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07.03.2012

15:31 Uhr

Interview

„Die Tagesform des Finanzbeamten ist wichtig“

VonBarbara Moormann

Steuerhinterziehung ist Volkssport. Steuerberater Roland Franz erklärt im Interview, warum die Anzeigen meist aus dem direktem Umfeld der Betroffenen kommen, welche Tricks beliebt sind und wie das Finanzamt arbeitet.

Roland Franz ist Steuerberater in der Kanzlei Franz & Partner in Essen und hat täglich mit Steuerstraftaten zu tun. PR

Roland Franz ist Steuerberater in der Kanzlei Franz & Partner in Essen und hat täglich mit Steuerstraftaten zu tun.

Herr Franz, müssen Steuersünder, die bis 20.000 Euro hinterzogen haben die Steuerfahndung fürchten?
Nicht unbedingt. Meist sind dies Fälle, die nicht von der Steuerfahndung bearbeitet werden. Wenn überhaupt gehen die Fahnder solchen Fällen ungern nach, weil die für die Steuerfahndung an sich zu klein sind.
Gibt es Ausnahmen?
Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die Steuerfahndung meint, dass sie einen großen Fisch an der Angel hat und sich nach ein bis zwei Jahren Ermittlungszeit dann herausstellt, dass es sich tatsächlich nur um 10.000 Euro bis 20.000 Euro handelt. Das dürfte aber der Ausnahmefall sein.
Was passiert mit den Fällen, in denen die Steuerfahndung nicht aktiv wird?
Derartige Fälle werden meistens an die Veranlagungsbezirke der Finanzverwaltung weitergegeben und dann über die Straf- und Bußgeldsachenstellen abgewickelt.
Wie läuft das genau?
Man muss wissen, wie die Maschinerie der Finanzverwaltung funktioniert. Und wie Steuerfahndungsfälle zustande kommen. Zirka 70 bis 80 Prozent aller Fahndungsfälle kommen durch Anzeigen bei der Finanzverwaltung zustande.

Steuererklärung : Wenn der Steuerfahnder klingelt

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Die Deutschen tricksen bei der Steuererklärung, was das Zeug hält. Doch selbst bei vermeintlichen Bagatellen ist das Risiko hoch. Wann Finanzbeamte misstrauisch werden, welche Strafen drohen und wann Delikte verjähren.

Wer macht so etwas?
Anzeigende Personen sind häufig der getrennt lebende oder geschiedene Ehegatte, die verschmähte Geliebte, verärgertes ehemaliges Personal, der neidische Nachbar und so weiter.
Was macht die Verwaltung mit solchen Anzeigen?
Die eingehenden Anzeigen werden überprüft auf Glaubwürdigkeit und Größenordnung. Dann wird sortiert: Unglaubwürdige Fälle landen im Papierkorb. Je nach Schwere des Verdachtes geben die Behörden die Fälle dann an das zuständige Wohnsitzfinanzamt zur weiteren Bearbeitung weiter oder leiten ein Ermittlungsverfahren ein. Dann droht ein Hausbesuch durch die Steuerfahndung.
Was muss der Betroffene zahlen, damit sein Verfahren eingestellt wird?
Der Staat will nur das Beste seiner Bürger. Und zwar Geld für die Staatskasse. Man kann davon ausgehen, dass die Auflage, die mit dieser Art der Einstellung verbunden ist, bei ungefähr 30 Prozent der hinterzogenen Steuerbeträge liegt. Es können auch einmal 25 Prozent, es können aber auch einmal 35 Prozent sein. Die Tagesform des Finanzbeamten und des Verteidigers spielen hier eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Kommentare (4)

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Gaensebraten

07.03.2012, 22:27 Uhr

Da gibt es doch noch viel bessere Tricks.

Der Steuerberater gibt ein, zwei Jahre monatlich nur Umsatzschätzungen ab.

Welcher klein- und mittelständische Betrieb macht schon eine Inventur. Im Jahr wird alles in den Aufwand gebucht - und je nach Ertragssituation werden Warenbestände eingebucht. Zu hoher Gewinn - niedriger Warenbestand; im Verlustjahr sind die Bestände höher.
Negative Kassenbestände im Kassenbuch sind an der Tagesordnung - würden wir nicht aufpassen und die Kasse berichtigen; die Mandanten würden ziemlich alt aussehen. Mein Lieblingsfall: Ein Mandant, ein Rechtsanwalt, hält an vier Gesellschaften Beteiligungen und übt dort über Mittels-/Strohmänner maßgeblichen Einfluss auf die Geschäftspolitik aus. Die Gesellschaften gehören nicht zum gleichen Betriebsstättenfinanzamt. Marketingkonzept hier, Beratungsleistungen da - und schwupps die wupp, sind die Gewinne weg. Eine Gesellschaft - eine GmbH - ist nicht mal im Handelsregister eingetragen - und keiner merkt es. Das ist die Wirklichkeit. Mich k...tzt das so an.

Leser

11.03.2012, 20:14 Uhr

Das ist Unsinn.
Übrigens, jede Kapitalgesellschaft (GmbH/AG) muss im Handelsregister eingetragen sein.

Steuerbuerger

09.08.2012, 09:13 Uhr

Nein eine GmbH i.G. z.B. nicht! Dann gibt es ja auch noch die GmbH nach ausländischem Recht (Luxemburg oder Östereich usw... Das Problem ist aber vielmehr, dass die "kleinen" schnell erwischt werden weil es halt so einfach ist, die "großen Fische" haben da ein richtiges Konzept hinter stehen und geben da auch viel Geld für aus. Das ist schon Banden und Gewerbsmäßig, aber leider nur schwer zu durchschauen, da ja leider auf dem FA auch nur Menschen sitzen, die nicht allwissend sind (auch wenn sie das manchmal meinen) und Fehler machen. Bei vielen Firmen steigt noch nicht einmal mehr der Steuerberater durch, geschweige denn der Inhaber oder gar das Finanzamt.
Das deutsche Steuersystem lädt einfach dazu ein Steuern nicht zu zahlen, hier wäre eine Vereinfachung nötig, diese scheitert jedoch immer wieder an den Lobbyisten schaut euch einfach nur mal die letzten Steuer-vereinfachungs-gesetze an...

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