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22.02.2016

15:06 Uhr

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Damit senken Rentner ihre Steuerlast

VonConstanze Elter

Betreutes Wohnen ist für viele Rentner eine komfortable Alternative zur eigenen Wohnung. Der Haken: Der Service ist teuer. An einigen Kosten können Senioren aber den Fiskus beteiligen, etwa an Notrufsystemen.

Auch viele Rentner müssen Steuern zahlen, bestimmte Ausgaben mindern aber die Steuerlast. dpa

Senioren

Auch viele Rentner müssen Steuern zahlen, bestimmte Ausgaben mindern aber die Steuerlast.

MünchenDer eigene Haushalt – für viele ältere Menschen bedeutet das Selbstbestimmtheit. Doch manchmal funktioniert es allein nicht mehr ganz so gut. Dann wird das Modell des „Betreuten Wohnen“ zur interessanten, wenn auch nicht immer ganz billigen, Alternative.

Die Betroffenen wohnen in einer eigenen Wohnung, können aber an kulturellen Angeboten des benachbarten Pflegeheims teilnehmen und dort auch essen. Für viele ist meist jedoch entscheidend, dass für den Fall der Fälle ein Notrufsystem zur Verfügung steht – und Pflegepersonal sich sofort kümmern kann.

Das sollten Rentner über ihre Einnahmen wissen

Minijob

Viele Ruheständler verdienen sich im Minijob etwas hinzu. Diese „geringfügige Beschäftigung“ bleibt für Arbeitnehmer steuerfrei. Die Höchstverdienstgrenze wurde 2013 von 400 auf 450 Euro im Monat angehoben.

Ehrenamt

Viele engagieren sich in Vereinen oder in Einrichtungen, die gemeinnützigen, mildtätigen, kirchlichen Zwecken dienen. Wird ihnen eine Aufwandsentschädigung gezahlt, kann sie ab 2013 bis zu einer Höhe von 2400 Euro steuerfrei bleiben („Übungsleiter-Freibetrag“).

Werkspension

Arbeitnehmer, die in Rente gehen, bekommen neben ihrer gesetzlichen Rente oftmals auch eine von ihrem ehemaligen Arbeitgeber finanzierte Werkspension. Sie wird wie Arbeitslohn behandelt. Der Arbeitgeber zieht die Lohnsteuer und die gesetzlichen Versicherungsbeiträge ab und stellt eine Lohnsteuerbescheinigung aus.

Beamtenpension

Die meisten ehemaligen Beamten mussten wegen ihrer Pensionen bisher schon Steuererklärungen abgeben. Steuerlich werden Beamtenpensionen behandelt wie Werkspensionen.

Mehrere gesetzliche Renten

Bekommt jemand mehrere Renten, wird in steuerlicher Hinsicht jede einzeln bewertet. Das gilt zum Beispiel für das Zusammentreffen der eigenen Rente einer Frau mit einer Witwenrente oder das Zusammentreffen einer Altersrente mit einer Erwerbsminderungsrente bei einem Rentnerehepaar.

Privatrente

Bezüge aus einer privaten Versicherung sind steuerpflichtig. Sie werden vom Fiskus aber „milder“ behandelt als die gesetzliche Rente, weil die früher gezahlten Rentenbeiträge meist aus bereits versteuertem Einkommen bezahlt wurden.

Zinsen

Mit Zinsen, Dividenden und anderen Kapitalerträgen bessert mancher Ruheständler seine Versorgungsbezüge auf. An Zinsen und Co. möchte auch der Fiskus teilhaben, wenn sie den Sparerpauschbetrag übersteigen.

Miete und Pacht

Wer mit vermieteten Immobilien vorgesorgt hat, kassiert neben der Rente noch Miete. Steuerpflichtig ist aber nicht die gesamte Miete, sondern der Überschuss der Mieteinnahmen über die Werbungskosten.

Quelle

„Steuererklärung 2013/2014 Rentner, Pensionäre“, Stiftung Warentest, ISBN: 978-3-86851-349-3, 14,90 Euro.

Dieses System hat seinen Preis. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat nun entschieden, dass die Kosten für ein solches Notrufsystem als haushaltsnahe Dienstleistung einzustufen sind (Az.: VI R 18/14). Ein echter Steuervorteil, denn dadurch wirken sich die Ausgaben direkt auf die Höhe der tariflichen Einkommensteuer aus – und das macht sich in der Steuererklärung bemerkbar. Die Finanzverwaltung erkennt 20 Prozent des Kosten an. Das Finanzamt zieht diesen Betrag direkt von der tariflichen Einkommensteuer ab. Maximal berücksichtigt der Fiskus bei den haushaltsnahen Dienstleistungen 4.000 Euro pro Jahr.

Im zugrundeliegenden Fall hatte ein Mann eine Drei-Zimmer-Wohnung in einer Seniorenresidenz angemietet. Mit dem Betreiber der Residenz schloss er einen Betreuungsvertrag, für den er eine Pauschale von jährlich 1.785 Euro zahlte. Der Vertrag enthielt Hilfe bei Behördengängen, kulturelle Angebote, Pflegemöglichkeiten sowie ein Notrufsystem.

Dieses stand 24 Stunden pro Tag zur Verfügung: Alle Pfleger im Heim trugen stets einen Piepser bei sich, der einen Notruf sofort an sie weiterleitete. Somit war sichergestellt, dass der Bewohner im Fall der Fälle Hilfe erhalten konnte. Die anteiligen Kosten dafür versuchte der Mann in seiner Steuererklärung geltend zu machen. Das Finanzamt jedoch ließ nur die Ausgaben für den Hausmeister und die Reinigung zu.

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