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26.01.2010

10:56 Uhr

Hauptversammlungen

Aktionäre schauen Managern aufs Gehalt

VonWolf Albin

Der Startschuss für die Saison der Hauptversammlungen ist gefallen. Die neuen gesetzlichen Regelungen wirken bereits. Auf der Tagesordnung werden wohl vor allem die Finanzkrise und die Vergütung der Vorstände stehen. Damit wollen die Unternehmen den Aktionären zuvor kommen.

Großes Aktionärstreffen: Auf die jährlichen Hauptversammlungstermine blicken die Vorstände vieler Aktiengesellschaften derzeit mit einer Mischung aus Sorge und Entspannung. dpa

Großes Aktionärstreffen: Auf die jährlichen Hauptversammlungstermine blicken die Vorstände vieler Aktiengesellschaften derzeit mit einer Mischung aus Sorge und Entspannung.

BERLIN. Am Dienstag hält die Siemens AG ihre alljährliche Hauptversammlung ab. Am Freitag folgt die Porsche SE, am 17.2. die Tui AG. Vorstände und Aufsichtsräte dieser Börsenschwergewichte, aber auch die Führungsmannschaften zahlloser kleinerer und mittlerer Aktiengesellschaften müssen sich wie jedes Jahr ihren Gesellschaftern stellen.

Auf diese Termine blicken die Vorstände vieler Aktiengesellschaften derzeit mit einer Mischung aus Sorge und Entspannung. Inhaltlich dürfte die Wirtschaftskrise nach wie vor das beherrschende Thema sein. Mit dem im Mai letzten Jahres verabschiedeten Gesetz zur Umsetzung der Aktionärsrechterichtlinie (ARUG) dürfte die Hauptversammlung aber insgesamt leichter durchführbar werden.

Vergütung auf Tagesordnungen

"Die Finanzkrise und Vergütungsthemen werden die Hauptversammlungssaison prägen", ist sich Alexander Kiefner sicher. Der Rechtsanwalt der Wirtschaftskanzlei White & Case hat in den letzten Monaten viele Unternehmen intensiv beraten. "Das Thema Vergütung stand oft ganz oben auf der Bedürfnisliste", sagt Kiefner. Mehrere Unternehmen hätten sich von ihm zur Vergütungsstruktur beraten lassen. Dazu gab das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung Anlass. Nach diesem Gesetz besteht erstmals die Möglichkeit, die Hauptversammlung nach ihrer Meinung zur Vorstandsvergütung zu befragen (sogenanntes "Say on Pay").

Nicht zuletzt um in der Offensive zu bleiben, haben Unternehmen wie Thyssen-Krupp, Siemens, Tui, aber auch mittlere Unternehmen wie Wincor Nixdorf die Frage des Vergütungssystems von sich aus auf die Tagesordnung gesetzt. Die Bedeutung des Vergütungsthemas "wird bei den Dax-30-Gesellschaften sehr hoch sein, da sie im medialen Mittelpunkt stehen", ahnt auch Ulrich Noack, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Düsseldorf und angesehener Aktienrechtsexperte. Was unmittelbar nach Verabschiedung des Gesetzes noch als Zeichen der Schwäche geächtet wurde, greifen die Unternehmen nun von selbst auf. Denn hinter den Kulissen haben nach Beobachtern vor allem die Aktionärsschutzvereinigungen, aber auch einige bedeutende institutionelle Investoren Druck ausgeübt.

Weigert sich die Gesellschaft dennoch, das unliebsame Thema von sich aus auf die Tagesordnung zu setzen, kann sie dazu durch einfachen Antrag mit fünf Prozent des Kapitals oder mit einer halben Million Euro Nennbetrag gezwungen werden, über die Vergütung abzustimmen. Die Folgen wären dabei nicht rechtlicher Natur. Denn der "worst case" eines Sturzes des Vergütungssystems durch die Hauptversammlung bindet den Aufsichtsrat nicht. Genau das hatten Kritiker des Vorstandsvergütungsgesetzes immer eingewandt. Gleichwohl ginge von einem gescheiterten Vergütungsplan doch eine erhebliche Signalwirkung aus, die von dem betroffenen Unternehmen nicht ignoriert werden könne, meinen sowohl Noack als auch Kiefner.

Kommentare (1)

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Leertasche

27.01.2010, 09:41 Uhr

Nochmal zur Reihenfolge: Erst gab es die überzogene Steigerung der bezüge über mehrere Jahre, dann das rechtliche Versagen der Aufsichtsräte, dann die Radikalisierung der internationalen Märkte, dann die Corperate Governance Codex, dann das Versagen des Eindämmens dieser bezugsforderungen und boni, dann die außereuropäische Kenntlichmachung der bedeutung, dann das Versagen der deutschen Justiz und Selbstbesinnung durch rechtliches Nachkarten; so dass jetzt des Einzugs der Gerechtigkeit im Aktienmarkt nichts mehr im Wege steht?
Dies alles wird sicher zu steigenden Anteilen an Aktienbesitzern in Deutschland führen. Dank sei ARUG.

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