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16.11.2015

16:25 Uhr

Infinus-Prozess

Manager der Finanzgruppe stehen vor Gericht

VonGertrud Hussla

Am ersten Tag im Betrugsprozess um die Dresdner Infinus-Gruppe sprechen die Kläger von „bandenmäßigem Betrug“. Doch einige Anleger mögen noch immer nicht glauben, dass sie auf Kriminelle hereingefallen sind.

Die Hauptverhandlung um den Infinus-Finanzkonzern hat begonnen. dpa

Landgericht Dresden

Die Hauptverhandlung um den Infinus-Finanzkonzern hat begonnen.

DresdenWar es ein Schneeballsystem oder war es keines? Am ersten Tag des Strafprozesses gegen sechs Manager der Dresdner Infinus-Gruppe scheinen einige Besucher im Landgericht Dresden noch immer von der Seriosität der Geschäfte überzeugt. Doch laut Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten etwa 22.000 Anleger um rund 312 Millionen Euro betrogen haben. Die Anklage bezieht sich nur auf einen Teil der Geschädigten. Tatsächlich vermutet die Staatsanwaltschaft, dass seit 2001 insgesamt rund 54.000 Anleger etwa 2,1 Milliarden Euro bei Infinus investierten.

Mancher Gast im Saal N1.05 des Landgerichts mag es bis heute nicht glauben, dass er einem gigantischen Betrugsschema aufgesessen ist. „Wir haben bis zum letzten Tag unser Geld und unsere Zinsen zurückbekommen“, beteuerte etwa Peter Kohl, der zusammen mit seiner engeren Familie 100.000 Euro investiert hat und am Montag ganz vorne im Besucherbereich Platz nahm. Ähnlich sieht es ein Rentner, mehrere Reihen weiter hinten: „Wenn erst mal alle Manager in Haft sind, dann läuft natürlich kein Geschäft mehr.“

Die Infinus-Gruppe war im November 2013 zusammengebrochen, als 400 Polizisten tausende Aktenordner beschlagnahmten und die sechs Manager des Finanzkonzerns festnahmen. Sie war seit ihrer Gründung im Jahr 2000 vor allem mit dem Ankauf und der kostengünstigen Fortführung von Lebensversicherungen groß geworden. Anlegern bot sie an, vorrangig über die Zeichnung von Orderschuldverschreibungen an dem Geschäftsmodell teilzuhaben. Solche Orderschuldverschreibungen sind namensgebundene, festverzinsliche Wertpapiere. Sie boten bis zu acht Prozent Zins.

Beschlagnahmte Vermögenswerte des Infinus-Chefs

Luxuskarossen

Im Ermittlungsverfahren wegen Betrugs wurden Vermögensgegenstände des Beschuldigten Jörg Biel, persönlich haftender Gesellschafter der Future Business KGaA gesichert. In der Liste Liste aus dem Bundesanzeiger fanden sich unter anderem einige Autos, etwa einen Bentley Continental GT (Wert: 129.500€), Porsche Cayenne Turbo (Wert: 63.650€) und drei Volvos.

Gold

Biel saß zwischenzeitlich in der Justizvollzugsanstalt Dresden in Untersuchungshaft. Im Sicherungsvermögen befinden sich auch 24 Goldbarren im damilgen Wert von 691 000€

Bargeld

Ausserdem wurde Bargeld in Höhe von 14 380€ sichergestellt.

Aktien

Und tausende Aktien in unterschiedlichen Stückelungen.

Armbanduhren

Die Liste zeigt auch 18 Luxusuhren, unter anderem von Lange & Söhne (Platin), Rolex Oyster Yacht Master und Daytona, Jaeger-Le-Coultre MasterControl. Auch Houte Couture-Ware von Gucci oder Cartier war dabei.

Motorboote

Die Staatsanwälte sicherten auch zwei Motorboote. Eine Frauscher Benaco 909 „Maurice" (Wert: 250 000€) und eine Atlantis 47 HT „Princess II" (Wert: unbekannt).

In der Anklage der Staatsanwaltschaft, die – anders als beim gerade in Frankfurt geführten Mammutprozess um die Unternehmensgruppe S&K – bereits verlesen wurde, klang es so als sei die Sache völlig klar: Es habe keine Aussicht auf ein tragfähiges Geschäftsmodell bestanden, besonders, nachdem die Rendite von Lebensversicherungen über Jahre immer schlechter wurde. Mit Eigengeschäften und den damit verbundenen hohen Provisionen habe sie sich über Wasser gehalten. Dabei habe es sich um eine "bilanzielle Vermögensmehrung" gehandelt. Ohne frisches Anlegergeld hätte das Ganze nicht funktionieren können. Die Anklage spricht von einem „Schneeballsystem“ und „bandenmäßigem Betrug“.

Die Verteidigung allerdings argumentiert: „Eine Insolvenzreife der einzelnen Gesellschaften der Gruppe lag selbst zum Zeitpunkt der Durchsuchungen nicht vor.“ Die Behauptung, dass es sich um ein Schneeballsystem handelte, sei falsch. Außerdem spricht sie von schwerwiegenden Verfahrensverstößen und hat die Besetzung des Gerichts gerügt. Das Verfahren wird aller Voraussicht nach am kommenden Montag fortgesetzt.

Infinus - Chronologie

Juni 2012

Bundesbank und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geben der Dresdner Staatsanwaltschaft einen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten. Die Ermittlungen beginnen.

5. November 2013

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Dresden kommt es bundesweit zu Durchsuchungen wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs, des Betruges und der Bilanzfälschung. Sechs Manager werden festgenommen, darunter der damals 52-jährige Konzerngründer. Vermögenswerte werden sichergestellt.

13. November 2013

Eine Sprecherin des Amtsgerichts Dresden bestätigt, dass vier Unternehmen aus dem Infinus-Firmengeflecht Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt haben, darunter auch der Fubus-Mutterkonzern.

1. April 2014

Das Insolvenzverfahren gegen die Fubus wird eröffnet. Zunächst geht der Insolvenzverwalter von Gläubigerforderungen in Höhe von einer Milliarde Euro aus.

15. Dezember 2014

Ein Schadenersatzprozess beginnt vor dem Landgericht Leipzig. Ein Anleger, der Schuldverschreibungen für 75.000 Euro gezeichnet hatte, verlangt Schadenersatz.

16. November 2015

Vor dem Dresdner Landgericht beginnt der Strafprozess gegen den Firmengründer und weitere Manager. Laut Anklage haben sie ein sogenanntes Schneeballsystem betrieben und etwa 22.000 Anleger um rund 312 Millionen Euro betrogen.

Dem Gründer des Mutterkonzerns Future Business (Fubus) und vier weiteren Ex-Führungskräften werden gewerbsmäßiger Bandenbetrug im besonders schweren Fall und Kapitalanlagebetrug vorgeworfen. Ein sechster Angeklagter steht wegen Beihilfe vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts. Er war bereits drei Monate nach seiner Festnahme freigekommen. Die übrigen Beschuldigten sind schon seit November 2013 in Untersuchungshaft. Bis zum Jahresende sind zunächst 13 Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess dürfte aber bis weit ins nächste Jahr dauern.

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