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04.05.2015

12:06 Uhr

Krankheitskosten

Kein Steuerbonus für freiwillige Zahlungen

VonConstanze Elter

Für Privatversicherte kann es sich lohnen, nicht alle Kosten bei der Versicherung einzureichen. So bekommen sie eine Beitragserstattung. Wer diese Ausgaben steuerlich geltend machen will, hat aber schlechte Karten.

Krankheitskosten sind eine Belastung, aber nicht alles ist steuerlich absetzbar. dpa

Krankheitskosten

Krankheitskosten sind eine Belastung, aber nicht alles ist steuerlich absetzbar.

MünsterSich privat kranken zu versichern ist eine kostspielige Angelegenheit. Fast jährlich steigen die Beiträge; je nach Geschlecht und Krankheitsrisiko verteuert sich die individuelle Prämie noch einmal. Einige Versicherte versuchen ihre Kosten über eine Selbstbeteiligung niedrig zu halten, andere übernehmen Arztrechnungen, um Beiträge erstattet zu bekommen.

Ein Steuersparmodell ist jedoch beides nicht. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte das Finanzgericht Köln es abgelehnt, den Selbstbehalt eines Patienten als Sonderausgaben anzuerkennen. Nun entschied das Finanzgericht Münster, dass Krankheitskosten, die Versicherte selbst übernehmen, um eine Beitragsrückerstattung zu erhalten, steuerlich nicht als Sonderausgaben abzugsfähig sind (Az.: 5 K 149/14 E).

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Im zugrundeliegenden Fall hatte ein Ehepaar Beiträge zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung als Vorsorgeaufwendungen bei den Sonderausgaben geltend gemacht. Strittig war ein Betrag von gut 241 Euro. Hier hatten die Eheleute einen Teil einer Arztrechnung nicht der Krankenkasse vorgelegt, um später Beitragsprämien zurückzubekommen. Das Finanzgericht sah jedoch in diesen Kosten weder abzugsfähige Sonderausgaben noch außergewöhnliche Belastungen.

Die Richter argumentierten, dass diese Ausgaben keine klassischen Krankenversicherungsbeiträge seien.

Welche Gesundheitskosten sind absetzbar?

Außergewöhnliche Gesundheitskosten

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen Ausgaben, die zwangsläufig und existentiell notwendig sind. Viele solcher Kosten können Eltern bei der Steuer geltend machen. In der Regel muss ein Selbstbehalt als sogenannte zumutbare Belastung getragen werden. Nachfolgend einige Beispiele, welche Kosten im Bereich Gesundheit anerkannt werden - und welche nicht.

Diätverpflegung

Kosten nicht abzugsfähig; ausdrücklich gesetzlich ausgeschlossen.

Geburt

Kosten für Entbindung als Krankheitskosten abziehbar; nicht dagegen die Kosten der Erstausstattung für das Kind und Umstandskleid.

Krankheitskosten

Kosten für die Heilbehandlung sind immer abziehbar, sofern von Arzt oder Heilpraktiker indiziert (umfasst in schweren Fällen auch „nicht anerkannte“ alternative Methoden); Vorbeugung oder Erhalt der Gesundheit dagegen sind keine steuerlich relevanten Aufwendungen.

Kinderkuren

Kosten sind abzugsfähig, sofern die Reise nachweisbar der Linderung oder Heilung einer Krankheit dient (Abgrenzung zur bloßen Erholungsreise, etwa wenn Unterbringung im Hotel/Privatquartier statt Klinik).

Künstliche Befruchtung

Kosten sind abzugsfähig, sofern eine feste Partnerschaft besteht (auch bei Samen eines Dritten) und zuvor keine freiwillige Sterilisation des Partners erfolgte.

Legasthenie

Kosten sind als Krankheitskosten des Kindes abzugsfähig, aber die Anforderungen an den Nachweis hoch.

Psychotherapie

Kosten nach Ablauf der Bezuschussung der Krankenkasse sind nur dann zwangsläufig und abziehbar, wenn ein zuvor erstelltest amtsärztliches Attest die Notwendigkeit bestätigt.

Quelle

Die Beispiele stammen aus dem Buch „Steuervorteile mit Kindern - Leitfaden für Familien und Steuerberater“ (ISBN: 978-3-8349-4168-8) des Berliner Steuerberaters Markus Deutsch.

Zu den abzugsfähigen Beiträgen gehören demnach nur solche Kosten, die direkt im Zusammenhang damit stehen, Versicherungsschutz zu erlangen. Bereits die Selbstbeteiligung falle nicht unter eine solche Art von Ausgabe. Parallel dazu muss nach Auffassung des Senats das Gleiche für solche Kosten gelten, die Versicherte übernehmen, um eine Beitragsrückerstattung zu erhalten.

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