Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.06.2016

10:30 Uhr

Kosten fürs Altersheim

Nur Pflegebedürftige bekommen einen Steuervorteil

VonConstanze Elter

Wohnen und Pflege in einem Heim sind teuer, doch die Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Kosten. Wer allein aus Altersgründen in ein Heim zieht, bekommt auch vom Finanzamt keine Unterstützung.

Wer auf Pflege angewiesen ist, kann die Kosten dafür als außergewöhnliche Belastung geltend machen. dpa

Pflegebedürftige Senioren

Wer auf Pflege angewiesen ist, kann die Kosten dafür als außergewöhnliche Belastung geltend machen.

HannoverOb die Folgen eines Unfalls, Demenz oder Parkinson: Wer auf Pflege angewiesen ist, kann die selbst gezahlten Kosten dafür als außergewöhnliche Belastung absetzen. Allerdings muss der Betroffene sich hierfür einen zumutbaren Eigenanteil anrechnen lassen. Häufig ziehen ältere Menschen auch ins Heim, um sich dort pflegen zu lassen. Dann wird zusätzlich noch eine Haushaltsersparnis abgezogen, weil die Kosten für den eigenen Hausstand wegfallen. Jenseits des zumutbaren Eigenanteils können aber sämtliche Arzt- und Pflegekosten steuerlich geltend machen werden. Einen Höchstbetrag gibt es nicht. Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen zum Beispiel

• Kosten für Medikamente
• Hilfsmittel wie Prothesen oder der Rollator und
• Krankenhausaufenthalte.

Der Umzug in ein Heim ist allerdings nur dann steuerlich begünstigt, wenn jemand pflegebedürftig, behindert oder krank sind. Allein aus Altersgründen können Sie für sich selbst keine Steuerersparnis geltend machen.

Diese Sichtweise der Finanzverwaltung hat das Finanzgericht Niedersachsen vor kurzem noch einmal in einem Urteil erläutert (Az.: 12 K 206/14). In dem zugrundeliegenden Fall zog eine damals 86-jährige Frau in ein Apartment in einem Altersheim. Monatlich zahlte sie einen pauschalen Betrag von knapp 2.300 Euro für Unterkunft, gemeinsames Essen, Reinigung der Wohnung sowie Hausnotruf und Apotheken- und Wäschedienst. Gegen einen Aufpreis bestand die Möglichkeit, pflegerische Leistungen in Anspruch zu nehmen.

Das sollten Rentner über ihre Einnahmen wissen

Minijob

Viele Ruheständler verdienen sich im Minijob etwas hinzu. Diese „geringfügige Beschäftigung“ bleibt für Arbeitnehmer steuerfrei. Die Höchstverdienstgrenze wurde 2013 von 400 auf 450 Euro im Monat angehoben.

Ehrenamt

Viele engagieren sich in Vereinen oder in Einrichtungen, die gemeinnützigen, mildtätigen, kirchlichen Zwecken dienen. Wird ihnen eine Aufwandsentschädigung gezahlt, kann sie ab 2013 bis zu einer Höhe von 2400 Euro steuerfrei bleiben („Übungsleiter-Freibetrag“).

Werkspension

Arbeitnehmer, die in Rente gehen, bekommen neben ihrer gesetzlichen Rente oftmals auch eine von ihrem ehemaligen Arbeitgeber finanzierte Werkspension. Sie wird wie Arbeitslohn behandelt. Der Arbeitgeber zieht die Lohnsteuer und die gesetzlichen Versicherungsbeiträge ab und stellt eine Lohnsteuerbescheinigung aus.

Beamtenpension

Die meisten ehemaligen Beamten mussten wegen ihrer Pensionen bisher schon Steuererklärungen abgeben. Steuerlich werden Beamtenpensionen behandelt wie Werkspensionen.

Mehrere gesetzliche Renten

Bekommt jemand mehrere Renten, wird in steuerlicher Hinsicht jede einzeln bewertet. Das gilt zum Beispiel für das Zusammentreffen der eigenen Rente einer Frau mit einer Witwenrente oder das Zusammentreffen einer Altersrente mit einer Erwerbsminderungsrente bei einem Rentnerehepaar.

Privatrente

Bezüge aus einer privaten Versicherung sind steuerpflichtig. Sie werden vom Fiskus aber „milder“ behandelt als die gesetzliche Rente, weil die früher gezahlten Rentenbeiträge meist aus bereits versteuertem Einkommen bezahlt wurden.

Zinsen

Mit Zinsen, Dividenden und anderen Kapitalerträgen bessert mancher Ruheständler seine Versorgungsbezüge auf. An Zinsen und Co. möchte auch der Fiskus teilhaben, wenn sie den Sparerpauschbetrag übersteigen.

Miete und Pacht

Wer mit vermieteten Immobilien vorgesorgt hat, kassiert neben der Rente noch Miete. Steuerpflichtig ist aber nicht die gesamte Miete, sondern der Überschuss der Mieteinnahmen über die Werbungskosten.

Quelle

„Steuererklärung 2013/2014 Rentner, Pensionäre“, Stiftung Warentest, ISBN: 978-3-86851-349-3, 14,90 Euro.

Ein Jahr nach ihrem Einzug erkrankte sie an Demenz und fortschreitender Osteoporose. Die Pflegekasse sah die Voraussetzungen für Pflegestufe I erfüllt, da die Alltagskompetenz in erheblichem Maße gestört sei. In der Steuererklärung machte die Frau daher nicht nur Krankheitskosten, sondern auch die Aufwendungen für das Heim als außergewöhnliche Belastung geltend. Das Finanzamt lehnte dies ab mit der Begründung, dass die Krankheit erst mehr als ein Jahr später festgestellt worden sei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×