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12.08.2013

12:15 Uhr

Insolventer Stromanbieter

Flexstrom-Kunden müssen Forderungen bald anmelden

Etwa 600.000 Kunden schuldet Flexstrom noch Geld. Um diese Forderungen geltend zu machen, müssen sich Verbraucher bald beim Insolvenzverwalter melden. Danach brauchen sie vor allem eines: Geduld.

Etwa 600.000 Kunden schuldet Flexstrom noch Geld. dapd

Etwa 600.000 Kunden schuldet Flexstrom noch Geld.

Berlin/FrankfurtKunden des insolventen Berliner Energieanbieters Flexstrom müssen bis zum 30. Dezember offene Rückzahlungen einfordern. Sonst würden die Ansprüche zunächst nicht berücksichtigt, teilte Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger den Kunden in einem Brief mit. Geprüft werden die Forderungen demnach am 31. März 2014. Noch sei nicht absehbar, ob und wie viel Geld die Kunden bekommen, erklärte der Rechtsanwalt.

Der Fall Flexstrom zählt zu den größten Insolvenzverfahren der Bundesrepublik. Viele der 600.000 Kunden bangen um dreistellige Euro-Beträge, die sie per Vorauszahlung an das Unternehmen überwiesen hatten, um im Gegenzug einen günstigen Stromtarif zu bekommen. Neukunden lockte Flexstrom auch mit Bonuszahlungen, die diesen noch zustehen. Eine Gläubigerversammlung ist für den 25. September in Berlin geplant.

Bis die Kunden tatsächlich Geld zurückbekommen, könnte es allerdings noch Jahre dauern. Die Auszahlungen beginnen erst, wenn das Insolvenzverfahren beendet ist. Aufgrund der Größe des Verfahrens kann das voraussichtlich bis mindestens Ende 2017 dauern. Zudem bekommen sie selbst dann wahrscheinlich nur einen Bruchteil des Geldes zurück, das ihnen zusteht. Nach Angaben von Insolvenzexperten beläuft sich die Insolvenzquote in der Regel nur auf einige wenige Prozent der eigentlichen Forderungen von Gläubigern.

So funktioniert der Stromanbieterwechsel

Vertrag prüfen

Zuerst sollten Verbraucher in ihrem laufenden Vertrag prüfen, zu welchem Zeitpunkt sie diesen kündigen können.

Stromverbrauch ermitteln

In der letzten Jahresabrechnung können Kunden ihren jährlichen Stromverbrauch ablesen.

Preise vergleichen

In Vergleichsrechnern wie Verivox und Check24 können Nutzer ihren jährlichen Stromverbrauch und ihre Postleitzahl eingeben. Der Rechner ermittelt dann die günstigsten Preise. Verbraucherschützer empfehlen zudem, mehrere Rechner für die Tarifsuche zu nutzen.

Vertragsunterlagen anfordern

Direkt über den Tarifrechner oder über die Website des Versorgers können Kunden die Vertragsunterlagen anfordern.

Unterlagen prüfen

Die Vertragsunterlagen sollten Verbraucher sorgfältig prüfen und anschließend an den neuen Versorger zurücksenden. Oder sie schließen den Vertrag per E-Mail oder im Internet ab.

Vollmacht zur Kündigung

Mit den Vertragsunterlagen kann der Kunde seinem neuen Versorger auch eine Vollmacht zur Kündigung des Liefervertrags mit dem bisherigen Versorger geben.

Neuer Versorger wird tätig

Der neue Versorger regelt mit dem bisherigen den notwendigen Datenaustausch und organisiert gegebenenfalls auch mit dem Netzbetreiber die Zählerablesung, und meldet den Verbraucher dort als seinen Kunden an.

Schriftliche Bestätigung

Vom neuen Anbieter bekommt der Kunde schriftlich oder per E-Mail eine Bestätigung über Vertragsabschluss und Lieferbeginn. Verbraucherschützer raten jedoch, den Zählerstand am Wechseltag selbst zu notieren und an ihren örtlichen Netzbetreiber zu schicken.

Post vom alten Versorger

Der bisherige Versorger schickt dem Verbraucher eine Schlussrechnung über den bis zum Wechselzeitpunkt angefallenen Verbrauch. In der Regel kommt diese Rechnung innerhalb von vier bis sechs Wochen.


Die Insolvenzquote ist der Anteil der Forderungen von Gläubigern, der durch die Insolvenzmasse abgedeckt werden kann - also die verwertbaren Vermögensgegenstände eines Unternehmens. Flexstrom-Insolvenzverwalter Schulte-Kaubrügger nennt bislang keine konkrete Quote, weil auch das Volumen der gesamten Forderungen noch nicht bekannt ist. Kunden können aufgrund der Größe des Insolvenzverfahrens nicht mit raschen Zahlungen rechnen. Das Verfahren wird voraussichtlich bis mindestens Ende 2017 laufen.

Kommentare (1)

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12.08.2013, 12:56 Uhr

Richtig wäre, den gesamten Vorstand ebenfalls während der Wartezeit im Gefängnis warten zu lassen. Er hat diese Misere schließlich zu verantworten, weil Betrug, Insolvenzverschleppung etc. offensichtlich sind.
Nichts passiert, alles schlöddert vor sich hin, alle sind schwer beschäftigt und verbrauchen den Großteil der noch vorhandenen Vermögenswerte. Von der Staatsanwaltschaft hört man nichts, trotz vielzahliger Strafanträge.
Ist zwar real, kann aber nur als stark verbesserungsbedürftiges, schlechtes Beispiel gelten.

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