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18.05.2015

12:07 Uhr

Handwerkerleistungen

Gutachten bringen Steuervorteil

VonConstanze Elter
Quelle:Haufe.de

Handwerkerleistungen werden steuerlich begünstig, doch bei Gutachterkosten gab es für Steuerzahler bislang keine Entlastung. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs könnte sich das bald ändern.

Auch für Gutachterkosten könnte es bald einen Zuschuss vom Fiskus geben. dpa

Handwerkerleistungen

Auch für Gutachterkosten könnte es bald einen Zuschuss vom Fiskus geben.

MünchenWer sein Badezimmer renovieren oder die Türen streichen lassen möchte, engagiert dafür meist einen Fachmann. Um Schwarzarbeit einzudämmen, hat der Gesetzgeber für solche Leistungen eine Steuervergünstigung geschaffen: Bis zu 1200 Euro Steuervorteil pro Jahr kann es hier geben.

Das Prinzip ist recht einfach: Das Finanzamt erkennt 20 Prozent der Arbeitskosten an, Maschinen- und Fahrtkosten eingeschlossen. Material und Waren bleiben dagegen außen vor. Der Höchstbetrag wird bei Rechnungen von maximal 6000 Euro pro Jahr erreicht. Begünstigt sind handwerkliche Tätigkeiten in einem bestehenden Haushalt – also zum Beispiel Arbeiten am Dach, die Erneuerung von Parkett oder Fliesen, die Gartengestaltung oder der Klavierstimmer.

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Nicht begünstigt waren nach Auffassung der Finanzverwaltung bislang Gutachtertätigkeiten. Das könnte sich nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs ändern (Az.: VI R 1/13). Das Gericht stellte klar, dass die Kosten für die Dichtheitsprüfung einer Abwasserleitung durchaus eine steuerbegünstigte Handwerkerleistung darstellen.

Im zugrundeliegenden Fall hatte ein Hausbesitzer einen Installateur damit beauftragt, die Abwasseranlage zu prüfen. Die Kosten dafür in Höhe von rund 357 Euro machte er als Handwerkerleistung in seiner Steuererklärung geltend. Das Finanzamt lehnte es ab, die Steuervergünstigung zu gewähren. Das Finanzgericht Köln erklärte jedoch, bei der Leistung habe die Instandhaltung der Abwasserleitung im Vordergrund gestanden – damit müsse der Steuervorteil berücksichtigt werden.

Welche sonstigen Kosten sind absetzbar?

Sonstige außergewöhnliche Kosten

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen Ausgaben, die zwangsläufig und existentiell notwendig sind. Viele solcher Kosten können Eltern bei der Steuer geltend machen. In der Regel muss ein Selbstbehalt als sogenannte zumutbare Belastung getragen werden. Nachfolgend einige Beispiele, welche sonstigen Kosten anerkannt werden - und welche nicht.

Aussteuer

„Mitgift“ bei Heirat der Tochter und Verlobungsgeschenke sind mangels Zwangsläufigkeit nicht absetzbar.

Bafög

Tilgung eines Darlehens zur Ausbildung nicht absetzbar (anders hingegen die Zinsen bei Bankdarlehen).

Besuchsfahrten

Fahrten zu Kindern bei Krankheit, zu schwerkranken Eltern oder zur Verhinderung seelischer Schäden können grundsätzlich abgesetzt werden. Nicht anerkannt: Besuchskosten der Kinder im Rahmen des gesetzlichen Umgangs, anlässlich der Kur der Ehefrau und bei inhaftiertem Angehörigen.

Besuch einer Privatschule

Abzug von Schulgebühren nur aus Anlass einer Krankheit möglich, wenn behindertes Kind zwingend auf eine bestimmte Schule angewiesen ist und keine entgeltfreie Einrichtung zur Verfügung steht. Nicht bei vorübergehendem Aufenthalt in einer ausländischen Familie und deswegen Inanspruchnahme einer fremdsprachlichen Schule; einfache soziale oder pädagogische Gründe genügen nicht. Bis zu 4000 Euro ist das Schulgeld ohnehin als Sonderausgaben abzugsfähig.

Studiengebühren

Nicht abzugsfähig, da derartige Kosten bereits mit den Kinderfreibeträgen bzw. Pauschbetrag nach § 33a Abs. 2 EStG abgegolten sind.

Umzug

Kosten sind mangels „Außergewöhnlichkeit“ bei privater Veranlassung nicht abziehbar, allenfalls soweit dieser krankheitsbedingt ist. Gegebenenfalls aber als haushaltsnahe Dienstleistung bzw. bei beruflicher Veranlassung als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar.

Urlaubsreise

Wiederbeschaffungskosten von verlorenem Gepäck nicht abzugsfähig; anders bei Totalverlust des Hausrats, etwa bei Naturkatastrophen, sofern keine Versicherung greift.

Quelle

Die Beispiele stammen aus dem Buch „Steuervorteile mit Kindern - Leitfaden für Familien und Steuerberater“ (ISBN: 978-3-8349-4168-8) des Berliner Steuerberaters Markus Deutsch.

Auch der Bundesfinanzhof schloss sich dieser Auffassung an. Die sachliche Begrenzung der begünstigten Maßnahme sei allein aus dem Merkmal „im Haushalt“ zu bestimmen. Es sei nicht relevant, zwischen einer Leistung zu unterscheiden, die ein Objekt verändere und einer Leistung, die lediglich dazu diene, den aktuellen Zustand festzustellen. Eine Dichtheitsprüfung sei immer auch unter dem vorbeugenden Aspekt der Erhaltung zu betrachten, so die Münchener Richter.

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