies heißt nur, dass der Steuerzahler die formalen Voraussetzungen für einen Einspruch erfüllt hat – wie etwa das fristgerechte Einreichen.

Der Einspruch ist begründet

Erst bei der Frage, ob der Einspruch begründet ist, prüft das Finanzamt das Anliegen des Steuerzahlers inhaltlich.

Das Finanzamt hilft ab

Im Vokabular des Finanzamts bedeutet „abhelfen“, dass die Beamten dem Einspruch des Steuerzahlers folgen und beispielsweise eine außergewöhnliche Belastung doch als solche anerkennen.

Das Finanzamt gewährt AdV

Eigentlich muss eine Steuernachzahlung trotz eingelegtem Einspruch sofort beglichen werden. Der Steuerzahler kann jedoch AdV – Aussetzung der Vollziehung – beantragen. Das ist jedoch gefährlich, denn wenn der Steuerzahler Jahre später doch zahlen muss, kassiert das Finanzamt nicht nur die Nachzahlung, sondern auch noch saftige Zinsen.

Das Verfahren ruht

Wenn zu einer steuerrechtlichen Frage bereits ein Verfahren läuft, muss ein Steuerzahler, der sich aus den gleichen Gründen ungerecht behandelt fühlt, nicht selbst gegen seinen Steuerbescheid klagen. Es reicht, wenn er Einspruch einlegt und auf das laufende Verfahren verweist. Gewährt das Finanzamt das Ruhen des Einspruchsverfahrens, kann der Ausgang des anhängigen Klageverfahrens entspannt abgewartet werden.

Das Finanzministerium verhängt einen Nichtanwendungserlass

Wenn das Finanzministerium für eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs einen Nichtanwendungserlass verkündet, gilt das steuerzahlerfreundliche Urteil nur für den entschiedenen Klagefall. Andere Steuerzahler können sich dann nicht mehr darauf beziehen, sondern müssen gegebenenfalls selbst klagen.

Da er aber wegen seiner wöchentlichen Arbeitszeit von 42 bis 50 Stunden weder ausreichend Zeit noch die nötige Ruhe dafür finde und der Arbeitsplatz nur von Montag bis Freitag zur Verfügung stehe, habe er das am Wochenende zu Hause erledigt. Diese Begründung erkannte das Finanzamt aber nicht an, da das Arbeitszimmer nicht Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung des Klägers sei.

Kommentare (2)

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Herr Andre Werner

06.10.2014, 12:25 Uhr

Schöner (reißerischer?) Titel ;-) Für nebenberufliche Ausbildungen sollten weiterhin alle Kosten absetzbar sein, denn am Arbeitsplatz kann man i.d.R. nicht studieren.

Sergio Puntila

06.10.2014, 12:50 Uhr

Fortbildung indes ein Bildungsbewußtsein voraus.

In Anbetracht des (bewußt inkauf genommenen?) Verfalls des Begriffs
von Bildung dürfte es nicht verwundern: Der Staat braucht das Geld, das er selbst erfunden hat selbst.

Den Staat interessiert, so wie er heute definiert zu werden scheint, die "Bildung" seiner Büger nicht.

Der Staat wird heutzutage geführt wie eine GmbH & Co KG.

Sowas braucht keine Bildung.

Das braucht Geld.

Und so verhält sich Staat heutigertage: wie ein wegelagernder geldhungriger Souverän.

Ohne Geld würde ein Staat zerfallen.

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