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16.07.2014

07:21 Uhr

Insolventer Windparkbetreiber

Schlammschlacht um Prokon-Vollmachten

VonGertrud Hussla

Prokon-Insolvenzverwalter Penzlin nimmt in einem Rundschreiben den Firmengründer Rodbertus auseinander. Der frühere Chef will die Macht zurückhaben und scheut keine Mittel. Jetzt schaltet sich die Staatsanwaltschaft ein.

Windmaschine: Bei Prokon müssen die Anleger schmerzhafte Abstriche hinnehmen. dpa

Windmaschine: Bei Prokon müssen die Anleger schmerzhafte Abstriche hinnehmen.

DüsseldorfIm verwirrenden Poker um Anlegerstimmen hat sich  gestern Abend Prokon-Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin an die Anleger des in Schieflage geratenen Windparkbetreibers gewendet. In seinem neuesten  Rundschreiben  informiert er nicht nur über die gerade erst aufgenommenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Firmengründer Carsten Rodbertus. Penzlin knöpft sich auch noch einmal die traurige Hinterlassenschaft des Firmengründers und dessen neuerliche, teils abenteuerliche Behauptungen zum Zustand des Unternehmens vor. Noch bis einen Tag vor der Gesellschafterversammlung am 22. Juli könnten Anleger ihre Vertretungsvollmacht an einen Mittelsmann von Rodbertus per Fax widerrufen, erläutert Verwalter Penzlin.

Damit ist die Schlacht um Anlegervollmachten und Mandate in vollem Gang. Prokon ist seit 1. Mai insolvent. 75.000 Anleger hatten Firmengründer Rodbertus insgesamt 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Seit Dienstag ermittelt die Lübecker Staatsanwaltschaft gegen Rodbertus wegen Verdachts auf Insolvenzverschleppung und anderer möglicher Wirtschaftsdelikte. Das bestätigte Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm gegenüber dem Handelsblatt.

Penzlin konkretisiert in seinem Rundschreiben: „Auf Nachfrage hat die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass auch wegen Betrugs in besonders schwerem Fall ermittelt wird.“ Dabei gehe es um die grundlegende Finanzierungsstruktur und die Möglichkeit eines Schneeballsystems, als auch um Untreue. Unter Rodbertus habe Prokon unbesicherte Kredite in Millionenhöhe vergeben.

Schon seit Wochen wird die Lage für Anleger immer unübersichtlicher. Neben den Informationen auf der offiziellen Webseite und den Rundbriefen des Insolvenzverwalters Dietmar Penzlin zum Stand des Verfahrens stürmen auch Prokon-Gründer Carsten Rodbertus und Anlegerschutzorganisationen auf die Genussrechtsinhaber ein. Alle wollen eine Vollmacht, um die Genussrechtsinhaber auf der Gläubigerversammlung zu vertreten.  

Die Zukunft von Prokon

Ist die Insolvenzanmeldung das Ende von Prokon?

Nein, nicht zwangsläufig. Mit dem Gang zum Gericht ist zunächst das vorläufige Insolvenzverfahren angelaufen. Das Gericht bestellt einen vorläufigen Insolvenzverwalter, dessen Aufgabe es ist, das Unternehmen zu sanieren. So soll das für die Gläubiger beste Ergebnis erzielt werden. Im Fall des Fernsehherstellers Loewe konnte beispielsweise ein neuer Investor gefunden werden, der Teile des Unternehmens weiterführt. Für die Mitarbeiter setzt sich der Insolvenzverwalter für das staatlich gezahlte Insolvenzgeld ein. Damit könnte Prokon für drei Monate die Gehälter aus Staatsmitteln auszahlen. Der Betrieb geht zunächst erst einmal weiter. Erst später wird gerichtlich entschieden, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird.

Ist mein investiertes Geld verloren?

Nicht unbedingt. Prokon gibt zwar an, zahlungsunfähig zu sein, besitzt aber mit den Windparks auch große Sachwerte, die nun im vorläufigen Insolvenzverfahren verkauft werden könnten. Wie viel Geld die Genussrechteinhaber am Ende erwarten können, ist jedoch völlig unklar. Bedeutsam ist dabei, dass Genussrechte nur nachrangig gegenüber anderen Forderungen sind. Das heißt: Bevor die Inhaber von Genussrechten aus der Insolvenzmasse ausgezahlt werden, müssen andere Forderungen wie ausstehende Mitarbeitergehälter oder Mietzahlungen abgegolten sein.

Ich habe meine Genussrechte behalten. Was muss ich tun?

Durch die Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens bleibt Anlegern zunächst nur eins: abwarten. Vorerst brauchen sie ihre Forderungen noch nicht anzumelden. Dies wäre unwirksam. Erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Forderungen angemeldet werden. Der Insolvenzverwalter hat angekündigt, die Genussrechteinhaber über das weitere Vorgehen zu informieren. Eine Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt dürfte keine Auswirkungen mehr haben.

Ich habe meine Genussrechte schon gekündigt. Bekomme ich mein Geld?

Das Unternehmen wird auch die gekündigten Genussrechte zunächst nicht auszahlen. Laut Prokon werden diese gleichrangig zu den nicht gekündigten Genussrechten im Falle der Insolvenz behandelt. Somit werden die Anleger nicht früher aus der Insolvenzmasse bedient, nur weil sie gekündigt haben. Verbraucherschützer sehen dies genauso.

Kann ich mich juristisch wehren?

Mahnbescheide oder eine per Klage erwirkte Zwangsvollstreckung sind fast aussichtslos. Der Insolvenzverwalter hat das Recht, solche Zwangsvollstreckungen größtenteils zu untersagen. Eine Möglichkeit, sich eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen, ist eine Klage zur Beseitigung des Nachrangs der Genussrechte. Im Erfolgsfall würde der Kläger vor den anderen Genussrechteinhabern und gleichrangig mit anderen Gläubigern entschädigt. Die Erfolgsaussichten sind laut Verbraucherschützern aber unsicher. Bei einer Niederlage müsste der Kläger dann auch noch Anwalts- und Gerichtskosten tragen.

Wann kann ich damit rechnen, mein Geld zurück zu bekommen?

Durch das vorläufige Insolvenzverfahren genießt das insolvente Unternehmen besonderen rechtlichen Schutz. Sollte es zum eigentlichen Insolvenzverfahren kommen, kann dieses Jahre dauern. Bis die Gläubiger Geld sehen, müssen sie also wahrscheinlich lange warten.

Kann ich Prokon mit mehr Geld helfen?

Nein, der Insolvenzverwalter hat klar gemacht, dass derzeit keine neuen Genussrechte gezeichnet werden können. Er bat darum, keine Zahlungen mehr auf Prokon-Konten vorzunehmen.

Bekomme ich weiterhin Strom von Prokon?

Die Stromkunden haben wenig zu befürchten. Der Insolvenzverwalter hat mitgeteilt, dass der Geschäftsbetrieb von Prokon vollständig fortgeführt wird. Zudem würden Kunden in die sogenannte Ersatzversorgung fallen, wenn Prokon keinen Strom mehr liefern könnte. Dann würde der örtliche Stromerzeuger die Versorgung übernehmen. Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden, könnten Kunden dann zu viel gezahlte Monatsabschläge anmelden und würden aus der Insolvenzmasse, soweit möglich, entschädigt.

Was macht ein vorläufiger Insolvenzverwalter?

Stellt ein Unternehmen Insolvenzantrag, übernimmt wie im Fall von Prokon meistens ein vorläufiger Insolvenzverwalter das Ruder. Die Geschäftsführung wird entmachtet. Während dieses „vorläufigen Insolvenzverfahrens“, also dem Zeitraum zwischen Antrag auf Insolvenz und Insolvenzeröffnung, wird von einem vom Gericht bestimmten Sachverständigen geprüft, ob tatsächlich ein Insolvenzgrund vorliegt. Dieser Experte ist oft zugleich der vorläufige Insolvenzverwalter. Er muss laut Insolvenzordnung prüfen, ob Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorliegt.

Was bedeutet Eigenverwaltung?

Das Insolvenzverfahren kann aber auch in Eigenverwaltung ablaufen. Die Geschäftsführung bleibt dann im Amt, der bestellte Insolvenzverwalter tritt nur als beratender Sachwalter auf. Unter dessen Aufsicht kann die Geschäftsführung einen Sanierungsplan ausarbeiten. Ist die Sanierung nicht erfolgreich, wird das Insolvenzverfahren nach den üblichen Regeln fortgesetzt.

Was ist ein Schutzschirmverfahren?

Seit März 2012 ist auch ein sogenanntes Schutzschirmverfahren möglich. Dabei wird die Eigenverwaltung mit einem Vollstreckungsstopp kombiniert: Gläubiger können ihre Forderungen an das insolvente Unternehmen maximal drei Monate lang nicht durchsetzen.

„Wenn Sie eine Zerschlagung von Prokon (…) nicht wollen, sondern wie wir eine Sanierung von Prokon, dann (..)übersenden Sie uns Ihre Vollmacht im Original“ appelliert Rodbertus nach wie vor an die Anleger.  Er verspricht dabei 90 bis 100 Prozent Rückzahlung nach drei bis fünf Jahren.  Dieses Versprechen habe die gleiche Qualität, wie die ursprüngliche Zusicherung, dass Anleger sechs bis acht Prozent nach Zeichnung ihrer Genussrechte ausbezahlt bekämen, kontert Penzlin in seinem gestrigen Schreiben.

Er rät, doch selbst einmal nachzurechnen. Selbst wenn Prokon, wie von Rodbertus behauptet, 159 Millionen Euro im Jahr erwirtschafte, bleibe bei zwei Prozent Zinsen nach fünf Jahre immer noch eine Deckungslücke von 700 Millionen Euro. „Ich empfehle allen Gläubigern, auf diese Vereinfachungen nicht hereinzufallen“, appelliert Penzlin an die Anleger, „Sie gefährden damit ihr Vermögen.“

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

16.07.2014, 09:38 Uhr

Die Staatsanwaltschaft sollte nicht nur bei Prokon genauer hinschauen...auch bei Solarworld wird seit Jahren Insolvenzverschleppung betrieben.
Im Grunde sollte mal diese ganze Erneuerbare Energie Mafiabranche mal von der Staatsanwaltschaft unter die Lupe genommen werden und das EEG auch gleich als Wettbewerbsverhinderer und als Abzockergesetz an der Gesellschaft abgeschafft werden.
Danke!

Herr Hans Karpf

16.07.2014, 10:38 Uhr

Alle Interessenvereinigungen wollen an die Prokon Insolvenz verdienen. Die Frage ist nur, mit welchen Konzept die Anleger mehr Verlieren werden. Das mit den Wind ernten, wird auch schwieriger, weil die Anlagen tlw. älter sind, und absehbar aus der EEG Förderung raus fallen. Danach ist es mit den Erträgen vorbei. Das sind alles Rechnungen mit vielen Unbekannten.

Herr Ro Stu

16.07.2014, 11:59 Uhr

Bei S&K und Infinus konnte man doch lernen: so richtig Geld läßt sich nur machen, wenn man es vielen Leuten abnehmen kann. Insofern hat Prokon seinen Dienst getan und kann abgewickelt werden. Den Opfern gibt man ein paar Brotkrumen, die Profiteure läßt man hoffentlich nicht ziehen....

Einfach der Spur des Geldes folgen. Irgendjemand muß es ja nun haben.

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