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25.07.2012

15:00 Uhr

Kreditkarten

Vorsicht beim Bezahlen im Internet

VonKatharina Schneider

Wer mit seiner Giro- oder Kreditkarte im Geschäft einkauft oder am Automaten Geld abhebt, wird immer seltener Opfer von Betrügereien. Sicherheitslücken gibt es allerdings noch bei Kartenzahlungen im Internet.

Die Zahl der Kartenbetrügereien geht zurück. dpa

Die Zahl der Kartenbetrügereien geht zurück.

DüsseldorfGute Nachrichten für Verbraucher, die mit Giro- oder Kreditkarten bezahlen: Die Betrugsfälle bei Kartenzahlungen gehen zurück. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Studie vergleicht die Entwicklung der Betrugsfälle in den 32 Ländern des einheitlichen europäischen Zahlungsraums (SEPA) zwischen 2007 und 2010. Dazu zählen neben den EU-Ländern auch Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und die Schweiz.

Zwar gab es 2010 im Vergleich zu 2007 etwa 0,7 Prozent mehr Betrugsfälle. Doch in den Jahren 2008 und 2009 waren die Fälle stark angestiegen. Insgesamt wurden im Jahr 2010 mit Kartenmissbrauch 1,26 Milliarden Euro ergaunert. Im Vergleich zu 2009 fiel die Zahl der Missbräuche 2010 jedoch mit einem Minus von 12,1 Prozent deutlich geringer aus. Insgesamt fielen jedoch 1,2 Prozent aller im Sepa-Raum ausgegebenen Karten Betrügereien zum Opfer.

Wann die EC-und Kreditkarten im Ausland nicht funktionieren

EC-Karte

Mit Maestro-Karten, die das Girokonto sofort belasten, können Bankkunden normalerweise weltweit zahlen oder Geld abheben. Besonders viele Vertragspartner und Geldautomaten stehen in Europa. Trotzdem funktionieren die Karten häufig nicht. Das kann mehrere Gründe haben. Vor Reiseantritt notieren sich Urlauber für alle Fälle Karten- und Kontonummer.

Auffällige Konto-Bewegungen

Bei jeder von einer EC-Karte ausgelösten Buchung läuft im Rechenzentrum der Banken eine Sicherheitssoftware mit, die Betrug frühzeitig erkennen und durch Kartensperren verhindern soll. Dabei kann es auch zu ungewollten Sperren kommen. Für Kunden ist es schwierig, sich darauf einzustellen. So zog ein Institut in Barcelona die Karte eines Studenten wegen auffälliger Bewegungen ein. Er hatte in kurzer Zeit zweimal hintereinander am selben Automaten Geld abgehoben.

Dispo-Auslandssperre

Postbank, Deutsche Bank sowie einige Volks- und Raiffeisenbanken haben die Möglichkeit zur Überziehung bei den EC-Karten fürs außereuropäische Ausland gesperrt. De facto gilt hier ein Null-Limit. Kunden können es auf Anfrage vor einer Reise heraufsetzen lassen. Wer das nicht tut, steht womöglich mit leeren Händen da. Nötig ist dazu ein Anruf in der Filiale.

Minus auf dem Konto

Ist das Konto im Minus, bewegt sich aber innerhalb des Verfügungsrahmens können Kunden im Inland problemlos Geld mit ihrer Karte ziehen. Im Ausland steht dieser Verfügungsrahmen bei manchen Banken plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Vor allem Länder außerhalb der Eurozone sind von dieser Regelung oft betroffen.

Technische Pannen

Neben Defekten an Chips oder Magnetstreifen ist ein weiterer Grund für das Nichtfunktionieren der Karten die Umstellung der Institute auf ein neues Bezahlsystem. So wird bei EC-Karten in Deutschland seit einigen Jahren mit dem Maestro-System bezahlt. Das ist ein Abbuchungsdienst vom Kreditkarten-Unternehmen MasterCard, das mittels Magnetstreifen funktioniert. Da Chipkarten als sicherer gelten, führen manche Institute so genanntes V-Pay ein, das Konkurrenz-Produkt von Visa. Vor allem die Postbank rüstet hier um. Wermutstropfen: Einkaufen mit der neuen Karte Glückssache. Denn längst nicht alle Händler haben umgerüstet. Und in beliebten Urlaubsländern wie den USA oder Ägypten funktioniert die Technik generell nicht.

Kreditkarten

Mit ihnen kann man grundsätzlich weltweit zahlen, solange Vertragspartner und Bankautomaten die jeweiligen Karten annehmen. Zum Geldabheben sind Kreditkarten allerdings meist teurer als EC-Karten. Zudem wird selten beim Bezahlen im Inland der PIN verlangt. Viele Kreditkartenbesitzer sollten sich ihre Geheimnummer daher vor dem Urlaub gut einprägen und sich vor Reiseantritt die Kartennummer notieren. Zudem sollten sie sicherstellen, dass die letzte Abrechnung bezahlt ist.

Auffällige Kontobewegungen

Auch bei Kreditkarten sind auffällige Kontenbewegungen und die Auslieferung von defekten Karten ein Thema. Bei auffälligen Käufen oder Abhebungen können Sicherheitsbeamte ohne Nachfrage die Bezahlfunktion abstellen.

Geldreservierungen

Manche Reiseveranstalter, Airlines und Hotels lassen bei einer Reservierung die entsprechende Summe oft im Voraus blocken. Dann ist der Rahmen schneller ausgereizt als gedacht.

Alternative I: Reiseschecks

Sie können vor Antritt der Reise gegen Gebühr in der entsprechenden Landeswährung gekauft werden. Zahlreiche Geldinstitute nehmen sie weltweit an. Vorteil: Die Schecks sind versichert und werden bei Verlust vor Ort binnen 24 Stunden ersetzt, sofern sich der Kunde als Käufer ausweisen kann.

Alterbnative II: Bargeld

Auch wenn es verpönt ist, Cash gehört in jede Urlaubskasse. In einigen Ländern gelten allerdings Obergrenze für die Einführung von Devisen.

Alternative III: Blitzüberweisung

Wenn alle Stricke reißen, das Portemonnaie futsch ist und Urlauber ohne Geld dastehen, besteht die Möglichkeit einer Blitzüberweisung. Der Finanzdienstleister Western Union bietet sie in Zusammenarbeit mit der Postbank und der Reisebank an. Auch MoneyGram ist hier in Kooperation mit den Sparkassen tätig. Damit kann binnen weniger Minuten Geld von einer Postfiliale an eine Auszahlstelle im Urlaubsland überwiesen werden. Wer nicht selbst Online-Kunde bei der Postbank ist, braucht eine Vertrauensperson, die während des Urlaubs in Deutschland ist und sich in eine Postfiliale begeben kann. Nach dem Ausfüllen eines Formulars informiert sie den Urlauber über die Auftragsnummer und teilt mit, wo er sich sein Geld auszahlen lassen kann. Der Empfänger sucht die Agentur auf und erhält mit der Auftragsnummer und der persönlichen Identifikation das Geld.

Den Rückgang schreiben die Autoren der Studie insbesondere der Einführung des EMV-Chips zu. Dieser neue Standard biete mehr Sicherheit als die konventionellen Magnetstreifen, denn den Chip könne man nicht so leicht kopieren wie die Magnetstreifen.

Diese Verbesserungen wirken sich allerdings nur auf die Betrugszahlen im Handel und an Bankautomaten aus. An Geldautomaten und im Handel waren 90 Prozent der Fälle auf den Einsatz von gefälschten oder gestohlenen Karten zurückzuführen. Werden die Kartendaten telefonisch oder über das Internet übermittelt - sind also nicht physisch im Einsatz - schützt auch die EMV-Technik nicht vor Gaunern. Inzwischen sind deshalb mehr als die Hälfte der Betrugsfälle auf solche Internet- oder Telefontransaktionen zurückzuführen. Und der Trend zeigt, dass solche Transaktionen künftig bei Betrügereien eine noch größere Rolle spielen werden.

Wie Kreditkartenarten funktionieren

Debit Card

Diese Karte ist vergleichbar mit einer EC-Karte. Bei der Zahlung wird sofort das Konto belastet.

Charge Card

Bei dieser Variante erfolgt die Abrechnung und Belastung der Ausgaben am Ende des Monats.

Credit Card

Echte Kreditkarten, wie sie etwa in den USA häufig verbreitet sind. Die Abrechnung der Belastungen erfolgt meist monatlich. Die Karten haben aber auch eine Kreditfunktion. Dann erfolgt die Rückzahlung in Raten oder in einem Einmalbetrag.

Prepaid Card

Wie beim Handy muss die Karte vorher aufgeladen werden. Solche Karten können für Reisen oder Kinder aus Sicherheitsgründen interessant sein.

Außerdem zeigte sich beim Vergleich der Kartentypen, dass es bei Kreditkarten vier Mal so viele Betrugsfälle gibt wie bei Debit-Karten – auch bekannt als Giro-Karten. Auch dies wird darauf zurückgeführt, dass Kreditkarten häufiger im Internet verwendet werden.

Eine Aufschlüsselung der Betrugsfälle nach einzelnen Ländern veröffentlicht die EZB nicht. Allerdings gab es in der Euro-Zone etwas weniger Betrugsfälle als im Sepa-Raum insgesamt. In den einzelnen Ländern hänge die Zahl der Betrugsfälle von der Kartennutzung ab. So gibt es große Unterschiede bei der Zahl der Karten pro Einwohner – sie liegt zwischen 0,6 und 2,6 – und der Anzahl der Zahlungen pro Jahr – zwischen 14 und 228 – und das Transaktionsvolumen zwischen 1.109 und 12.000 Euro pro Jahr.

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