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27.04.2012

13:19 Uhr

Interview

„Sparkassen ignorieren die Gesetze“

VonFrank Matthias Drost

Bei den Sparkassen wird in der Finanzberatung kräftig geschlampt, erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Berater würden unter Provisionszwang und Vertriebsvorgaben leiden.

„Das Herumdoktern an den Symptomen von Fehlberatung und Provisionsschneiderei hat nicht den geringsten Nutzen für die Verbraucher. Es ist höchste Zeit, Verbrauchern eine echte Alternative zur Verfügung zu stellen, die an den Wurzeln des Problems ansetzt und außerdem kostengünstig, einfach und transparent ist.“Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. pr

„Das Herumdoktern an den Symptomen von Fehlberatung und Provisionsschneiderei hat nicht den geringsten Nutzen für die Verbraucher. Es ist höchste Zeit, Verbrauchern eine echte Alternative zur Verfügung zu stellen, die an den Wurzeln des Problems ansetzt und außerdem kostengünstig, einfach und transparent ist.“

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Sparkassen sind nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet. Macht sie das zu besseren Beratern?
Niels Nauhauser: Nein. Auch Sparkassen ignorieren beim Vertrieb von Produkten immer wieder die Gesetze. Das wissen wir aus Schilderungen von Verbrauchern sowie aus eigenen Marktuntersuchungen oder denen von "Finanztest". Danach händigen auch Sparkassen Beratungsprotokolle nicht in jedem Fall aus, obwohl sie seit 2010 gesetzlich dazu verpflichtet sind. Auch bei Sparkassen gibt es eine riesige Schlamperei in der Finanzberatung, insbesondere bei der Bedarfsermittlung von Ratsuchenden. Beispiel: Vermögenssituation der Anleger, Anlageziele und Risikobereitschaft werden nicht nur in Ausnahmefällen, sondern nach unserer Beobachtung sogar im Regelfall nicht korrekt dokumentiert.

Sie sehen keine Unterschiede zwischen privaten Banken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen?

Nein, die Situation ist doch bei allen Instituten die gleiche. Die Mitarbeiter sind gehalten, Finanzprodukte zu verkaufen. Der Bankapparat ist auf Provision ausgerichtet. Wir reden auch bei den Sparkassen nicht von Beratung, sondern von Vertrieb. Natürlich kann man nicht alle Institute in einen Topf schmeißen, aber der Anreiz ist bei allen vollkommen identisch: Verdient wird nicht mit Beratung, sondern mit Verkauf. Deshalb stehen nicht die Bedürfnisse des Kunden und kostengünstige Produkte im Mittelpunkt, sondern der Verkauf von einer eingeschränkten Produktpalette mit auskömmlichen Margen. Kein Wunder, dass der Bedarf da auf der Strecke bleibt.

Was muss sich ändern?

Beratung und Vertrieb, das passt nicht zusammen und muss getrennt werden. Der Interessenkonflikt steckt also im System selbst. Der Gesetzgeber ist auf einem guten Weg, dies zu erkennen. Es gibt im Markt keinen Qualitätswettbewerb, weil kein Kunde die Qualität erkennen kann, sonst bräuchte er ja keine Beratung, und weil sich daher Investitionen der Banken in Qualität nicht auszahlen. Und wenn es schiefgeht, muss die Bank nicht einmal einen Prozess fürchten, weil ihr nur wenige Kunden Fehlberatung nachweisen können. Oder würden Sie zu einem Arzt gehen, der davon lebt, Tabletten eines Pharmaherstellers zu verkaufen? Bei Ärzten hat diese Trennung also gute Gründe, und bei Finanzberatung ist das im Grunde nicht anders.

Kommentare (5)

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interessierterBuergerKlaus

27.04.2012, 14:33 Uhr

Schön gedacht. Als exBanker im Vertrieb weiss ich, das der Kunde alternativ für die Beratung zahlen müsste,ähnlich wie beim Steuerberater oder Rechtsanwalt. Aber dazu ist der Kunde in der Regel nicht bereit.

holyowly

27.04.2012, 15:07 Uhr

Stimme ich meinem Vorredner zu.

Nachdem Banken nahezu keine Gebühren mehr einnehmen dürfen, keine Wertstellungsvorteile mehr haben, brauchen sie ja eine Einnahmequelle um ihr Dasein zu finanzieren. Die logische Konsequenz aus der Rüge des Verbraucherquälers ist, entweder können die Kunden zukünftig für jede Beratung extra zahlen oder es wird nicht mehr viele Banken geben. Von nix kommt eben nix.

Jede Beratung 15% des Anlagewertes als Gebühr. Wird bei eBay und Amazon ja auch anstandslos bezahlt. Warum nicht bei der Bank?

Bernd

27.04.2012, 16:44 Uhr

Langweiliger Artikel. Warum sollten sich Sparkassen anders verhalten als der Rest der Branche? Sie unterstuetzen zumindest die Realwirtschaft (Mittelstandskreditgeschaeft) und fremdeln nicht im Ausland und Investmentbanking herum. Bitte jetzt nicht Sparkassen mit Landesbanken in einen Topf schmeissen.

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