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12.06.2017

14:21 Uhr

Haushaltsführung

Doppelt gemoppelt und trotzdem zusammen

VonConstanze Elter

Im Falle einer Fernbeziehung gewährt der Fiskus Steuererleichterungen, sodass viele Paare eine doppelte Haushaltsführung geltend machen können – sogar wenn sie in derselben Stadt wohnen. Allerdings gibt es Grenzen.

Doppelte Haushaltführung führt oft zu hohen Kosten. dpa

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Doppelte Haushaltführung führt oft zu hohen Kosten.

CottbusGetrennt von den Lieben arbeiten und wohnen: Privat ist dies nicht immer das Angenehmste. Immerhin gewährt in solchen Fällen der Fiskus Steuererleichterungen, denn die Kosten für die doppelte Haushaltsführung können in der Steuererklärung angesetzt werden. Dies gilt sogar, wenn Eheleute in derselben Stadt arbeiten und in einer anderen Gemeinde ebenfalls eine gemeinsame Wohnung haben, die ihren Lebensmittelpunkt bildet. Das entschied vor zwei Jahren der Bundesfinanzhof.

Ob eine doppelte Haushaltsführung allerdings auch vorliegen kann, wenn Kinder mit am Beschäftigungsort wohnen, ist strittig. Hintergrund ist die Frage, wo der Betreffende seinen Lebensmittelpunkt hat. Bei Ehepaaren ist dies normalerweise der Ort, an dem sich die Familie aufhält. Nicht verheiratete Paare und Alleinstehende haben ihren Lebensmittelpunkt – zumindest nach dem Verständnis der Finanzbeamten – dort, wo sie die engeren persönlichen Beziehungen haben. Also zum Beispiel da, wo die Eltern oder der Freundeskreis leben, die Betreffenden Mitglied in einem Verein oder politisch aktiv sind. Angaben beim Einwohnermeldeamt können nur ein Indiz sein, es spielt also keine Rolle, wo der Haupt- und der Nebenwohnsitz gemeldet sind.

Nach Auffassung des Finanzgerichts München liegt eine doppelte Haushaltsführung nicht vor, wenn Kinder mit am Beschäftigungsort wohnen (Az. 1 K 1125/13). Für eine Familie mit Kindern sei zu berücksichtigen, dass dort, wo die Eltern ihren Pflichten im Wesentlichen nachkommen, sich auch der örtliche Lebensmittelpunkt befinde. So bestimme bei schulpflichtigen Kindern der Schulbesuch die Definition.

Das Gericht argumentierte, dass einer weiteren Wohnung außerhalb des Beschäftigungsorts lediglich der Charakter einer Zweit- oder Ferienwohnung zukommen kann, wenn Eltern und Kinder ihr Alltagsleben gemeinsam am Beschäftigungsort führen. Das Finanzgericht München führte zur Begründung außerdem die Familienheimfahrten bei der doppelten Haushaltsführung an. Wohne eine Familie bereits gemeinsam am Beschäftigungsort, könne es eine Heimfahrt zur Familie nicht geben.

Allerdings ließ das Finanzgericht München die Revision zu. Denn zwischenzeitlich hat das Finanzgericht Berlin-Brandenburg in einem vergleichbaren Fall eine doppelte Haushaltsführung bejaht (Az. 7 K 7098/14). Im zugrundeliegenden Fall gingen zwei der drei Kinder am Beschäftigungsort zur Schule. Trotzdem folgte das Finanzgericht in Cottbus der Argumentation der Kläger, dass der Lebensmittelpunkt am vorgegebenen Wohnort liege. Zum einen lasse die Wohnqualität dort darauf schließen, zum anderen auch das Hobby, das das Ehepaar ausübte: Das Paar ging dort zum Segeln. Zudem überzeugte das Gericht die Tatsache, dass die sozialen Kontakte dort überwogen.

Steuertipps zum Umzug

Meldung beim neuen Finanzamt

Wenn Gewerbetreibende oder Freiberufler umziehen, müssen sie die Verlegung ihres Sitzes innerhalb eines Monats dem neuen Finanzamt melden. Privatpersonen geben einfach ihre nächste Steuererklärung beim neuen Finanzamt ab.

Meldung beim alten Finanzamt

Das alte Finanzamt muss man nicht informieren. Die Finanzämter unterrichten sich gegenseitig. Allerdings ist es sinnvoll, dem alten Finanzamt dennoch Bescheid zu geben, so können die Beamten die Akten schon an das neue Amt weiterleiten. Das kann die Wartezeit des Steuerzahlers verkürzen.

Private Umzugskosten

Wer aus privaten Gründen umzieht, hat nur geringe Möglichkeiten, die Kosten bei der Steuerklärung geltend zu machen. Wer ein Umzugsunternehmen engagiert, kann die Arbeitskosten für Möbelpacker als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen, anerkannt werden 20 Prozent der Kosten, maximal 4.000 Euro. „Die Materialkosten, etwa für den LKW und die Umzugskartons, sind jedoch nicht steuerlich absetzbar“, sagt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband. In der Rechnung der Spedition müssen deshalb alle Kosten einzeln aufgeschlüsselt werden. Zudem sollten die Leistungen nicht bar gezahlt werden, wichtig ist immer ein Kontobeleg und eine Rechnung.

Beruflich veranlasste Umzugskosten

Wer umzieht, weil er einen neuen Job hat oder sich das Pendeln sparen will, kann die Ausgaben als Werbungskosten geltend machen. „Zur Frage, wann ein Umzug beruflich veranlasst ist, gibt es viele Einzelfallentscheidungen, in der Regel wird es aber dann anerkannt, wenn die Fahrtzeit zur Arbeit durch den Umzug erheblich verkürzt wird“, sagt Steuerberater Deutsch. Als Richtwert wird oftmals eine Zeitersparnis von einer Stunde genannt.

Tatsächliche Umzugskosten

Wer wegen seines Jobs umzieht, kann die tatsächlichen Umzugskosten vollständig als Werbungskosten geltend machen. Hier wird nicht zwischen Materialkosten und Arbeitskosten unterschieden.

Sonstige Umzugskosten

Neben den tatsächlichen können pauschal auch sonstige Umzugskosten abgesetzt werden, darunter fallen beispielsweise Kosten für Zeitungsinserate, die Anmeldung des Telefonanschlusses und die Ummeldung des Autos. Für Umzüge nach dem 1. Januar 2012 beträgt die Pauschale für Ledige 657 Euro, für Ehepaare ist die doppelt so hoch und für jedes Kind kommen 289 Euro hinzu. Die einzelnen Belege muss der Steuerzahler nicht einreichen.

Wenn der Chef zahlt

Fein raus ist der Steuerzahler, wenn der Arbeitgeber seine Umzugskosten zahlt. „Sofern die Erstattung die tatsächlich entstandenen Kosten nicht übersteigt, gilt die Zahlung nicht als geldwerter Vorteil“, sagt Steuerberater Markus Deutsch. Es werden also weder Steuern noch Sozialabgaben fällig. Die Rechnungen muss der Steuerzahler seinem Arbeitgeber vorlegen, damit dieser die Belege aufbewahren kann.

Doppelte Miete absetzbar

Wer berufsbedingt umzieht und vorübergehend eine zweite Wohnung am Arbeitsort anmietet, kann diese Kosten unbegrenzt als Werbungskosten geltend machen. Wenn die Familie schon einige Monate später nachzieht, gilt das auch für die Kosten einer großen Wohnung mit mehr als 60 Quadratmetern, entschied der Bundesfinanzhof (Az: VI R 2/11, vom 13. Juli 2011). Dem Urteil zufolge liegt in diesem Fall keine doppelte Haushaltsführung vor, bei der die absetzbare Wohnung maximal eine Größe von 60 Quadratmetern haben dürfte.

Kosten für die Nachhilfe

Wenn der Nachwuchs wegen des Umzugs Nachhilfe benötigt, kann der Steuerzahler auch diese Kosten bei der Steuererklärung geltend machen. Ab 2012 werden 1.657 Euro anerkannt.

Die Anerkennung der doppelten Haushaltsführung rechnet sich für den Steuerzahler. Denn die Betreffenden können zahlreiche Aufwendungen steuerlich absetzen:

•          Kosten für die Wohnungssuche

•          Umzugskosten

•          die erste und die letzte Fahrt zum Beschäftigungsort

•          wöchentliche Heimfahrten

•          umgekehrte Heimfahrten des Ehepartners und der Kinder (zum Beispiel bei Rufbereitschaft)

•          Verpflegungsmehraufwendungen

•          Telefonkosten statt Heimfahrt

•          Aufwendungen für die Zweitwohnung

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Praxistipp: Inzwischen ist das Verfahren des Finanzgerichts München beim Bundesfinanzhof unter dem Aktenzeichen VIII R 29/16 anhängig. Sollte ein Finanzamt in einem vergleichbaren Fall eine doppelte Haushaltsführung ablehnen, sollte der Fall so lange offengehalten werden, bis der Bundesfinanzhof entschieden hat.

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserem Kooperationspartner Haufe.de. Ist dieser Steuertipp interessant für Sie? Weitere Beiträge finden Sie auf dem Haufe-Finance-Portal.

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