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26.02.2015

11:22 Uhr

Hedgefonds-Streit

Gericht stärkt Porsche SE

Hoffnung für deutschen Autobauer: Ein Gericht stärkt Porsche im Hedgefonds-Streit den Rücken. Der Hedgefonds fordert Schadensersatz von Porsche. Das Gericht sieht die Klage allerdings als „wenig erfolgversprechend“ an.

Der Schatten eines VW Logos fällt auf die Kühlerhaube eines Porsches. Am Oberlandesgericht Stuttgart wird über die Schadensersatzklage der Hedgefonds an die Porsche SE verhandelt. dpa

Der Schatten eines VW Logos fällt auf die Kühlerhaube eines Porsches. Am Oberlandesgericht Stuttgart wird über die Schadensersatzklage der Hedgefonds an die Porsche SE verhandelt.

StuttgartIm Rechtsstreit mit mehreren Hedgefonds hat das Oberlandesgericht Stuttgart der Porsche SE vorerst den Rücken gestärkt. Man sehe die Klage der Fonds als „wenig erfolgversprechend“ an, sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag bei einem Verhandlungstermin in Stuttgart. Hintergrund ist Porsches gescheiterter Übernahmeversuch von VW 2009. Die Fonds fühlen sich rückblickend getäuscht und wollen Geld zurück, das sie damals an der Börse verloren haben. Aktuell geht es um fast 1,2 Milliarden Euro.

Hedgefonds vs. Porsche

Worum geht es?

Wegen des gescheiterten Übernahmeversuchs bei Volkswagen im Jahr 2009 hat die Porsche Automobil Holding SE (Porsche SE/PSE) als Dachgesellschaft des Sport- und Geländewagenbauers schon diverse Rechtsstreitigkeiten am Hals. Auch im aktuellen Fall geht es um den spektakulären Wirtschaftskrimi: Mehrere Hedgefonds fühlen sich rückblickend getäuscht und wollen deswegen Geld zurück, das sie damals an der Börse verloren haben. Insgesamt geht es noch um fast 1,2 Milliarden Euro. Die PSE hält die Forderung für unbegründet.

Wie lautet die Begründung der Hedgefonds

Im Mittelpunkt stehen Pressemitteilungen der PSE aus dem Jahr 2008. Damals hatte die Holding zunächst bestritten, ihren Anteil am VW-Konzern auf 75 Prozent aufstocken zu wollen. Einige Monate später gab sie dann aber bekannt, genau diesen Plan zu verfolgen. Die Aktienkurse schossen nach oben – Anleger, die auf fallende Kurse gewettet hatten, verloren viel Geld. Sie werfen der PSE vor, die Öffentlichkeit über ihre wahren Absichten bewusst im Unklaren gelassen zu haben.

Wie sieht die PSE die Sache?

Ganz anders: Die Holding habe ihre Pläne stets nach bestem Wissen und Gewissen kundgetan, heißt es dort. Erst zum Zeitpunkt der endgültigen Pressemitteilung sei die Entscheidung, den viel größeren VW-Konzern übernehmen zu wollen, gefallen. Eine Haftung für die darauffolgenden heftigen Kursreaktionen lehnt die PSE ab.

Welche Rechtsstreitigkeiten hat die Porsche SE deswegen noch?

So einige. Schauplätze sind Braunschweig, Stuttgart, Hannover oder auch Frankfurt. Manche Klagen wanderten von einem Gericht zum anderen, weil die Zuständigkeiten umstritten waren. Der aktuelle Prozess wechselte etwa von New York nach Deutschland. Die PSE hatte stets darauf gepocht, dass der Fall vor deutschen Gerichten verhandelt werden müsse, weil sie hier auch ihren Sitz habe.

Gibt es schon Entscheidungen?

Nur in kleineren Fällen. Das Landgericht Stuttgart hat die Klage der Hedgefonds zudem bereits abgewiesen. Die Fonds wehrten sich jedoch dagegen, so dass der Streit nun vorm Oberlandesgericht weitergeht. Im Zusammenhang mit dem Versuch der VW-Übernahme wurde auch Porsches früherer Finanzchef Holger Härter bereits wegen Kreditbetrugs zu einer Geldstrafe verurteilt. Um Anleger, die sich falsch informiert fühlten, ging es dabei jedoch nicht.

Was hat der Sport- und Geländewagenbauer Porsche damit zu tun?

Beim Namen Porsche denken die meisten zuerst an die Stuttgarter Sport- und Geländewagenschmiede. Diese hat mit den Klagen aber nicht direkt etwas zu tun. Die Vorwürfe richten sich gegen die Dachgesellschaft Porsche SE, zur Zeit der Übernahmeschlacht gehörte das operative Porsche-Geschäft aber noch zu dieser Holding. Neben der Porsche AG war die Holding auch damals schon an Volkswagen beteiligt. Um den Ausbau dieser VW-Beteiligung geht es im aktuellen Streit.

Wie ging die Geschichte damals aus?

Es lief für die Stuttgarter nicht nach Plan. Die Porsche SE verhob sich bei dem Versuch, sich die Macht bei VW zu sichern. Am Ende kam es daher anders: Im August 2012 drehte Volkswagen den Spieß um und verleibte sich das Porsche-Geschäft, das bis dahin unter dem Dach der Porsche SE war, komplett ein. Die Porsche SE selbst ist seitdem ausschließlich an Volkswagen beteiligt – profitiert darüber aber letztlich noch immer von den Erfolgen der Sportwagenschmiede.

Ein Kausalzusammenhang zwischen den angeblichen Fehlinformationen der Porsche SE und den Geschäften der Fonds ist nach der vorläufigen Einschätzung des Oberlandesgerichts aber nicht nachweisbar. Die Fonds hatten zuvor am Landgericht Stuttgart eine Niederlage erlitten. Die Porsche SE hält die Vorwürfe für unbegründet.



Von

dpa

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