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19.03.2013

18:37 Uhr

Haftung von Direktbanken

BGH macht Anlegern Hoffnung auf Schadenersatz

VonKatharina Schneider

Wenn eine Direktbank von einer Fehlberatung weiß, muss sie die Kunden warnen. Ansonsten können Anleger Schadenersatz verlangen, das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Die betroffene DAB Bank sieht es gelassen.

Die DAB-Bank muss Schadenersatzansprüche fürchten. DAB Bank

Die DAB-Bank muss Schadenersatzansprüche fürchten.

DüsseldorfEin Tagesgeldkonto, das mit einem Depot verknüpft ist und von der DAB Bank verwaltet wird – dieses Angebot schien Tausenden Anlegern unverdächtig. Doch am Ende verloren sie Millionen. Ein heute veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) macht den Anlegern neue Hoffnung auf Schadenersatz (Az.: XI ZR 431/11).

Das Angebot war verlockend: Das Wertpapierhandelshaus Accessio – zuvor Driver & Bengsch – offerierte ein Tagesgeldkonto bei der DAB Bank, das jährlich bis zu 4,5 Prozent Rendite brachte – das war auch 2005 schon mehr als der marktübliche Zins. Der Haken: Das Konto war zwingend mit einem Depotvertrag zur etwaigen Einbuchung von Wertpapieren verbunden – einem sogenannten Depotkonto. Und dafür empfahl Accessio den Kunden riskante Genussscheine und Anleihen.

Davor warnen Verbraucherschützer

Finger weg

Nicht nur Berater machen Fehler, einige Produkte sind per se nicht für alle Anleger geeignet. Vor welchen Produktklassen die Verbraucherschützer warnen.

Geschlossene Fonds

Die Kundenvertreter warnen vor den Beteiligungsmodellen des grauen Kapitalmarktes, bei denen grundsätzlich ein „sehr hohes Verlustrisiko“ bestehe. Das betrifft etwa Beteiligungen an Immobilien, Schiffen oder unternehmerischen Aktivitäten. Eine staatliche Aufsicht sei kaum vorhanden, die Kosten wenig transparent und die Vertriebsprovisionen hoch. Das Fazit: „Generell sollten Sie von solchen Kapitalanlagen die Finger lassen“.

Zertifikate

Auch von dieser Produktklasse raten die Verbraucherzentralen pauschal ab: „Meist werden Zertifikate von Banken gestrickt, um schnell auf einen modischen Anlagetrend aufspringen und den Kunden entsprechende Anlageprodukte verkaufen zu können“. Die Komplexität sei von Laien vielfach nicht nachvollziehbar. Das Fazit: „Anlagezertifikate sind Modeerscheinungen, auf die Sie ohne Not verzichten können“.

Fondsgebundene Versicherungen

Diese Anlageform soll ausschließlich dem Verkäufer nützen der „in den komplizierten Konstruktionen hervorragend jede Menge Kosten verstecken kann“. Das Fazit: Lieber gleich einen Fonds kaufen.

Außerbörsliche Wertpapiere

Eine Warnung gibt es auch vor Spezialpapieren. „Wenn ein Wertpapier nicht von einem renommierten Herausgeber stammt und ganz offiziell an der Börse gehandelt wird, sollten Sie es auf gar keinen Fall Kaufen“, raten die Verbraucherschützer. Die Erfahrung hätte gezeigt, dass die Ausfallrisiken höher und die Renditechancen niedriger seien. Das Fazit: Finger weg.

Wettgeschäfte

Zocker müssen wissen was sie tun – oder es besser lassen. Derivate, Optionsscheine oder Termingeschäfte bergen das Risiko des Totalverlustes. Hier sei es wie im Lotto. „Die allermeisten verlieren Geld, und
nur ganz wenige sind auf der Gewinnerseite“. Fazit: Nur für vermögende Glücksritter.

Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Viele der Unternehmen, deren Papiere empfohlen wurden, sind inzwischen insolvent – ebenso wie der Wertpapierhändler selbst. Eine Klage auf Falschberatung von Accessio dürfte deshalb kaum Aussichten auf Erfolg haben. Für die Anleger ist wohl nicht mehr viel zu holen, denn einer Million Euro aus einer Haftpflichtversicherung sollen 30 Millionen Euro gegenüber stehen, die Kunden mit Klagen eingefordert haben. Der Gesamtschaden wird auf etwa 300 Millionen geschätzt.

Strittig ist, ob nun die DAB Bank für den Schaden haften muss. Ein abschließendes Urteil hat der BGH noch nicht gesprochen, sondern den Fall an das Oberlandesgericht Schleswig zur neuen Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen. Das ist aus Sicht von Thorsten Krause jedoch schon ein gutes Urteil.

Anlagetipps: Finger weg von Finanzprodukten, wenn...

Tipp 1

... Renditen von über acht Prozent pro Jahr versprochen werden, gleichzeitig aber ein Drittel der eingeworbenen Summe für Kosten wie Werbung oder Vertrieb draufgeht

Tipp 2

...der Initiator bislang noch keine erfolgreichen Finanzprodukte aufgelegt hat

Tipp 3

...der Initiator nicht nachweisen kann, dass er die versprochenen Renditen im Kerngeschäft erwirtschaftet oder mit Vorgängerprodukten bereits erzielt hat

Tipp 4

...das Objekt, in das investiert werden soll, noch nicht feststeht oder das Anlegergeld als Kredit an andere Gesellschaften weitergereicht wird, der Anleger sich also nicht direkt an einer Immobilie oder einem Schiff beteiligt

Tipp 5

...Anleger Geld nachschießen müssen, falls das Unternehmen zum Sanierungsfall wird

Der Rechtsanwalt von KAP Rechtsanwälte München, vertritt mehr als 250 Anleger gegen die DAB-Bank, die sich zum Teil zu Klägergemeinschaften zusammengeschlossen haben. „Im worst case hätte sich der BGH einfach der Vorinstanz anschließen und einen Anspruch auf Schadenersatz komplett verneinen können“, sagt Krause. „Aber so besteht neue Hoffnung für die Anleger.“

Die Anlegeranwälte hatten gleich auf mehreren Argumentationsschienen versucht, die Bank zu belangen. Denn die DAB Bank stellte nicht nur die Tagesgeldkonten zur Verfügung und verwaltete mehrere Zehntausende Depots. Sie hatte mit der Accessio auch eine Rahmenvereinbarung getroffen, in der unter anderem die Teilung von Provisionen, die für die Vermittlung von Finanzinstrumenten an die Tagesgeldkunden anfielen, verabredet war.

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