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11.12.2014

11:43 Uhr

Klage gegen Telekom

Neue Hoffnung für Telekom-Aktionäre

Im Verfahren gegen die Telekom um millionenschweren Schadenersatz für Kleinanleger muss das Oberlandesgericht neu entscheiden. Der BGH hält den Prospekt für fehlerhaft. Ein „Riesenerfolg“ für die Aktionäre.

Ist der Jubel verfrüht?

BGH urteilt zugunsten von Telekom-Kleinanlegern

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KarlsruheIm größten Anlegerschutzprozess Deutschlands können die Kläger neue Hoffnung auf Schadensatz schöpfen. Das Gericht erkannte im sogenannten Verkaufsprospekt für den dritten Börsengang des einstigen Staatsunternehmens im Jahr 2000 einen schwerwiegenden Fehler, wie der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag mitteilte. In diesem Punkt muss das Musterverfahren um rund 80 Millionen Euro Schadensersatz vom Oberlandesgericht Frankfurt neu entschieden werden.

„Für die Anleger ist das viel mehr als ein Etappensieg, es ist ein Riesenerfolg“, sagt Petra Dietenmaier, Fachanwältin für Bank- und Kapitalrecht bei der Rechtsanwaltskanzlei Tilp, die zahlreiche der klagenden Aktionäre vertritt. „Der BGH hat verbindlich festgestellt, dass der Prospekt fehlerhaft ist“, so die Anwältin. „Jetzt muss die Telekom beweisen, dass der Fehler weder fahrlässig noch vorsätzlich gemacht wurde. Aber das wird ihr kaum gelingen und dann muss Schadenersatz an die Aktionäre gezahlt werden.“

Der Telekom-Prozess in Zahlen

Kläger

Die Telekom hatte nach eigenen Angaben zum Prozessauftakt beim OLG 2770 Klagen von zusammen 17.031 Klägern erhalten.

Streitwert

Der Streitwert lag 2008 bei 91,5 Millionen Euro.

Zurückgenommene Klagen

Von den ursprünglich 17.031 Klägern haben 933 ihre Klagen im Streitwert von 12,7 Millionen Euro zurückgenommen.

Zu Prozessbeginn

Bei Beginn des Prozesses standen hinter der Musterklage 16.098 Kläger in 2603 Verfahren mit einem Gesamtstreitwert von 78,9 Millionen Euro. Sie werden von rund 800 Anwaltskanzleien vertreten. Den Musterkläger vertritt die Tübinger Kanzlei Tilp. Es handelt sich um einen Pensionär aus Schwaben, der rund 1,2 Millionen Euro verloren hat.

Güteanträge

Zu den Klägern hinter der Musterklage kommt später eine unbekannte Zahl Klagen aus den gut 15.000 Güteanträgen, die Anleger bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA) der Hansestadt Hamburg eingereicht hatten, um der Verjährung ihrer Ansprüche zuvorzukommen.

Verluste der Aktionäre

In der Masse der Fälle geht es um Summen von rund 3.500 Euro, einzelne Anleger haben aber auch mehr als 60.000 Euro verloren.

Insgesamt rund 17.000 Kläger werfen der Telekom vor, sie in die Irre geführt zu haben. Sinkende Aktienkurse hatten ihnen zum Teil hohe Verluste eingebrockt. Im Verkaufsprospekt machen Unternehmen für potenzielle Anleger Angaben zu ihren Geschäften im Rahmen eines geplanten Börsengangs.

Die Richter störten sich an dem bilanztechnischen Umgang des Konzerns mit dem US-Telekommunikationsunternehmen Sprint Corporation, für das ein Buchgewinn von 8,2 Milliarden Euro ausgewiesen worden war. Tatsächlich wurde es nur in eine kaum bekannte Beteiligungsgesellschaft „umgehängt“. Aus den von der Telekom veröffentlichten Informationen habe selbst ein bilanzkundiger Anleger die tatsächlichen Beteiligungsverhältnisse im Jahr 1999 und die sich daraus ergebenden Risiken nicht ableiten können, so das Gericht.

Die ebenfalls umstrittene Bewertung der Telekom-Immobilien zur Bilanzeröffnung bewerteten die Karlsruher Richter aber als rechtens. Dieser Punkt kann nicht mehr angegriffen werden.

Möglicherweise werde das Unternehmen nun versuchen, eine außergerichtliche Einigung mit den Aktionären herbeizuführen. „In jedem Fall stehen die Chancen nun sehr hoch, dass die Aktionäre für ihre Verluste entschädigt werden“, so Dietenmaier.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte im Mai 2012 entschieden, dass der Börsenverkaufsprospekt aus dem Jahr 2000 keine gravierenden Fehler enthielt. Die Anleger könnten daher keinen Schadensersatz geltend machen.

Beim dritten Börsengang waren die mehrfach überzeichneten Aktien zu einem Kurs von 63,50 Euro vor allem an Privatanleger ausgegeben worden. Danach stürzte der Kurs ab und erreichte nie wieder sein altes Niveau - er liegt heute bei rund 13 Euro. Die Telekom hat stets die Rechtmäßigkeit des Prospekts betont.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

11.12.2014, 11:54 Uhr

Die Aktionäre, die nicht geklagt haben und die nicht "Güteanträge" gestellt haben, werden dann wohl ganz leer ausgehen. Oder?

Herr Burkhard Otto

11.12.2014, 12:26 Uhr

Ich habe noch nicht einen einzigen Telekomaktionär kennengelernt, der den Prospekt auch nur angefasst hat. Es wird langsam Zeit, dass Menschen die Verantwortung für Ihre Anlageentscheidungen übernehmen und nicht bei jeder Fehlspekulation andere zur Kasse bitten.

Herr Ferdinand Loeffler

11.12.2014, 12:38 Uhr

"Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens".
(Schiller, "Jungfrau von Orleans")

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