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14.05.2014

18:36 Uhr

Klagemarathon um Börsenturbulenzen

Volkswagen steht vor dem nächsten Etappensieg vor Gericht

Die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW vor sechs Jahren hat eine Klagewelle ausgelöst. Vor Gericht zeigt sich, dass die Kläger einen schweren Stand haben, wenn sie die Informationspolitik von VW kritisieren.

VW und Porsche lieferten sich 2008 einen Übernahmekampf. Die juristische Aufarbeitung dauert bis heute. dapd

VW und Porsche lieferten sich 2008 einen Übernahmekampf. Die juristische Aufarbeitung dauert bis heute.

BraunschweigIm Klagemarathon um die Börsenturbulenzen beim Übernahmekampf zwischen Volkswagen und Porsche vor rund sechs Jahren zeichnet sich der nächste Etappensieg für die Porsche-Mutter ab. Der Vorsitzende Richter Stefan Puhle, der am Braunschweiger Landgericht ein Bündel aus fünf Porsche-Verfahren betreut, ließ am Mittwoch bei einem weiteren Verhandlungsschritt erneut durchblicken, dass seine Kammer den Argumenten der Klägerseite nur sehr bedingt folgen könne.

„Wir haben gewisse Schwierigkeiten, dorthin zu kommen“, sagte der Jurist. Einer Entscheidung wolle er nicht vorgreifen. „Aber gewisse Tendenzen können wir nicht verbergen.“ Anfang Mai hatte sich Puhle bereits ganz ähnlich geäußert. Er will am 30. Juli für die fünf aktuell anhängigen Fälle in Braunschweig Entscheidungen verkünden.

Dass es sich dabei um Urteile handeln dürfte, liegt nun immer mehr auf der Hand. Rein theoretisch könnte Puhles Kammer allerdings als Entscheidung auch verkünden, die Beweisaufnahme zu starten und zum Beispiel Zeugen oder Sachverständige zu laden. Nach dem klaren Trend, den Puhle nun mehrfach andeutete, ist das aber unwahrscheinlich.

Wie Ferdinand Piëch einen Weltkonzern schuf

1990er-Jahre

1993: Als Ferdinand Piëch im Januar 1993 den Vorstandsvorsitz von VW übernimmt, kämpft der Konzern mit einem Einbruch des Nordamerikageschäfts, hohen Kosten und Verlusten. Der neue Chef holt den Sanierer José Igancio López nach Wolfsburg. Weil der Spanier Betriebsgeheimnisse mitgenommen haben soll, entbrennt ein langwieriger Rechtsstreit mit seinem alten Arbeitgeber General Motors.
1997: Dank Piëchs Internationalisierungsstrategie laufen fast zwei von drei Autos im Ausland vom Band. 
1998: Mit der Übernahme der Marken Bentley (Foto) und Bugatti steigt Volkswagen ins Luxussegment ein. 
1999: Der Lupo kommt als erstes Drei-Liter-Auto auf den Markt. Im gleichen Jahr übertrifft Volkswagen als erster europäischer Hersteller die Schwelle von 100 Millionen produzierten Fahrzeugen

2000

Mit der im Juni eröffneten Autostadt setzt Piëch sich und dem VW-Konzern ein Denkmal in Wolfsburg. 

2001

Mit dem Luxusmodell „Phaeton“ erweitert VW das Oberklassenangebot. Für die Produktion des Kompaktvans Touran wird mit der IG Metall ein eigenes Tarifmodell entwickelt.

2002

Volkswagen übernimmt die schwedische Scania komplett und stärkt damit das Lkw-Geschäft. Der Aufsichtsrat wählt im April des Jahres Bernd Pischetsrieder zum Vorstandschef. Piëch übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat.

2007

Im Januar tritt Martin Winterkorn das Amt des Vorstandsvorsitzenden an. Der VW-Konzern liefert 6,2 Millionen Fahrzeuge aus - so viele wie noch nie zuvor. Insbesondere in China, Brasilien und Osteuropa vermeldet VW Zuwächse von bis zu 32 Prozent im Vorjahresvergleich.

2009

Der von VW gesponserte VfL Wolfsburg gewinnt die Deutsche Fußball-Meisterschaft.

2011

Volkswagen legt in Silao in Mexiko den Grundstein für ein neues Motorenwerk. Nach zweijähriger Bauzeit eröffnet in den USA das neue Werk in Chattanooga mit einer Jahreskapazität von 150 000 Autos.

2012

VW hält über eine Holding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG, die als eigenständige Marke geführt wird - der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche entsteht.

In den mündlichen Verhandlungen, die derzeit in den fünf Verfahren in Braunschweig laufen, nimmt die 5. Zivilkammer unter Puhles Vorsitz zunächst einmal an, dass die Vorwürfe der klagenden Investoren so auch zutreffen. Sie nähert sich dabei der Materie. Die dreht sich stets um dasselbe Thema: Privatanleger oder Investorengruppen wie etwa Banken oder Fonds schlossen 2008 riskante Finanzwetten ab rund um die Aktienkurse des Autobauers Volkswagen. Es war die Zeit der beginnenden Finanzkrise und die Porsche-Dachgesellschaft PSE schickte sich an, ihre VW-Beteiligung zu erhöhen. Das erfolgte schrittweise.

Die PSE begleitete den Aufbau mit Pflichtinformationen an die Finanzwelt und mit Pressemitteilungen. Zunächst hieß es, sie wolle bei VW nicht die ganze Macht, im Herbst 2008 war das dann hinfällig. Mit dieser Nachricht Ende Oktober explodierte der VW-Kurs. Anleger, die riskante Wetten auf sinkende Kurse gemacht hatten, mussten sich zu ruinösen Preisen mit VW-Papieren eindecken, um ihre Wettschuld zu begleichen. Bei sinkenden Kursen hätten sie kassiert. Doch da sich der Wert der VW-Papiere damals binnen Tagen teilweise vervierfachte, wurden derartige Geschäfte zum Desaster.

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