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22.01.2010

16:23 Uhr

Klage um Toilettenbesuche

Arbeitsgericht billigt lange „Sitzungen“

Häufige Toilettenbesuche rechtfertigen keine Gehaltskürzung. Das hat in einem etwas kurios anmutenden Fall das Arbeitsgericht Köln entschieden.

Herren-Toilette: 384 Minuten auf dem „Stillen Örtchen“ Peter Frischmuth - argus

Herren-Toilette: 384 Minuten auf dem „Stillen Örtchen“

KölnIn dem veröffentlichten Fall (Aktenzeichen 6 Ca 3846/09) hatte der Inhaber einer Anwaltskanzlei festgestellt, dass einer seiner Anwälte vom 8. bis zum 26. Mai 2009 insgesamt 384 Minuten auf der Toilette verbracht hatte. Der Chef hatte die Pausen offenbar mit der Stoppuhr verfolgt. Er rechnete daraufhin die Toilettenzeiten auf die Dauer des Arbeitsverhältnisses hoch und kam zu dem Ergebnis, dass sein Angestellter zusätzlich zu den üblichen Pausen- und Toilettenzeiten insgesamt 90 Stunden auf der Toilette verbracht hatte. Hierfür zog er ihm 682,40 Euro vom Nettogehalt ab.

Der Mann klagte dagegen. Er habe im Mai unverschuldet so lange auf der Toilette gesessen, weil er an Verdauungsstörungen gelitten habe, argumentierte er.

Das Gericht gab ihm Recht. "Gut, wenn einer nun die Hälfte der Arbeitszeit auf der Toilette verbringt, dann gibt es irgendwo eine Grenze", erläuterte ein Gerichtssprecher. "Aber bei aktuellen Verdauungsproblemen kann man das nicht einfach so hochrechnen." Mittlerweile ist der Kläger aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden.

Kommentare (2)

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Denkerist

22.01.2010, 20:19 Uhr

Ein erstaunliches Urteil in der heutigen Zeit.
@ FDP: Da wird sich doch was machen lassen: Ein Gesetz zur einfacheren Kündigung solcher Kollegen o.ä.

Das gefährdet doch bestimmt die Gewinne der Unternehmen; oh. sorry natürlich den Wirtschaftsstandort deutschland.

R.Simak

24.02.2010, 11:46 Uhr

bemerkenswert finde ich vielmehr die Zahl hinter der Zahl: 682,40 Euro für 90 Stunden sind schon ein "beeindruckender" Stundennettolohn (7,58 Euro) für einen Anwalt.

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