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17.08.2015

16:48 Uhr

Jeden Monat mehr Netto

Freibeträge gelten bald länger

VonConstanze Elter

Wer als Arbeitnehmer hohe Werbungskosten hat, kann sich einen Freibetrag auf der elektronischen Steuerkarte eintragen lassen. Dann behält der Arbeitgeber weniger Lohnsteuer ein. Ab Herbst wird das Verfahren einfacher.

Die jährliche Steuererklärung ist bei der Nutzung von Freibeträgen Pflicht. dpa

Einkommensteuererklärung

Die jährliche Steuererklärung ist bei der Nutzung von Freibeträgen Pflicht.

BerlinUm die Zahlung ihrer Lohnsteuer müssen sich Arbeitnehmer nicht kümmern. Der Arbeitgeber überweist die Steuer automatisch an das zuständige Finanzamt. Bei der Steuererstattung ist das anders, hier ist die Initiative der Arbeitnehmer gefragt. Dank Freibeträgen auf der elektronischen Lohnsteuerkarte müssen sie damit nicht bis zur nächsten Steuererklärung warten, sondern können schon während des Jahres ihr monatliches Nettogehalt erhöhen. Der Arbeitgeber zieht dann einfach vom Brutto weniger Steuern ab.

Ein Freibetrag lohnt sich für alle Arbeitnehmer, die höhere Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen haben, als ihnen der Gesetzgeber per Pauschale schon direkt zugesteht. Wer zum Beispiel einen weiteren Weg zur Arbeit hat, kann sich die Entfernungspauschale für die Fahrt von der Wohnung zur Firma als Freibetrag eintragen lassen.

Auch für Berufstätige, die sich in einer Weiterbildung befinden und dadurch höhere Kosten aufbringen müssen, rentiert sich der Freibetrag. Ebenso für Arbeitnehmer, die aus beruflichen Gründen in einem Ort mit der Familie wohnen und an einem anderen Ort eine kleine Wohnung angemietet haben, um näher am Arbeitsplatz zu sein.

Für all diese Arbeitnehmer galt bislang: Sie mussten einen Antrag auf die so genannte Lohnsteuerermäßigung beim zuständigen Finanzamt stellen. Im ersten Jahr ist der Antrag sechs Seiten lang, Wiederholer durften in den Folgejahren einen vereinfachten Antrag stellen. Aber auch dieser umfasste immerhin noch zwei Seiten.

Wer muss eine Einkommensteuererklärung machen?

Keine Pflicht zur Steuererklärung

Alleinstehende Arbeitnehmer, die nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind, müssen in der Regel keine Steuererklärung abgeben. Das ändert sich, wenn ...

Nebeneinkünfte

- wenn Nebeneinkünfte von mehr als 410 Euro pro Jahr erzielt wurden.

Mehrere Arbeitgeber

- der Arbeitnehmer bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt ist oder war.

Gesamtbetrag der Einkünfte über 8.354 Euro

- keine Einkünfte aus einer Arbeitnehmertätigkeit mit Lohnabzug erzielt wurden, aber der Gesamtbetrag der Einkünfte bei einem Ledigen im Jahr 2014 beispielsweise durch eine Rente über 8.354 Euro liegt.

Lohnersatzleistungen

- Lohnersatzleistungen wie beispielsweise Arbeitslosen- und Elterngeld über 410 Euro pro Jahr bezogen wurden.

Freibetrag eingetragen

- auf der Lohnsteuerkarte ein Freibetrag eingetragen wurde.

Ehegatte in Steuerklasse V oder VI

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und einer der Ehegatten nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wurde.

Besteuerung nach Faktorverfahren

- der Arbeitnehmer verheiratet ist und die Ehegatten nach dem sogenannten Faktorverfahren besteuert wurde.

Sonstige Bezüge nicht einbezogen

- der Arbeitnehmer nacheinander bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt war und ein Arbeitgeber einen sonstigen Bezug (beispielsweise Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Abfindungen) versteuert hat, bei dem der Arbeitslohn beim anderen Arbeitgeber nicht mit einbezogen wurde.

Scheidung

- der Arbeitnehmer geschieden wurde – oder der Ehegatte gestorben ist – und er im gleichen Jahr wieder geheiratet hat.

Verlustvortrag

- zum Ende des Vorjahres ein sogenannter Verlustvortag festgestellt wurde – beispielsweise Verluste aus Vermietung und Verpachtung.

Die Finanzverwaltung hat nun ein Einsehen: In diesem Herbst wird die zweijährige Gültigkeit von Freibeträgen im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren eingeführt. Das Bundesfinanzministerium erklärte vor kurzem in einem Schreiben, dass der Starttermin für das neue Verfahren auf den 1. Oktober 2015 festgelegt wird. Ab diesem Zeitpunkt können Arbeitnehmer nun ihren neuen, längstens zwei Jahre gültigen Freibetrag stellen. Der neue Freibetrag gilt dann ab dem 1. Januar 2016.

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