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02.05.2014

13:21 Uhr

Insolvenzverwalter

Prokon-Anleger können 2015 auf Geld hoffen

VonGertrud Hussla

Gute Nachrichten für die Prokon-Anleger: Der Insolvenzverwalter will sie gleichrangig wie alle anderen Gläubiger behandeln. Und: Genussrechte sollen zu Anleihen werden. Mit wie viel Geld Anleger rechnen können.

PROKON offiziell insolvent

Können Anleger auf Teil-Rückzahlungen hoffen?

PROKON offiziell insolvent: Können Anleger auf Teil-Rückzahlungen hoffen?

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Die Anleger des insolventen Windparkbetreibers Prokon können frühestens ab 2015 mit einer teilweisen Rückzahlung ihres eingesetzten Kapitals rechnen. Das gab der vom Amtsgericht Itzehoe eingesetzte Konkursverwalter heute Dietmar Penzlin heute bekannt.

Sie werden dabei behandelt wie alle anderen Gläubiger auch. Genussrechte sind ein Zwitter zwischen Eigenkapital und Fremdkapital und werden im Normalfall gegenüber Kreditgebern nachrangig bedient. Das wird aber im Fall Prokon keine Rolle spielen, da laut Penzlin „entscheidende Passagen der Genussrechtsbedingungen unwirksam sind.“ Vor diesem Hintergrund würden die Forderungen der Prokon-Anleger als „normale Insolvenzforderung“ einzuordnen sein.

Der Windparkbetreiber Prokon Regenerative Energien GmbH hatte von rund 75.000 Anlegern insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten eingesammelt und diesen Anlegern immer kürzere Kündigungsfristen eingeräumt. Nachdem immer mehr Anleger ihre Genussrechte gekündigt hatten, wurde der Konzern zahlungsunfähig. Am 1. Mai hat das Amtsgericht Itzehoe die Insolvenz festgestellt und Penzlin, der schon vorläufig eingesetzt war zum Insolvenzverwalter berufen.

Verhaltensregeln am grauen Markt

Misstrauen Sie hohen Renditen

Früher galten zweistellige Renditen als suspekt, heute wird es schon bei mancher Solaranleihe mit sechs Prozent Zins kritisch. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen möchten Sparer zwar gerne etwas mehr verdienen. Doch im Moment sind leider die Zinsen auf einem historischen Tief. Wer behauptet, er könnte Festgeldangebote und Anleiheanbieter haushoch überbieten, ist unglaubwürdig.

Lesen Sie alle Unterlagen

Die Entschuldigung „In Finanzdingen kenne ich mich nicht aus“ gilt nicht. Auch Experten brauchen oft Tage, bis sie einen Prospekt komplett verstanden haben. Wenn der Berater nur eine nette Broschüre mitgebracht hat, dann sollte der Anleger im Internet den Prospekt herunterladen (meist unter „Downloads“). Anbieter sind bei Fonds verpflichtet, alle Risiken aufzuzählen. Wer querlesen möchte, sollte zumindest die Prognoseplanung auf Plausibilität überprüfen. Wichtig ist die komplette Lektüre des Zeichnungsscheins.

Nehmen Sie Zeugen mit

Auch einem altbekannten Bankberater ist nicht unbedingt zu trauen. Die Angestellten stehen oft unter hohem Verkaufsdruck. Was besprochen wurde, gehört zwar ins Beratungsprotokoll. Aber auch das sichert im Zweifel eher den Berater ab als den Kunden. Deshalb: lieber einen Bekannten als Zeugen mitnehmen.

Hinterfragen Sie die Kosten

Die einfache Frage: "Was verdient der Berater?" stellen sich viele Anleger gar nicht. Erst hinterher wird ihnen klar, warum ihr Vermittler das eine oder andere Investment so toll fand.

Ähnlich wie vom Handelsblatt bereits im Vorfeld geschätzt, taxiert Penzlin die zu erwartende Quote unverbindlich auf 30 bis 60 Prozent des eingesetzten Genussrechtskapitals und aller anderen Verbindlichkeiten des Konzerns. „Meine gesetzliche Aufgabe ist es, eine möglichst hohe Quote für alle Gläubiger zu erwirtschaften“, sagte Penzlin. Formulare zur individuellen Anmeldung der Insolvenzforderung würden Mitte Juli allen Anlegern zugesendet. „Bitte waren Sie diesen weitern Brief mit dem Formular unbedingt ab“, rät Penzlin den Anlegern und Gläubigern. Mit der Anmeldung ihrer Forderungen können sich die Anleger dann bis Mitte September Zeit lassen.

Prokon-Insolvenzverfahren

Der Beschluss des Gerichts

Das Insolvenzverfahren gegen Prokon ist eröffnet. Geprellte Anleger erhalten in dem Beschluss des Gerichts Auskunft über die Substanz von Prokon. Das Vermögen soll mehr als eine Milliarde Euro betragen.

Penzlin strebt an, die Windparks und auch das dazugehörige Stromgeschäft fortzuführen. Den Wert der bestehenden und der geplanten Windparks taxiert er auf 508 bis 538 Millionen Euro. Damit lägen diese Werte unterhalb der von Prokon angesetzten Werte. Die von Prokon-Gründer Carsten Rodbertus stets angeführten „Stillen Reserven“ im Konzern waren wohl eine Luftnummer. Stille Reserven gebe es nicht, sagte Penzlin. Das Prestigeprojekt P3000, ein von Prokon selbst gebautes großes Windrad, wird nicht fortgeführt. Der Markt ist bereits von anderen Anbietern besetzt.

Kommentare (1)

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02.05.2014, 15:45 Uhr

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