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27.01.2014

13:58 Uhr

Kreditwürdigkeit

Schufa-Berechnungen vor dem BGH

Die Schufa speichert alle Finanzmerkmale von Verbrauchern – Kredite, Handyerträge oder unbezahlte Rechnungen. Bei neuen Geschäften steht diese Auskunft Verbrauchern plötzlich im Weg. Doch wie berechnet sich der Wert?

Die Schufa speichert Personendaten von Verbrauchern, aber auch deren Finanzmerkmale. dpa

Die Schufa speichert Personendaten von Verbrauchern, aber auch deren Finanzmerkmale.

KarlsruheFür so manchen Verbraucher ist es ein Schock: Haus-, Küchen- oder Autokauf per Kredit scheitern in letzter Minute, weil sie bei der Auskunftsdatei Schufa durchfallen und nicht als kreditwürdig gelten. Nun prüft der Bundesgerichtshof (BGH) auf die Klage einer verhinderten Autokäuferin am Dienstag, ob die Schufa ihre Formeln aufdecken muss, mit welchen sie das Zahlungsverhalten eines Verbrauchers einschätzt. Diese mathematisch-statistischen Verfahren (scoring) gelten als Betriebsgeheimnisse der Schufa und ähnlicher Organisationen.

Die Schufa speichert Personendaten von Verbrauchern, aber auch deren Finanzmerkmale, wie etwa die Anzahl der Konten, Kredite, Handyverträge, unbezahlte Rechnungen oder Insolvenzen. Die damit berechneten Score-Werte werden etwa an Banken oder Versandhändler verkauft. Die nutzen den Scoring-Wert dann, um vor Vertragsabschluss die Bonität eines Kunden einzustufen.

Im aktuellen Fall hatte die Klägerin nach dem gescheiterten Autokauf von der Schufa wissen wollen, warum sie als nicht ausreichend kreditwürdig eingestuft worden sei. Die Auskunft, die sie dann bekam, genügte ihr allerdings nicht: Sie will genau wissen, wie ihr Score-Wert berechnet wurde.

Den Vorinstanzen zufolge hat die Frau allerdings keinen Anspruch darauf, dass ihr der Einfluss jedes einzelnen zur Beurteilung herangezogenen Wertes erläutert wird. Begründung: Ansonsten würde die Berechnungsformel des Score-Wertes offengelegt. Doch an deren Geheimhaltung habe die Schufa ein „schutzwürdiges Interesse“.

Der BGH muss nun prüfen, wie weit die Auskunftspflicht der Schufa in solchen Fällen reicht. Rechtlicher Prüfmaßstab ist Paragraf 34 des Bundesdatenschutzgesetzes. Dort heißt es, dass Auskunftsdateien den Betroffenen „das Zustandekommen und die Bedeutung der Wahrscheinlichkeitswerte einzelfallbezogen und nachvollziehbar in allgemein verständlicher Form“ erläutern müssen.

Nach einem Bericht der Zeitschrift „Finanztest“ vom vergangenen Jahr sind viele der von der Schufa gespeicherten Daten unvollständig oder fehlerhaft. Bei einem Test der Zeitschrift erhielten nur elf von 89 Testpersonen komplette und korrekte Daten übermittelt.

Von

afp

Kommentare (6)

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zarakthuul

27.01.2014, 14:31 Uhr

Die Schufa ist maximal intransparent.
Vor einigen Jahren habe ich mal eine Marktanalyse machen wollen. Dazu fragte ich einige Banken nach ihren Kreditkonditionen und ließ einen Musterkredit durchrechnen. Als ich später das für mich günstigste Angebot in Anspruch nehmen wollte, da bekam ich zur Auskunft das mein Schufa-Wert sich ungünstig entwickelt hätte und daher die angebotenen Konditionen nicht mehr gelten würden. Also wurde richtiges Verhalten bestraft.
Gut, kein Problem, hab dann halt bar bezahlt. Wer aber darauf angewiesen ist, der hat dann ein Problem.

Account gelöscht!

27.01.2014, 15:36 Uhr

Wenn Sie Ihren Handyvertrag per Einschreiben mit Rückschein kündigen, von dem Handyprovider keine Bestätigung erhalten, mehrfach bei der Handyhotline anrufen, dort wegen totaler (vielleicht auch nur vorgetäuschter) Inkompetenz kein Gehör finden,werden Sie vielleicht auf die Idee kommen, den ungerechtfertigten Lastschrifteinzug bei Ihrer Bank zurückzufordern.
Machen Sie das bloß nicht, denn der Handyprovider wird der Schufa und anderen Auskunfteien sofort mitteilen, dass mit Ihrem Konto etwas nicht in Ordnung ist.
Bei größeren Krediten, etwa für Hauskauf, könnte das für Sie sehr teuer werden
Was ich hier beschreibe, ist kein Einzelfall. In den entsprechenden Internetforen finden Sie tausende ähnlicher Berichte.
Ich fürchte allerdings, dass dies den BGH kaum interessieren wird.

Libero

28.01.2014, 12:49 Uhr

@PisaPisa: richtig. Gerade bei Kündigungen im Telekommunikationsbereich werden "Racheaktionen" über die Schufa gefahren - ähnlich übrigens auch in Branchen wie der Gas- und Energieversorgung.

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