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08.07.2014

10:50 Uhr

Interview

„Ohne klare Regeln funktioniert Home-Office nicht“

VonNicole Wildberger

Um einen Home-Office-Arbeitsplatz sinnvoll zu gestalten, braucht es viel Organisation. Sebastian Egert, Abteilungsleiter des Bereichs Organisationsentwicklung der Targobank, erklärt, wie das funktioniert.

Auch am Heimarbeitsplatz gelten Regeln. gms

Auch am Heimarbeitsplatz gelten Regeln.

Herr Egert, wann haben Sie das letzte Mal an Ihrem Home-Office-Arbeitsplatz gearbeitet?
Da muss ich scharf nachdenken – ich glaube, vor einigen Wochen habe ich zu Hause am Schreibtisch mal ganz in Ruhe an einem Konzept für ein neues Projekt gearbeitet. Den überwiegenden Teil meiner Arbeit erledige ich an meinem Schreibtisch im Büro.

Bei der Targobank gibt es also reguläre vollwertige Home-Office-Arbeitsplätze?
Aber ja. Die Offenheit dem Thema gegenüber liegt sicherlich an unserer französischen Mutter, der Genossenschaftsbank Crédit Mutuel. In Frankreich erfreut sich das Arbeiten am heimischen Arbeitsplatz wachsender Beliebtheit. Und zwar auch in Kreditinstituten, die ja besonders kritisch in Sachen Datenschutz sein müssen.

Damit haben Sie selbst schon ein wichtiges Stichwort gegeben – wie stellen Sie sicher, dass sensible Daten zu Hause nicht einfach verloren gehen?
Grundsätzlich eröffnen wir interessierten Mitarbeitern mehrere Möglichkeiten der Heimarbeit. Zum einen dadurch, dass ein Teil der Arbeit zu Hause geleistet werden kann, wie das auch ab und zu bei mir der Fall ist. Zum anderen durch reguläre Home-Office-Arbeitsplätze, bei denen die Mitarbeiter überwiegend zu Hause arbeiten. Das sind bei uns aktuell circa 220 Kollegen. Sie gehen einer großen Bandbreite von Tätigkeiten nach: von der Bearbeitung von Kundenanfragen bis hin zu Call-Center-Arbeiten, oder vom mobilen Kundenberater im Banking bis zum Forderungsmanagement. Grundsätzlich kann man in fast jedem Bereich im Home-Office arbeiten – wichtig ist, dass sowohl die Mitarbeiter als auch die Führungskräfte das wollen.

Wichtige Urlaubsregeln

Geld statt Urlaub: Geht das?

Normalerweise nicht. In den allermeisten Fällen gilt: Wer seinen Urlaub nicht fristgerecht verbraucht, hat Pech gehabt und kann von seinem Chef auch keine Abgeltung verlangen. Eine Ausnahme gilt nur, wenn das Arbeitsverhältnis endet, bevor der Angestellte noch ausstehenden Urlaub vollständig nehmen konnte. Dabei ist allerdings zu beachten: Während der Kündigungsfrist muss der Mitarbeiter den restlichen Urlaub auf Weisung des Arbeitgebers möglichst umfassend abfeiern. Nur wenn die Zeit nicht reicht, um alle verbleibenden Ferientage abzubauen, ist der Arbeitgeber verpflichtet, nicht verbrauchten Urlaub auszuzahlen.

Krank in den Ferien: Was ist zu tun?

Wer mit einem ärztlichem Attest belegen kann, dass er in seinen Ferien das Bett hüten musste, muss nicht um seine freien Tage bangen. Grund: Er hat in der Zeit seiner Krankheit einen Anspruch auf Lohnfortzahlung und darf die entfallene Urlaubszeit später nachholen. Eine Frist für die Vorlage des Attests beim Chef gibt es zwar nicht. Um Ärger zu vermeiden, raten Experten aber, möglichst zeitnah zu agieren.

Urlaub in der Probezeit: Erlaubt oder verboten?

Die meisten Arbeitnehmer müssen, wenn sie einen neuen Job antreten, erst einmal ihr Können unter Beweis stellen und eine sechsmonatige Probezeit durchlaufen. In dieser Bewährungsphase gilt in der Regel auch eine - mehr oder minder strikte - Urlaubssperre. In der Praxis ist es allerdings durchaus üblich, auch neuen Mitarbeitern im ersten halben Beschäftigungsjahr den einen oder anderen freien Tag zu gewähren. Einen generellen Anspruch auf dieses Entgegenkommen des Unternehmens haben die Betroffenen aber nicht.

Abbruch der Reise: Kann der Chef das verlangen?

Nein – und zwar selbst dann nicht, wenn der Arbeitsvertrag die Möglichkeit einer solchen Rückrufaktion ausdrücklich vorsieht (BAG, Az.: 9 AZR 404/99). Wer, weil er seine Karriere nicht gefährden möchte, dennoch die Ferien abbricht, kann zumindest verlangen, dass der Arbeitgeber die Rückreisekosten übernimmt.

Termine: Darf die Firma die Urlaubsplanung übernehmen?

Ja und nein. Einerseits sind Arbeitgeber zwar angehalten, die Wünsche der Mitarbeiter so gut es geht zu berücksichtigen. Andererseits ist das nicht in jedem Team – und auch nicht in jedem Betrieb ohne Weiteres möglich. Gerade in saisonabhängigen Branchen, etwa der Hotellerie, ist es durchaus üblich, den Laden in umsatzschwachen Zeiten zuzusperren und Betriebsferien anzuordnen. Selbst wenn deren Lage nicht mit den Wunschvorstellungen jedes einzelnen Mitarbeiters übereinstimmt, muss die Belegschaft ihren Urlaub doch in dieser Zeit abfeiern.

Wie wird das denn konkret geregelt, falls Einigkeit zwischen Führungskraft und Mitarbeiter besteht?
Seit dem Jahr 2008 gibt es dazu eine Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber. Beispielsweise muss in der Wohnung ein abschließbarer Raum für das Büro vorhanden sein, damit ungestörtes Arbeiten möglich ist – das ist gerade bei Beratungsgesprächen wichtig. Zudem stellen wir den Mitarbeitern dort dann einen zweiten DSL-Anschluss auf Bankkosten zur Verfügung. Mit dem eigenen Router stellen wir auf der einen Seite unsere Sicherheitsstandards sicher und können so beispielsweise privates Surfen im Internet verhindern. Andererseits können wir auch die technische Unterstützung unseres Helpdesk anbieten, der sich zum Beispiel bei technischen Problemen auf den Rechner schalten kann.

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