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16.04.2013

16:48 Uhr

Institute ignorieren Urteile

Banken kassieren unrechtmäßig Kreditgebühren

VonDaniel Klager

Nach einer Studie der Verbraucherzentralen erstatten Banken und Sparkassen unrechtmäßige Kreditgebühren nicht – und ignorieren damit aktuelle Gerichturteile. Eine endgültige Klärung haben die Institute selbst verhindert.

Kunden bekommen die unrechtmäßig erhoben Gebühren von den Banken selten zurück. dpa

Kunden bekommen die unrechtmäßig erhoben Gebühren von den Banken selten zurück.

Nach einer Studie der Verbraucherzentralen halten sich fast 95 Prozent der deutschen Banken und Sparkassen nicht an die aktuelle Rechtsprechung. Die „Initiative Finanzmarktwächter“ hat 1.342 Kundenbeschwerden aufgrund unzulässiger Beratungsgebühren bei Kreditverträgen ausgewertet. Dabei geht um Kosten von bis zu drei Prozent für die Bearbeitung des Kundenantrags. In nur 5,5 Prozent der Fälle haben die Banken und Sparkassen das Geld erstattet – oft mit dem Hinweis, es gebe noch keine höchstrichterliche Entscheidung in diesem Fall.

Dabei haben nach Angaben der Verbraucherschützer bereits acht Oberlandesgerichte die Gebühren für unzulässig erklärt. So hat bereits 2011 das Pfälzische OLG Zweibrücken einer Bank eine einmalige Bearbeitungsgebühr für einen Privatkredit untersagt. Die Richter erklärten die entsprechende Passage in den Geschäftsbedingungen für nichtig.

Die Tricks der Berater

Verkaufstalent

Gute Vermittler kennen ihr Geschäft. Aus Schulungen und langjähriger Erfahrung wissen sie, wie sich der Kunde zum Abschluss bringen lässt. Die Verbraucherzentrale NRW nennt die wichtigsten Psychotricks der Verkäufer.

Der Ton macht die Musik

Verkaufstermine werden als „kostenlose Rentenberatung“ oder „objektive Finanzanalyse“ betitelt. Das soll nach Angaben der Verbraucherschützer Kunden Seriosität und Unverbindlichkeit suggerieren. In der Praxis geht es bei solchen Terminen jedoch weniger um eine echte Beratung, sondern um den Vertrieb vorgegebener Produkte.

Nicht abzuwimmeln

Verkäufer sind bei der Terminvergabe immer flexibel. Wenn der Kunde aus Höflichkeit wegen Zeitmangel, absagt, steht der Berater auch nach Feierabend parat. Wenn kein Interesse besteht, erwähnen Verkäufer gerne, dass der Kunde das doch erst nach einem Gespräch beurteilen könnte. Kunden erhalten so häufig Besuch den sie eigentlich gar nicht haben möchten. Bei guten Verkäufern liegt die Abschlussquote nach einem Gespräch bei mehr als 50 Prozent.

Einlullen

Kein Verkäufer fällt mit der Tür ins Haus. Vor dem Verkaufsgespräch gibt es immer einen Small Talk, der das Eis brechen oder wie es die Verbraucherschützer formulieren den „Kunden einlullen“ soll. Der Kunde soll sich wohlfühlen und dann ein Angebot erhalten, dass er auch wegen dem guten Verhältnis zum Berater nur schwer ablehnen kann. Viele Kunden empfinden es immer noch als unhöflich, wohlmeinende Angebote zurückzuweisen oder um die Konditionen zu feilschen.

Die Verpackung machtʼs (I)

Viele Verkäufer nennen ihre Produkte nicht beim Namen. Private Rentenpolicen auf Basis von Lebensversicherungen werden zum „Renten-Sorglos-Paket“ und gebührenträchtige Dachfonds zum „Rendite-Investment-Plan“. „Im Verkäuferdeutsch wimmelt es von Plänen, Investments und Paketen“, erklären die Verbraucherschützer. Kunden sollten aber immer wissen, welches Produkt sie abgeschlossen haben, und welche Vor- und Nachteile die Produktklasse hat.

Die Verpackung machtʼs (II)

Viele Fremdwörter verschleiern ebenfalls das Produkt. Laut Verbraucherzentrale verwirren vor allem Anglizismen die Kunden wie etwa „Performance“, „Securities“ oder „Top-down-Strategie“. Kunden sollten nur abschließen, was sie verstehen. Niemand sollte sich schämen nachzufragen.

Rechentricks

Auch wenn man kein Rechenkünstler sein muss, um diesen Trick zu durchscheuen: Oft wirkt er trotzdem. Versicherungen kosten, 9,90 und nicht 10,00 Euro. Abgerechnet wird im Monat und nicht pro Jahr, wenn die Gesamtrechnung 118,80 Euro betragen würde. Die Verbraucherzentrale entdeckte auch Rechnungsbeträge, die auf den Tag heruntergebrochen werden. Bei Guthabenzinsen werden dagegen gerne möglichst lange Zeiträume gewählt. Kunden sollten immer von den Kosten oder Renditen pro Jahr ausgehen.

Tempo

Wer aufs Tempo drückt, hat laut Verbraucherschützern „etwas zu verbergen“. Kein Kunde sollte sich deshalb unter Zeitdruck setzen lassen. Es ist durchaus üblich, das Produkt vor einem Abschluss einige Tage zu prüfen.

Der gute alte Geheimtipp

Noch immer fallen Kunden darauf herein: Angeblich unbekannte Geldanlageprodukte, die immense Renditen versprechen. Wer weiß, ob es sie jemals gegeben hat. Heutzutage gibt es solche Produkte jedenfalls nicht mehr. Finanznachrichten verbreiten sich live auf der ganzen Welt, Tausende Profis und Kleinanleger machen Jagd auf Profit. „Verborgenes Wissen existiert praktisch nicht“ schreiben die Verbraucherschützer. Und Insiderwissen ist strafbar.

Gier

Traumrenditen sind rar und nur durch hohe Risikobereitschaft zu erzielen. Der Mär von dem todsicheren Geschäft, das alle Beteiligten reich macht, sollte niemand mehr glauben.

Kontaktpflege

Gute Verkäufer leben von ihren Kontakten. Sie tummeln sich in den entsprechenden Vereinen oder Peer Groups. Damit nicht genug: Einige Vertriebe halten die Mitarbeiter an, auch Freunde und Familienangehörige zu werben. Kunden sollten privates und geschäftliches immer trennen.

Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Die Verbraucherschützer werfen den Banken vor, eine bindende Entscheidung zu blockieren. Banken und Versicherungsunternehmen würden nach jahrelangen Prozessen kurz vor der Entscheidung des Bundesgerichtshofs die Revision zurücknehmen, wenn sie ein negatives Urteil befürchten. „Finanzunternehmen verhindern damit Rechtssicherheit zu Lasten der Verbraucher“, erklärte Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Den „Finanzmarktwächtern“ stößt vor allem auf, dass Kunden durch diese Gebühren die verschiedene Angebote schwer miteinander vergleichen können. „Die Kreditinstitute verschleiern die wahren Kosten, wenn sie sie auf verschiedene Posten aufsplitten“, sagt Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.

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