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09.09.2016

16:25 Uhr

Kostenloses Girokonto

Verbraucherschützer mahnen Postbank ab

Die Postbank kann ihre geplanten Kontoführungsgebühren möglicherweise nicht bei allen Kunden durchsetzen. Die Verbraucherzentrale droht mit einer Klage und bietet bereits Musterbriefe für den Widerspruch an.

Niedrigzinspolitik

Stiftung Finanztest: „Das kostenlose Girokonto stirbt langsam aus"

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BerlinDie Verbraucherzentrale Hamburg mahnte die Deutsche-Bank-Tochter ab, weil diese Tausenden Kunden ein dauerhaft kostenloses Girokonto zugesagt hatte, wie die Verbraucherschützer am Freitag mitteilten. In zahlreichen Verträgen, die die Postbank bei Kundengewinnungsaktionen geschlossen habe, sei davon die Rede, dass diese „dauerhaft und bedingungslos kein Entgelt“ zahlen müssten, erklärte Verbraucherschützerin Julia Rehberg. Trotzdem sollen sie von November an eine monatliche Kontoführungsgebühr von 3,90 Euro zahlen, wenn auf dem Girokonto weniger als 3000 Euro im Monat eingehen.

Die Verbraucherzentrale gab der Postbank bis 20. September Zeit, auf die Abmahnung zu reagieren und auf die Gebühren zu verzichten. Sonst drohe ihr eine Klage. Ein Postbank-Sprecher sagte, das Institut werde den Vorgang innerhalb der Frist prüfen. Von den Zusagen seien „kleinere Stückzahlen“ betroffen.

Das Logo der Postbank: Bei ihrer geplanten Neuordnung der Kontoführungsgebühren stößt die Tochter der Deutschen Bank auf Widerstand. dpa

Postbank

Das Logo der Postbank: Bei ihrer geplanten Neuordnung der Kontoführungsgebühren stößt die Tochter der Deutschen Bank auf Widerstand.

In einem Fall hatte die Postbank bereits eingelenkt: In einer Aktion mit dem Kaffeeröster Tchibo hatte sie 2008 mit der Zusage geworben: „Girokonto und Kreditkarte kostenlos: Für alle Zeiten – versprochen“. Die damit gewonnenen Kunden - laut Postbank eine kleine fünfstellige Zahl - könnten der Entgelt-Änderung widersprechen, sagte ein Sprecher.

Die Verbraucherschützer kritisierten auch das Vorgehen der Bank: Das Institut habe seinen Kunden erklärt, die Kontogebühr gelte als akzeptiert, wenn sie keinen Widerspruch einlegten. „Die Einführung eines Kontoführungsentgelts ist auf diese Art und Weise gar nicht möglich“, erklärte Rehberg. Die Verbraucherzentrale bietet einen Musterbrief, mit dem Postbank Kunden der Kontogebühr widersprechen können, an - für 90 Cent.

Diese Behörden schauen Ihnen ins Konto

Einleitung

2015 wurden in Deutschland 133.955 Kontoabrufverfahren in Deutschland durchgeführt. Dabei können diverse Behörden die Kontonummer, Name und Geburtsdatum des Kontoinhabers, Verfügungsberechtigungen sowie das Eröffnungs- und Schließungsdatum einsehen. Nachfolgend sind die Behörden aufsteigend aufgelistet, die im vergangenen Jahr die meisten Kontoabrufverfahren eingeleitet haben.

Bafin

2014: 370
2015: 1183

Zollbehörden

2014: 7.052
2015: 6.915

Finanzbehörden

2014: 14.020
2015: 13.003

Staatsanwaltschaften

2014: 26.495
2015: 25.851

Polizeibehörden

2014: 89.542
2015: 86.702

Die Postbank, einst Vorreiter bei kostenlosen Girokonten, hatte im August eine Kehrtwende vollzogen. „Wir müssen raus aus dieser Welt, in der Girokonten querfinanziert wurden“, sagte Postbank-Vorstandsmitglied Susanne Klöß damals. Die erwartete Abwanderung vieler der 5,3 Millionen Giro-Kunden sei bisher nicht eingetreten, sagte der Postbank-Sprecher. „Wir sind von der ausgewogenen Reaktion unserer Kunden überrascht.“ Zwar habe es Kündigungen gegeben, „wir verzeichnen aber durchaus ein ordentliches Neugeschäft“.

Von

rtr

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