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02.03.2012

09:26 Uhr

Interview

„Lassen Sie uns mal Probesterben!“

VonJessica Schwarzer

Mit dem eigenen Tod und der Nachlassplanung wollen sich die wenigstens auseinandersetzen. Ein Fehler, weiß Vermögensverwalter Heiko Löschen. Er lässt seine Mandanten Probesterben.

Vermögensverwalter bei Mademann & Kollegen.

Vermögensverwalter bei Mademann & Kollegen.

Herr Löschen, warum vernachlässigen so viele Menschen ihre Nachlassplanung?
Das hat vielschichtige Gründe. Mit dem eigenen Tod, möchte man sich grundsätzlich nicht beschäftigen. Bei der Nachlassplanung kommen dann Emotionen und Ratio zusammen – das ist oft schwierig. Vielen fehlt außerdem das Fachwissen. Also schiebt man das leidige Thema Testament vor sich her. 

Gilt das auch für Vermögende?

Natürlich. Sie haben Anwälte, Notare, Berater für ihr Vermögen, aber auch die sogenannten Entscheider möchten nicht über das Sterben reden. Viele sind mit dem Thema Nachlassplanung schlichtweg überfordert – vor allem emotional. Es fehlen Menschen, mit denen sie auf Augenhöhe darüber reden können, was mit ihrem Lebenswerk nach ihrem Tod passieren soll. 

Testament: Der Kampf ums Erbe

Testament

Der Kampf ums Erbe

Die Deutschen erben Jahr für Jahr mehr als 200 Milliarden Euro. Streit unter Hinterbliebenen gehört zum Alltag. Je höher der Nachlass, desto größer das Streitpotenzial. Mit einem Testament lässt sich Streit vermeiden.

Wie gehen Sie mit dem Thema um?

Wir sprechen unsere Kunden grundsätzlich darauf an, ob sie einen letzten Willen festgehalten haben. Da läuft dann so: Lassen Sie uns mal Probesterben! Was passiert am Tag, in den Wochen nach ihrem Tod mit ihrem Lebenswerk? Fühlen Sie sich damit wohl? 

Und die Reaktionen?

Erstmal sind sie natürlich verwundert. Doch dann stellt sich schnell heraus, dass Handlungsbedarf besteht. Manche haben noch kein Testament verfasst, die gesetzliche Erbfolge ist aber nicht erwünscht. Andere haben bereits eines, doch das ist häufig viele Jahre alt und entspricht nicht mehr der heutigen Lebenssituation. Oder es steht schlichtweg Murks im Testament, weil es nicht von Experten verfasst wurde. Wohl fühlen sich die wenigsten. 

Fallstricke

Erbfolge

Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge. „Stirbt ein Ehepartner, erbt der überlebende Partner“, erklärt Thomas Diehn, Geschäftsführer der Bundesnotarkammer. „Gibt es Kinder – egal, ob ehelich oder unehelich – erben diese ebenfalls.“ Dann bekommt der Ehepartner 50 Prozent und die Kinder teilen sich die verbleibenden 50 Prozent zu gleichen Teilen. Bestand beim Erbfall Gütertrennung, hätten die dritte Ehefrau und die beiden Kinder je ein Drittel geerbt. Gibt es weder Ehepartner noch Kinder, erben die Eltern des Verstorbenen. Sie sind übrigens auch Erben, wenn der Verstorbene verheiratet war, aber keine Kinder hatte. „Ohne gültiges Testament kann es dann zu ungewollten Erbengemeinschaften kommen“, so Diehn. „Die Eltern müssen sich dann mit ihrer Schwiegertochter oder ihrem Schwiegersohn einigen – nicht immer eine einfache Konstellation.“ Das lässt sich durch eine intelligente Nachlassplanung vermeiden.

Teurer Erbschein

Liegt ein Testament vor, muss kein Erbschein beim Nachlassgericht erstellt werden. Dieser Erbschein ist übrigens deutlich teurer als ein Testament beim Notar. Wer einen Nachlass über 200.000 Euro regelt, zahlt beim Notar 424 Euro für ein Testament. Der Erbschein kostet mindestens 714 Euro, die mit einer notariellen Urkunde gespart werden können.

Verschwundener letzter Wille

Erben müssen wissen, dass es ein Testament gibt und wo sie es finden. Wer sein Testament beim Notar oder Amtsgericht hinterlegt, kann dies im „zentralen Testamentsregister“ (ZTR) registrieren lassen. Die Registrierung kostet einmalig 15 beziehungsweise 18 Euro. „Es soll vor allem gewährleisten, dass ein Testament im Erbfall auch schnell gefunden wird“, sagt Diehn.

Berliner Testament

Wählen Eheleute ein Berliner Testament, dann setzen sie sich gegenseitig als Alleinerben ein. Sind beide tot, erben die Kinder zu gleichen Teilen. Wichtig: Der überlebende Elternteil kann diese Quote nicht verändern. Es sei denn, es gibt eine entsprechende Klausel, die dies erlaubt. Auch ein neues Testament des länger Lebenden gilt nicht – das Berliner Testament geht immer vor.

Erbengemeinschaft

In vielen Fällen kommt es zu den so unbeliebten Erbengemeinschaften. Drei Geschwister erben beispielsweise gemeinsam ein Miethaus, das Haus der Eltern und ein Barvermögen. Das lässt sich durch Testamente steuern beziehungsweise intelligent aufteilen.

Spätestens dann müssen sich Ihre Kunden aber dem Thema widmen.

Stimmt. Doch wenn sie ihr Erbe dann erstmal geregelt haben, sind sie oft erleichtert. Es ist ja nicht so, dass sie noch nie über ihre Nachlassplanung nachgedacht hätten. Nur haben sie nicht gehandelt, haben das leidige Thema vor sich hergeschoben. Und das belastet schließlich auch. 

Kommentare (1)

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aruba

02.03.2012, 13:19 Uhr

Guten Tag,... Recht hat der Mann. Besten Dank

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