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06.06.2017

14:46 Uhr

Home-Office

Daheim arbeiten und Steuern sparen

VonConstanze Elter

Beim häuslichen Arbeitszimmer müssen Angestellte einige Regeln beachten. Die Oberfinanzdirektion Niedersachsen hat nun aufgelistet, in welchen Fällen die Kosten steuerlich abzugsfähig sind – und wann nicht.

An das häusliche Arbeitszimmer stellt das Finanzamt strenge Anforderungen. dpa

Home-Office

An das häusliche Arbeitszimmer stellt das Finanzamt strenge Anforderungen.

HannoverManchmal geht es gar nicht, manchmal nur zum Teil – und manchmal komplett: Wann die Ausgaben für ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich abgesetzt werden können, darüber wird seit Jahren immer wieder vor den Finanzgerichten gestritten. Grundsätzlich gilt, dass Aufwendungen für ein Arbeitszimmer nur dann unbeschränkt geltend gemacht werden können, wenn der Mittelpunkt der beruflichen und betrieblichen Tätigkeit im Home-Office liegt.

Ist dies nicht der Fall, dürfen Berufstätige nur dann Kosten steuerlich ansetzen, wenn ihnen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dann allerdings ist der Abzug in der Steuererklärung auf höchstens 1250 Euro pro Jahr begrenzt. Ist das auch nicht gegeben, können die Kosten gar nicht steuerlich abgezogen werden.

Die Oberfinanzdirektion Niedersachsen hat nun ein Schreiben veröffentlicht, in dem die aktuelle Rechtsprechung zum Thema Arbeitszimmer berücksichtigt wird. Das Schreiben legt fest, in welcher Reihenfolge die steuerliche Abzugsfähigkeit genau geprüft werden sollte.

Demnach geht es zunächst einmal darum, ob der Raum überhaupt als häusliches Arbeitszimmer in Frage kommt. Das Zimmer muss mit dem Wohnbereich verbunden sein, außerdem muss der Arbeitsraum räumlich vom Rest der Wohnung getrennt sein. Das bedeutet, es muss in aller Regel eine Wand und eine Tür geben, die den Raum vom Wohnbereich abgrenzen. Das Zimmer muss (fast) ausschließlich beruflich beziehungsweise betrieblich genutzt werden – das heißt zu mehr als 90 Prozent.

Als nächstes muss geklärt werden, wo der Mittelpunkt der beruflichen und betrieblichen Tätigkeit liegt. Dieser Maßstab richtet sich nicht nach zeitlichen Kriterien. Hier geht es darum, ob Sie alles, was für Ihren Beruf prägend ist, daheim am Schreibtisch erledigen – in welchem zeitlichen Umfang das Arbeitszimmer genutzt wird, ist zweitrangig. Wenn die Handlungen und Leistungen, die das Berufsbild prägen, im Arbeitszimmer erbracht werden, dürfen Sie Ihre Kosten unbeschränkt ansetzen.

Wer muss eine Einkommensteuererklärung machen?

Keine Pflicht zur Steuererklärung

Alleinstehende Arbeitnehmer, die nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind, müssen in der Regel keine Steuererklärung abgeben. Das ändert sich, wenn ...

Nebeneinkünfte

- wenn Nebeneinkünfte von mehr als 410 Euro pro Jahr erzielt wurden.

Mehrere Arbeitgeber

- der Arbeitnehmer bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt ist oder war.

Gesamtbetrag der Einkünfte über 8.354 Euro

- keine Einkünfte aus einer Arbeitnehmertätigkeit mit Lohnabzug erzielt wurden, aber der Gesamtbetrag der Einkünfte bei einem Ledigen im Jahr 2017 beispielsweise durch eine Rente über 8.820 Euro liegt.

Lohnersatzleistungen

- Lohnersatzleistungen wie beispielsweise Arbeitslosen- und Elterngeld über 410 Euro pro Jahr bezogen wurden.

Freibetrag eingetragen

- auf der Lohnsteuerkarte ein Freibetrag eingetragen wurde.

Ehegatte in Steuerklasse V oder VI

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und einer der Ehegatten nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wurde.

Besteuerung nach Faktorverfahren

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und die Ehegatten nach dem sogenannten Faktorverfahren besteuert wurde.

Sonstige Bezüge nicht einbezogen

- der Arbeitnehmer nacheinander bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt war und ein Arbeitgeber einen sonstigen Bezug (beispielsweise Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Abfindungen) versteuert hat, bei dem der Arbeitslohn beim anderen Arbeitgeber nicht mit einbezogen wurde.

Scheidung

- der Arbeitnehmer geschieden wurde – oder der Ehegatte gestorben ist – und er im gleichen Jahr wieder geheiratet hat.

Verlustvortrag

- zum Ende des Vorjahres ein sogenannter Verlustvortag festgestellt wurde – beispielsweise Verluste aus Vermietung und Verpachtung.

Liegt der Tätigkeitsmittelpunkt jedoch außerhalb des Arbeitszimmers, kommt der dritte Prüfungsschritt an die Reihe – und damit die Frage danach, ob es einen anderen Platz zum Arbeiten gibt. Die Finanzverwaltung definiert einen „anderen Arbeitsplatz“ als jeden Arbeitsplatz, der dazu geeignet ist, büromäßige Arbeiten zu erledigen – und den Sie in der erforderlichen Art und Weise sowie im notwendigen Umfang tatsächlich nutzen können.

Gibt es eine solche Alternative, können Sie die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer nicht geltend machen. Wer jedoch kein anderes Büro hat als das zu Hause, darf die anteiligen Kosten bis zu 1250 Euro pro Jahr für das Home-Office geltend machen. Achtung: Dies ist kein Pauschbetrag, die Ausgaben müssen nachgewiesen werden.

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