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08.01.2012

17:37 Uhr

Kartellamt-Mahnung

Immer noch zu hohe Gebühren am Automaten

Bankkunden müssen trotz der neuen Transparenzregeln noch oft mit hohen Gebühren fürs Geldabheben an Automaten fremder Institute rechnen. Laut Bundeskartellamt gibt es nach wie vor erhebliche Unterschiede nach Anbietern.

An "fremden" Automaten werden beim Geldabheben häufig hohe Gebühren fällig. dpa

An "fremden" Automaten werden beim Geldabheben häufig hohe Gebühren fällig.

Berlin/DüsseldorfDie Wettbewerbshüter schließen gerade eine umfassende Auswertung von Marktdaten ab und wollen bald über weitere Schritte informieren. Nach massiver Kritik an Abhebe-Gebühren von bis zu zehn Euro hat sich die Bankenbranche seit 15. Januar 2011 verpflichtet, die Entgelte direkt auf dem Automaten-Bildschirm anzuzeigen. Zwischen den Lagern der Kreditwirtschaft flammen nun wieder Konflikte auf.

„Dort, wo Kunden immer noch hohe Preise für Abhebungen am Automaten zahlen, sollte das Bundeskartellamt genauer hinschauen“, sagte Hans-Joachim Massenberg, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands Deutscher Banken, der Nachrichtenagentur dpa. Er verwies auf Untersuchungen, wonach einige Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken von fremden Kunden „weiterhin bis zum Dreifachen der Gebühren privater Banken“ verlangten. Fast alle Privatbanken hatten vor einem Jahr eine Obergrenze von 1,95 Euro eingeführt.

Fragen und Antworten zum Geldabheben

Was hat sich am Geldautomaten geändert?

Am 15. Januar 2011 stellte die Branche auf ein neues System fürs Fremdabheben um. Wer nicht zur Hausbank oder Partnerinstituten geht, bekommt seitdem bei anderen Automaten den Preis vor dem Abbuchen im Display angezeigt. Ist der Kunde einverstanden, berechnet die fremde Bank ihm direkt diese Gebühr. Vorher gab es dafür ein kompliziertes Verfahren der Institute untereinander, und der Kunde sah den Preis erst irgendwann später auf dem Kontoauszug seiner Bank. Jetzt kann er den Vorgang abbrechen, wenn ihm die aufleuchtende Gebühr zu hoch ist.

Was hat das neue System bewirkt?

Dass die Transparenz Bewegung in den Markt gebracht hat, gilt unter Beobachtern als unstrittig. „Die absurdesten Preisspiralen sind gestoppt“, konstatiert Frank-Christian Pauli, Bankenreferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Die Kunden zahlten aber immer noch zu viel. Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) ist nicht ganz zufrieden. „Die Zeit der Mondpreise ist zu Ende“, lautet ihr Zwischenfazit. Doch bei einzelnen Banken seien die Preise nach wie vor zu hoch. „Hier sehe ich noch Luft nach unten.“

Was sagt die Bankenbranche?

„Die deutsche Kreditwirtschaft geht davon aus, dass die Einführung des direkten Kundenentgelts zu sinkenden Preisen führt“, versicherte die Branche vor einem Jahr. Damals preschten die privaten Banken vor und legten eine generelle Obergrenze von 1,95 Euro fest, an die sich nach Verbandsangaben „fast alle“ Institute halten. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken gingen die Gebühren inzwischen von knapp sechs Euro auf im Schnitt unter vier Euro zurück, wie ihr Verband als Schätzgrößen ausmachte. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband nennt keine Zahlen, spricht aber von einer „verbraucherfreundlichen Systematik“.

Warum sind die Gebühren so unterschiedlich?

Die regional organisierten Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken wollen keine Obergrenzen und argumentieren, Preise sollten sich am Markt bilden. Wie teuer das Abheben ist, bestimmt jedes Institut für sich. Denn das hänge etwa davon ab, wie stark ein Automat genutzt werde. Hintergrund ist, dass das öffentlich-rechtliche Lager mit zusammen knapp 45.000 Geräten ein weit größeres Netz hat als die bundesweit agierenden privaten Banken - und entsprechend mehr Kosten fürs Befüllen und die Wartung, gerade auch in ländlichen Regionen. Jedoch blinkt selbst am Alexanderplatz im Herzen Berlins mit täglich zehntausenden Passanten an Sparkassen-Automaten auf: „Für diese Auszahlung berechnen wir Ihnen ein Entgelt in Höhe von 4,95 Euro.“

Droht ein Eingreifen der Wettbewerbshüter?

Das Bundeskartellamt hat umfassende Daten gesammelt und steht kurz vor dem Abschluss seiner Auswertung, wie Sprecher Jan Lohrberg sagt. „Bereits jetzt steht allerdings fest, dass die Gebührenhöhe bei der Mehrzahl der untersuchten Regionalinstitute deutlich über denen der bundesweit tätigen Kreditinstitute liegt.“ Über die nächsten Schritte werde bald informiert. Behördenpräsident Andreas Mundt hatte schon angedeutet, dass in der Diskussion über kostendeckende Gebühren die 1,95-Euro-Marke der Privatbanken eine Richtschnur sei. Deren Verband ermuntert die Wettbewerbshüter denn auch unverhohlen: „Dort, wo Kunden immer noch hohe Preise für Abhebungen am Automaten zahlen, sollte das Bundeskartellamt genauer hinschauen.“

Was wird noch kritisiert?

Verbraucherschützer beklagen, dass hohe Automaten-Entgelte sogar Abwehrkonditionen seien. „Manche Institute haben anscheinend gar kein Interesse, fremde Kunden mit vernünftigen Gebühren anzuziehen, wie es in einem nachfrageorientierten Markt aber der Fall sein müsste“, sagt vzbv-Experte Pauli. Viele Geldhäuser wollten Kunden nur ganz oder gar nicht. Die Abhebe-Gebühr werde oft auch erst spät angezeigt, wenn die Geheimzahl schon eingetippt ist. „Idealerweise müsste sie gleich als allererstes nach dem Einstecken erscheinen, wenn der Automat die Karte als fremd erkannt hat.“

Das Bundeskartellamt hat seine Auswertung noch nicht ganz beendet. „Bereits jetzt steht allerdings fest, dass die Gebührenhöhe bei der Mehrzahl der untersuchten Regionalinstitute deutlich über denen der bundesweit tätigen Kreditinstitute liegt“, sagte Behördensprecher Jan Lohrberg der dpa. Dies berichtete auch die „Rheinische Post“ (Samstag). Nach Informationen der Zeitung wollen die Wettbewerbshüter in der neuen Woche über ihr weiteres Vorgehen entscheiden.

Die regional organisierten Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken haben keine allgemeinen Obergrenzen eingeführt. Die Höhe der Gebühren legt jedes Institut für sich fest. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken geht als Schätzgröße davon aus, dass die Fremdabhebe-Entgelte in seinem Bereich von knapp sechs Euro auf durchschnittlich unter vier Euro gesunken sind.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Cashkurs

08.01.2012, 18:06 Uhr

Vielleicht sollte man noch dazu sagen, dass es in Deutschland die s. g. "Cashgroup" gibt, bestehend aus UniCredit (HypoVereinsbank), der Commerzbank und der Deutsche Bank. Innerhalb der Cashgroup dürfen Kunden in allen Filialen der drei Banken Geld ohne Gebühren abheben. Dass die Gebühr bei der Sparkasse und den Volks- und Raiffeisenbanken zu hoch ist, ist denke ich jedem klar.

christoph

08.01.2012, 19:26 Uhr

Ich denke die privaten wollen einfach keine Automaten aufstellen und die den breiten Sparkassennetz einfach mit benutzen, am besten kostenlos, die kosten für diese können ja weiter alle Sparkassenkundentrgen. Denen doch egal wenn Sparkassenautomaten von Fremdkunden blockiert werden.Sparkassenkunden sind nicht auf Fremdautomaten angewiesen, dafür haben sie einfach flächenddeckend zu viele eigene. Wenn die Privaten mal ihre Gebühren erhöhen würden, könnten sie sich vielleicht auch mehr eigene leisten, ich sehe es als Sparkassenkunde einfch nicht ein den parasitären Finanzkrisenverursachern auch noch die Automaten zu finanzieren.

MeinUng

09.01.2012, 11:34 Uhr

Sehr bemerkenswerte Diskkussion, vor einem Jahr waren Commerzbank oder auch insbesondere eine Ing.Diba die jenigen, die noch 10€ und mehr von anderen Banken verlangten. Jetzt spielen sie die Guten. Wer Girokonten verkaufen möchte sollte wissen, dass damit Ein- oder Auszahlungen einhergehen und Bargeld nicht per Download zu haben ist. Den Ertrag einstreichen und mit Fingern auf die jenigen zeigen, die Infrastruktur bereitstellen, lol. Wo bleibt das Gesetz und die Politik, die den Girokonten eine Mindestanzahl an Geldautomaten vorschreibt? Die Alternative, wer per Gesetz den Auftrag erhält, erhält per Gesetz auch die Kosten erstattet.

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