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07.12.2015

20:25 Uhr

Infinus-Prozess

Schwammiges vom Kronzeugen

VonChristine Keilholz

Eigentlich sollte Jens Pardeike, Ex-Manager der Infinus-Gruppe, im Strafprozess als Kronzeuge auftreten. Doch der einzige Hauptangeklagte auf freiem Fuß lieferte auch am dritten Tag seiner Anhörung wenig Konkretes.

Ex-Manager der Infinus-Gruppe Jens Pardeike (Mitte) sollte als Kronzeuge aussagen. Doch konkret wurde er nicht. dpa

Infinus-Prozess

Ex-Manager der Infinus-Gruppe Jens Pardeike (Mitte) sollte als Kronzeuge aussagen. Doch konkret wurde er nicht.

DresdenEr hängt schief im Stuhl, keine Krawatte, zwei Hemdknöpfe sind offen. Und er wirkt betont unbeteiligt. So präsentierte sich der Ex-Manager der Infinus-Gruppe Jens Pardeike am Montag im Strafprozess gegen die Verantwortlichen des zusammengebrochenen Finanzkonzerns.

Eigentlich sollte Pardeike eine Art Kronzeuge sein. Er ist der einzige Hauptangeklagte auf freiem Fuß, weil er schon vor Monaten geständig war. Doch auch am dritten Tag seiner Anhörung vor der großen Wirtschaftskammer des Dresdner Landgerichts blieb Pardeike bei eher blassen Aussagen, an vieles konnte sich der ehemalige DDR-Offizier gar nicht mehr erinnern.

Der Strafprozess (Az 5 Kls 100 Js 7387/12) soll einen der größten Anlegerskandale Deutschlands aufarbeiten. Das Gericht soll durchleuchten, ob sechs Manager der Future Business KG (Fubus) mit ihren Infinus-Vertriebstöchtern viele Tausend Anleger um mehrere Hundert Millionen Euro betrogen haben. Insolvenzverwalter Bruno Kübler spricht von 40.000 Anlegern, die nun um rund eine Milliarde Euro bangen. Angesichts der Fülle des Materials – allein 24.000 Aktenordner sind sichergestellt – hat die Staatsanwaltschaft ihre Anklage auf 22.000 Anleger mit einer Schadenssumme von 312 Millionen Euro beschränkt.

Infinus - Chronologie

Juni 2012

Bundesbank und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geben der Dresdner Staatsanwaltschaft einen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten. Die Ermittlungen beginnen.

5. November 2013

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Dresden kommt es bundesweit zu Durchsuchungen wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs, des Betruges und der Bilanzfälschung. Sechs Manager werden festgenommen, darunter der damals 52-jährige Konzerngründer. Vermögenswerte werden sichergestellt.

13. November 2013

Eine Sprecherin des Amtsgerichts Dresden bestätigt, dass vier Unternehmen aus dem Infinus-Firmengeflecht Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt haben, darunter auch der Fubus-Mutterkonzern.

1. April 2014

Das Insolvenzverfahren gegen die Fubus wird eröffnet. Zunächst geht der Insolvenzverwalter von Gläubigerforderungen in Höhe von einer Milliarde Euro aus.

15. Dezember 2014

Ein Schadenersatzprozess beginnt vor dem Landgericht Leipzig. Ein Anleger, der Schuldverschreibungen für 75.000 Euro gezeichnet hatte, verlangt Schadenersatz.

16. November 2015

Vor dem Dresdner Landgericht beginnt der Strafprozess gegen den Firmengründer und weitere Manager. Laut Anklage haben sie ein sogenanntes Schneeballsystem betrieben und etwa 22.000 Anleger um rund 312 Millionen Euro betrogen.

Die Hoffnung, dass Pardeike wichtige Aussagen aus der Anklage stützt und inhaltlich präzisiert, hat der 48-Jährige aber gestern nicht erfüllt. Details, wer konkret für welche folgenschweren Entscheidungen im Unternehmensgeflecht zuständig war, blieb er schuldig. Er wusste immer nur ein bisschen, etwa, dass es schon früh Anzeichen gab, dass das Geschäftsmodell nicht aufging. Schon um 2008 sei bei Infinus die Liquidität zum Dauerproblem geworden. Oder: Im Vorstand hätten regelmäßig sogenannte „Reichsbedenkenschreiben“ kursiert. Dort sei die Lage deutlich kritischer beschrieben worden als in den offiziellen Prüfberichten am Ende des Geschäftsjahres.

Die Staatsanwaltschaft spricht in ihrer Anklage von „bandenmäßigem Betrug“ und einem „Schneeballsystem.“ Mit immer neuem Anlegergeld hat danach das Infinus-Management unter Geschäftsführer Jörg Biehl waghalsige In-sich-Geschäfte finanziert. Sprich, es habe Lebensversicherungen mit extrem hohen Monatsbeiträgen auf eigene Mitarbeiter abgeschlossen, um so Millionensummen an Provision zu kassieren. Pardeikes Kommentar dazu: „Kann sein“, aber er sei bei solchen Deals außen vor geblieben.

Auch soll das Unternehmen gebrauchte Lebensversicherungen von Kunden aufgekauft haben, um sie selber zu höheren Rückkaufwerten flüssig zu machen. Pardeike dazu: „Es gab solche Geschäfte, aber das war nicht mein Geschäftsbereich.“

Wenig Erhellendes also vom einzigen auskunftsbereiten und geständigen Angeklagten. Aber es bleibt noch Hoffnung. Verhandelt wird bis in den Sommer nächsten Jahres. Vielleicht bringen ja die Versicherungen nun mehr Licht in die Sache. Sie sollen in den nächsten Sitzungen beschreiben, wie sie zu den äußerst ungewöhnlichen Verträgen mit Infinus gekommen sind. Interessant wäre auch, warum ihnen nichts aufgefallen ist.

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