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07.02.2013

10:50 Uhr

Helfer-Dokus im TV

Mit RTL in die Steuerfalle

VonKatharina Schneider

Wer ein Preisgeld nicht gewonnen, sondern dafür gearbeitet hat, muss Einkommensteuer zahlen. Doch Spiel und Arbeit lassen sich nicht immer so einfach trennen. Nun haben Finanzbehörden auch noch Sachleistungen im Visier.

Sachwerte und Handwerkerleistungen könnten geldwerte Vorteile sein. dpa

Sachwerte und Handwerkerleistungen könnten geldwerte Vorteile sein.

DüsseldorfDas Wohnzimmer ist verlebt, die Küche beinahe schon ein Trümmerhaufen, doch am Geld und Know-How für eine Renovierung fehlt es. Für solche Fälle hält das Fernsehen eine Vielzahl von Helfer-Dokus parat. Ein großes Handwerker-Team rückt an, schafft jede Menge Baumaterial herbei und renoviert vor laufender Kamera die Wohnungen und Häuser der Kandidaten.

Und das alles gibt es einfach so geschenkt? Haben die Show-Teilnehmer die Renovierung denn gewonnen, so wie beispielsweise einen Sechser im Lotto? Oder haben sie sich die Hilfe durch eigene Leistung verdient? Um solche Fragen geht es aktuell bei Überprüfungen der Finanzbehörden. Das Ergebnis könnte für die Fernsehkandidaten am Ende sehr unerfreulich sein: Der Fiskus könnte sie rückwirkend zur Kasse bitten. Glück im Spiel, Pech bei der Steuer?

Das Big-Brother-Urteil im Überblick

Was wurde entschieden?

Das Bundesfinanzgericht hat im Frühjahr 2012 entschieden, dass das Preisgeld aus der Show „Big Brother“ versteuert werden muss (Az.: IX R 6/10).

Welche Einkommensart steckt dahinter?

Das Preisgeld ist als sonstige Einkünfte nach Paragraph 22 Nummer drei Einkommensteuergesetzbuch zu besteuern. Dies ist ein sogenannter Auffangtatbestand, der genutzt werden kann, wenn keine anderen Einkommensarten wie beispielsweise Einkommen aus Erwerbstätigkeit, aus Vermietung und Verpachtung oder Kapitaleinkünfte in Frage kommen.

Wie wird die Steuerpflichtl begründet?

Die BFH-Richter vertreten die Meinung, dass die Auszahlung des Preisgeldes vertraglich vereinbart wurde und beurteilen sie als „Gegenleistung für sein (aktives wie passives) Verhalten während seines Aufenthaltes im ‚Big-Brother-Haus‘“.

Was ist eine „sonstige Leistung“?

Der BFH erklärt es so: „Als sonstige Leistung kommt jedes wie auch immer geartete aktive, passive oder nichtwirtschaftliche Verhalten des Steuerpflichtigen in Betracht. Dabei ist unerheblich, ob sich das Verhalten mit oder ohne Mühe zeigt, mit welcher Qualität es erbracht wird, ob eine gute, schlechte oder gar keine schauspielerische Leistung gegeben ist, sozialadäquates oder untypisches, natürliches, alltägliches oder indifferentes Verhalten vorliegt oder ob mit Blick auf das Veranstalterinteresse und/oder das anstehende Publikumsvotum telegenes, taktisches oder sonstiges Verhalten an den Tag gelegt wird.

Welche Rolle spielt die Gewinnchance?

Darauf, wie groß die Gewinnchance ist, komme es nicht an; ebenso sei „ein (positiver) Erwartungswert“ unmaßgeblich, so die Richter.

Welchen Einfluss hat das Publikumsvotum?

„Der Veranlassungszusammenhang zwischen der Leistung des Steuerpflichtigen und dem an ihn ausgezahlten Projektgewinn wurde durch die Zufallskomponente in Gestalt der (zwischenzeitlichen) Publikumsvoten und des Schlussvotums des Publikums nicht entscheidend unterbrochen“, so die BFH-Richter.

Den Anstoß dazu hat ein Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem vergangenen Jahr gegeben (Az.: IX R 6/10). Damals ging es um den Big-Brother-Gewinner Sascha Sirtl und die Frage, ob er sein Preisgeld in Höhe von einer Million Euro versteuern muss. Nach Einschätzung der obersten Finanzrichter musste er seinen sogenannten „Projektgewinn“ als sonstige Einkünfte versteuern. Er habe das Geld gemäß eines Vertrages als „Gegenleistung für sein (aktives wie passives) Verhalten während seines Aufenthaltes im Big-Brother-Haus bekommen“.

Ein typisches Arbeitsverhältnis sei das zwar nicht, so die Richter. Aber der Show-Teilnehmer habe eine sonstige Leistung nach Paragraph 22 Nummer drei, Einkommensteuergesetz erbracht. „Nach diesem Urteil ist davon auszugehen, dass Preisgelder aus allen Casting-Shows, Star-Suchen und ähnlichen Veranstaltungen versteuert werden müssen“, sagt Rechtsanwalt Burkhard Binnewies, der den Big-Brother-Gewinner vertreten hatte. Zwar läuft gegen das Urteil noch eine Verfassungsbeschwerde, „doch die Erfolgsaussichten sind sehr begrenzt“, sagt der Steuer-Experte.

Kommentare (17)

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smaddinsche

07.02.2013, 11:35 Uhr

so stellt der Erwerb eines Lottoscheines aber auch eine eigene Leistung dar. Schlißlich bin ich zum Lottoladen gelaufen und habe auch noch den Kaufpreis in die Herstellungskosten meines Loses investiert... Deutschland-Bürokratenland

Numismatiker

07.02.2013, 12:02 Uhr

Unser Staat muß wirklich schon auf der allerletzten Rille laufen, wenn er solche Juristentricks braucht, um noch ein paar Kröten in die Staatskasse zu bekommen.

Armseliges Deutschland, Du tust mir unendlich Leid.

Zollfahnder

07.02.2013, 12:03 Uhr

Hat Herr Niebel eigentlich schon seinen Teppich versteuert? Neben dem Warenwert, gehören auch die Kosten für den Transport dazu. Die dürften angesichts des Einsatzes einer "Privat-Dienstmaschine" ziemlich hoch sein und müßten anteilig ebenfalls in der Nacherhebung des Zolls zu bezahlen sein.

Das Vorbeischleusen von Waren am Zoll, die aufgrund des Wertes verzollt hätten müssen, stellt einen Straftatbestand dar!

War der Fiskus schon bei Herrn Niebel?

Ab einer bestimmten Höhe der Hinterziehung ist man doch vorbestraft?

Hat man bei Herrn Niebel vielleicht eine Ausnahme gemacht? Vielleicht liegt sogar Rechtsbeugung vor?

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