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03.02.2016

17:24 Uhr

Kfz-Handel

„Eine Bargeldobergrenze würde Geschäfte schwerer machen“

VonJohannes Steger

Die Bundesregierung überlegt, Bargeld-Transaktionen auf 5000 Euro zu begrenzen, um so Geldwäsche zu bekämpfen. Ansgar Klein, Vorstand des Bundesverbands freier Kfz-Händler, bezweifelt die Erfolgsaussichten des Vorhabens.

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Das Bargeld muss weg!

Handelsblatt in 99 Sekunden: Das Bargeld muss weg!

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FrankfurtNach einem SPD-Vorstoß überlegt die Bundesregierung, Bargeldzahlungen in unbegrenzter Höhe abzuschaffen. Für viele Händler kann das zum Problem werden. Auch der Autoverkauf mit einer Obergrenze 5.000 Euro wäre davon betroffen. Ansgar Klein, Vorstand des Bundesverbands freier Kfz-Händler (BVfK) mit einer Einschätzung zu den möglichen Folgen für Verkäufer und Kunden.

Herr Klein, wie wichtig ist das Bargeld in ihrer Branche?
Vor vielen Jahren habe ich einen Mercedes-Neuwagen gekauft – der Händler hat nur Bargeld akzeptiert. Da war ich nicht der einzige, der da mit einer Plastiktüte rein gekommen ist. Seit dem hat sich aber viel verändert. Die Barzahlung ist für die freien Kfz-Händler nicht mehr so wichtig wie damals. Tatsächlich geht sie immer weiter zurück. Viele Händler sind sowieso schon bemüht auf bargeldlose Zahlung umzustellen. Da spielt vor allem der Sicherheitsaspekt eine große Rolle, da viel eingebrochen wird. Die Menge der von einer Obergrenze betroffenen Geschäfte dürfte daher gar nicht so groß sein.

Ist die Begrenzung also eine gute Idee?
Grundsätzlich befürworten wir alle Maßnahmen, die Kriminalität bekämpfen oder eindämmen. Gleichwohl sollte man nichts verbieten, von dem man sich nicht sicher ist, ob das Verbot auch die gewünschte Wirkung hat. Im Falle einer Obergrenze bezweifeln wir das.

Was für das Bargeld spricht

Die Anonymität des Bargelds...

...ermöglicht es den Bürgern, auch den gesetzestreuen, einen Rest Privatsphäre zu bewahren, der nicht der vollständigen Überwachung oder Überwachbarkeit unterliegt.

Die Zinslosigkeit des Bargelds...

...ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Wer die jetzigen Niedrigzinsen der Notenbanken schon als gefährlich oder als eine Form der kalten Enteignung ansieht, wird froh sein, dass das Vorhandensein von Bargeld eine Zinsuntergrenze setzt.

Die gesellschaftlichen Kosten von Bargeld...

....als Zahlungsmittel, also die Kosten bei allen Beteiligten zusammengerechnet, sind nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank in den meisten Ländern niedriger als die unbarer Bezahlformen.

Der Insolvenzschutz...

...den Bargeld genießt, weil die Notenbank, die es emittiert, nicht Pleite gehen kann, hebt es vom Buchgeld der Geschäftsbanken ab. Wenn eine Geschäftsbank  insolvent wird, können Buchgeld-Guthaben verloren gehen, oder sie werden, wie im Fall Zypern geschehen, im Zuge der Rettung der Banken zusammengestrichen.

Warum?
Die Fantasie krimineller Organisationen ist weitaus größer als die redlicher Menschen wie beispielsweise in der Politik. Der Vorstoß für eine Obergrenze wirkt eher wie Aktionismus, als eine wirklich begründete Maßnahme mit erwarteter Wirkung. Das scheint mir wie Balsam für die geschundene Bürgerseele. Das einzige was man aber damit schafft, ist es dem Händler und den Verbrauchern das Leben schwerer zu machen.

Wie würde die Obergrenze den Verbraucher treffen?
Der Verbraucher hat vor dem Autokauf verschiedene Hürden vor sich und muss sich um irgendein Sicherungssystem kümmern. Das bedeutet nicht nur mehr Aufwand, sondern auch viel mehr Kosten, die dann vermutlich beim Kunden verbleiben. Doch der Moment des Leistungsaustauschs sollte Zug um Zug möglich sein. Da wird man, wenn noch nicht geschehen, auf andere Bezahlsysteme zurückgreifen bzw. entwickeln müssen. Unser Verband bietet bereits Treuhandlösungen, die viel genutzt werden. Klar ist aber auch, eine Obergrenze würde Geschäftsabwicklungen schwerer machen.

Was gegen Bargeld spricht

Die Anonymität...

...des Bargeldes ermöglicht es, ohne elektronische Spuren kriminelle Geschäfte abzuwickeln oder Steuern zu hinterziehen.

Die Zinslosigkeit

...des Bargelds ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Das sehen einige Ökonomen kritisch, da es die Möglichkeiten der Geldpolitik beschränkt. Schon bei einem Zins von minus 0,75 Prozent soll es billiger sein, Bargeld vollversichert im Tresor lagern zu lassen, anstatt es als Bankguthaben vorzuhalten.

Die Kosten des Handlings...

...von Barzahlungen können für manche Empfänger deutlich höher sein als alternative Bezahlformen.

Wenn der Verbraucher in Zukunft per Überweisung in Vorkasse tritt, der Händler pleite geht, ist das bezahlte Geld womöglich weg. Wie lässt sich dem begegnen?
Unser Verband warnt generell vor ungesicherter Vorkasse – welcher Art auch immer. Damit hängen mitunter Schneeballsysteme zusammen oder andere betrügerische Machenschaften, wie beispielsweise Lockvogelangebote, in denen Kunden zur Vorkasse verleitet werden. Wenn der Verbraucher jetzt allerdings gezwungen wird, Vorauszahlung zu leisten, muss man ihm gleichzeitig Systeme anbieten, die das absichern.

Wären Insolvenzsicherungsscheine eine Option, ähnlich denen, die beispielweise für Reiseveranstalter Pflicht sind?
Das müssen wir jetzt abstimmen – doch es bedeutet alles zusätzliche Kosten und Bürokratie. Generell gilt aber: Wir müssen uns die weitere Entwicklung jetzt erst einmal anschauen und uns dann möglicherweise auch an alternative Bezahlsysteme gewöhnen, die wir dann mit unseren Mitglieder gestalten müssen. Zudem müssen wir Einfluss nehmen auf die Gestaltung von etwaigen Vorschriften, damit es alles praktikabel bleibt. Dabei ist unsere Schnittmenge mit den Verbraucherschützern generell auch immer groß.

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