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23.11.2011

14:48 Uhr

Kaufen im Internet

Vom anonymen Zahler zum Geldwäscher

VonKatharina Schneider

Im Internet bezahlen und trotzdem anonym bleiben - das wünschen sich viele Verbraucher. Doch die Bundesregierung stellt sie alle unter Generalverdacht. Die Befürchtung: Geldwäsche.

Wer beim Einkaufen bar bezahlt, bleibt anonym. Das wünschen sich viele Kunden auch beim Onlineshopping. gms

Wer beim Einkaufen bar bezahlt, bleibt anonym. Das wünschen sich viele Kunden auch beim Onlineshopping.

DüsseldorfWer beim Bäcker ein Brötchen kauft und bar bezahlt, muss dabei eher selten seinen Ausweis vorzeigen. Anders sieht es aus, wenn der Kunde im Internet einkauft. Egal, ob er Gebäck bestellt oder eine Datei herunter lädt, spätestens an der Kasse muss er seine Anonymität ablegen. Und nicht nur das, neben seinem Namen und der Adresse muss der Kunde meist auch seine Bank- oder Kreditkartendaten nennen.

Doch Verbraucher können im Netz auch bezahlen, ohne Spuren zu hinterlassen. Das geht beispielsweise mit Prepaid-Bezahlkarten von Paysafecard oder Ukash. Diese bekommen Kunden vorwiegend an Tankstellen und am Kiosk. Sie zahlen einen Betrag ein und erhalten dafür einen sogenannten Voucher, einen Belegzettel mit einer Geheimnummer. Diesen Code können sie beim Bezahlen im Netz eingeben, ohne dort zusätzliche Informationen zu ihrer Person zu machen.

Nach Angaben des Prepaid Forums Deutschland (PFD), einer Interessengemeinschaft von 15 Branchenmitgliedern, gibt es deutschlandweit bereits etwa 40.000 Verkaufsstellen für solche Karten. Allein 2010 wurde laut dem Forum damit ein Umsatz von über 500 Millionen Euro erzielt. Paysafecard, nach eigenen Angaben der Marktführer für Prepaid-Zahlungsysteme im Internet, nennt Online-Spiele, digitale Inhalte und virtuelle Güter als Haupteinsatzgebiete für seine Karten. Dazu zählen etwa Hörbücher, Online-Telefonie oder auch Kartenlegen im Internet.

Was man über E-Geld wissen muss

Prepaid von paysafecard und Co

Prepaid-Bezahlkarten – beispielsweise von paysafecard und UKash – bekommen Kunden an Tankstellen und am Kiosk. Sie zahlen einen Betrag ein und erhalten dafür einen sogenannten Voucher. Auf diesem Belegzettel steht ein Code, den Kunden beim Bezahlen im Netz eingeben können. Wenn der Betrag nicht über 100 Euro liegt, bekommen Kunden das E-Geld ohne Identifizierung.

Prepaid-Kreditkarte

Ähnlich wie bei herkömmlichen Kreditkarten enstehen auch bei Prepaid-Kreditkarten Gebühren. Je nach Angebot können das pro Jahr über 50 Euro sein. Auch für das Abheben am Geldautomaten und bei Zahlungen außerhalb der Euro-Länder müssen die Kunden extra zahlen.

Guthaben „outcashen“

Einmal eingezahltes Geld muss nicht für immer digital bleiben. Kunden können es sich auch wieder auszahlen lassen. Dafür verlangen die Kartenanbieter allerdings recht hohe Gebühren. Außerdem sollen Kunden künftig ihre Identität preisgeben, wenn sie mehr als 20 Euro zurückhaben möchten.

Nicht anonym, aber sicher

Das sicherste Zahlungsinstrument in Deutschland ist für Verbraucherschützer noch immer die Lastschrift. Falls unrechtmäßig Geld vom Konto abgebucht wird, kann der Bankkunde die Buchung widerrufen. Erst nach 13 Monaten sind unentdeckt gebliebene unbefugte Buchungen unwiderruflich.

Bezahlen mit Geldkarte

Zum E-Geld zählt auch die Geldkarte. Auf den Chip, der auf der Debit-Karte installiert ist, können Kunden Geld laden und damit beispielweise an Ticketautomaten im Nahverkehr oder an Zigarettenautomaten zahlen.

Alternative Bezahlsysteme

Kunden haben mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, online zu bezahlen. Beispielsweise mit Paypal, Sofortüberweisung, Click and Buy oder Giropay. Doch oftmals gibt es Risiken. Der Kunde sollte sich deshalb immer genau anschauen, wie die Zahlung funktioniert und an wen er welche Daten herausgibt.

Ginge es nach der Bundesregierung, wäre mit der Anonymität bei diesem so genannten E-Geld jedoch bald Schluss. Die Politiker befürchten, dass das Bezahlsystem für Geldwäsche oder gar Terrorismusfinanzierung missbraucht werden könnte. Am liebsten wäre es ihnen deshalb, wenn die Verkäufer jeden Kunden identifizieren – also seine persönlichen Daten erheben müssten, sobald er auch nur einen Cent auf eine solche Karte lädt. Die Anbieter der Systeme laufen dagegen Sturm: „Damit wäre das Produkt de facto tot“, sagt Hugo Godschalk, Koordinator des Prepaid Forums. „Denn für Kiosk- und Tankstellenbetreiber wäre es zu aufwendig, die Prepaid-Kunden zu identifizieren.“

Und der Nutzen für die Kunden wäre stark geschmälert. „Letztlich würden Kunden dadurch nicht nur beim Kauf der Karten ihre Anonymität verlieren“, sagt Frank-Christian Pauli, Finanzexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Es sei auch nicht auszuschließen, dass die Identität des Kunden anhand seiner Prepaid-PIN zurückverfolgt werden könne. Zudem sei es aus datenschutzrechtlicher Sicht bedenklich, wenn jeder Kiosk die Kundendaten sammeln dürfte, so Pauli.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

23.11.2011, 15:46 Uhr

Kann man sich sein Gehalt eigentlich Bar auszahlen lassen? Ich finde diesen Überwachungswahnsinn einfach lästig. Jeder kann mein Kaufverhalten analysieren und gegen einen benutzen. Vorallem Banken nerven bei jeglicher Kontobewegung: Möchten Sie nicht eine Versicherung abschließen, oder vielleicht in XY investieren?
Das neeeerrrvvvt. Wenn ich an der Tanke A mit Karte zahle, weiss man gleich wo ich mich aufgehalten habe was ich für vorlieben habe.

Habe ich überhaupt noch Rechte als Mensch? Bin ich nur ein Konsument den Gesellschaften steuern möchten? Darf ich über mein Geld noch selbst bestimmen?

Dieses System ist verdächtig. Nicht die Nutzer von anonymen Bezahlarten.

pok

23.11.2011, 17:28 Uhr

eine kurze Erwähnung hätte man Bitcoin in diesem Zusammenhang schon gegönnt..

Pipapo

23.11.2011, 17:49 Uhr

Zur DM-Zeit war der 1000-DM-Schein die größte Note. In den 50er bis Anfang der 60er konnte man meines Wissens für so einen Tausi einen VW-Käfer kaufen und bekam noch Wechselgeld raus - also für die damalige Zeit einen Mittelklassewagen.
Das Bargeld war damals geeignet, problemlos auch größere Summen schnell, einfach und beim Emfänger unmittelbar wirksam mit einigen Scheinen Zentralbankgeld zu zahlen.

Etliche Inflationsjahrzehnte und eine Währungsreform später ist die größte Note, der 500-Euro, geeignet, sich einen Satz Reifen zu kaufen.
Warum gibt es keine 50.000 Euro Note ? Die würde doch etwa der Mittelklassewagen-Relation von damals entsprechen.
Warum ist das so ? Ist das nur Zufall ? - Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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