Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.08.2012

07:36 Uhr

Kundenbewertungen

Wie Forscher den Fälschern zu Leibe rücken

Die Wissenschaft tüftelt an neuen Systemen, um manipulierte Kundenmeinungen besser entlarven zu können. Die Ergebnisse zeigen: Strenge Kontrollen können sich für die Seitenbetreiber lohnen – wenn sie richtig suchen.

Interneteinkäufe werden immer beliebter. dpa

Interneteinkäufe werden immer beliebter.

DüsseldorfWer beim Online-Bekleidungsshop Zalando ein Produkt bewerten will, der hat es leicht. Ein Klick auf „Ihre Kundenmeinung hinzufügen“: Schon darf der Kunde Sterne verteilen und seine Meinung abgeben – kein lästiges Registrieren, keine Kaufbestätigung, noch nicht mal einen Namen muss er eintragen. Solch geringe Zugangshürden erleichtern es aber nicht nur echten Kunden, sondern auch den Fälschern. Das ergab eine Studie von drei Forschern der Cornell-University im US-Bundesstaat New York (http://www2012.wwwconference.org/proceedings/proceedings/p201.pdf).

Die Informatiker sind der Frage nachgegangen, wie groß der Einfluss von Bewertungsportalen auf die Häufigkeit von gefälschten Texten ist, die sie „Spam“ nennen. Dafür haben sie Online-Hotelbewertungen auf sechs verschiedenen Plattformen untersucht. Ihr Ergebnis: Es hängt vor allem von so genannten „Signalkosten“ ab, wie stark die Seiten von Fälschungen befallen sind. Haben die Betreiber also hohe Schutzwälle errichtet, erhöhen sie damit auch die Signalkosten für Spammer – die sich bei zu strengen Regularien abwenden.

E-Commerce in Zahlen

Der Handel

Im Jahr 2011 machte der elektronische Handel 14 Prozent am Gesamtumsatz der Unternehmen in der Europäischen Union aus. Das zeigen Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat. In Deutschland sind die Firmen mit einem Anteil von 17 Prozent überdurchschnittlich online-affin. Die Tschechische Republik liegt mit 25 Prozent an der Spitze.

Der Einkauf

Laut Studienergebnissen des IT-Verbands Bitkom kaufen bereits neun von zehn Internetnutzern Waren und Dienstleistungen im Internet ein. Demnach haben knapp 40 Prozent der User bereits Eintrittskarten für Theater, Konzerte oder Ähnliches online gekauft. Knapp darunter landet der Kauf von Flügen (38,2 %), gefolgt von Musik (36,6 %), Büchern (32,3 %) und Übernachtungen, z.B. im Hotel (30,4 %).

Online-Reisebüros

Mehr als fünf Millionen Bundesbürger buchen Reisen und Hotels grundsätzlich über die Websites der Anbieter, so Ergebnisse einer Bitkom-Erhebung. Besonders beliebt ist demnach das Buchen von Hotelzimmern und Übernachtungen, womit etwa 23 Millionen Deutsche bereits Erfahrungen gemacht haben.

Die Produktinformationen

Studienergebnisse des Verbands Bitkom bzw. der Statistikbehörde Eurostat zeigen, dass 70 Prozent der Deutschen Informationen über Waren und Dienstleistungen im Internet sammeln, bevor sie tatsächlich kaufen. Auch, wer Computer, Smartphones oder Flachbildfernseher im Internet ersteht, informiert sich oft bereits dort über Preise und Qualität der Produkte. Mehr als 90 Prozent der Internetnutzer suchen laut weiteren Umfrageergebnissen von Bitkom online nach entsprechenden Informationen, meist direkt bei den Shops. Mit 62 Prozent ist der Fachhandel bei der Kaufberatung deutlich abgeschlagen.

Die Bewertungen

Jeder zweite Internetnutzer schaut sich Bewertungen anderer Kunden vor dem Kauf an, zeigen Daten von Bitkom. Eine direkte Auswirkung auf die Kaufentscheidung haben die Nutzerkommentare demnach bei jedem Dritten. Eigene Bewertungen zu Produkten und Dienstleistungen schreibt rund ein Fünftel der Internetnutzer.

Daraus folgt: Gibt sich ein Portal Mühe mit dem Prüfen von Kundenmeinungen auf Echtheit, dann nimmt die Zahl von Fälschungen stark ab. Verlangt der Online-Händler beispielsweise einen Kaufbeleg, müsste ein Betrüger das Produkt erst erwerben und wieder reklamieren, um ohne Zusatzkosten bewerten zu dürfen. Demgegenüber führen geringe Zugangshürden zwar zu vielen Bewertungen, sind aber auch eine Eintrittskarte für Spammer.

Auf Masse sollten sich Nutzer also nicht verlassen, wenn sie vor dem Kauf andere Kundenmeinungen zu Rate ziehen. Zuverlässiger sind laut der Studie strengere Systeme, die dafür womöglich aber weniger Bewertungen liefern.

Auch bei dem Erkennen von Spam verzeichnen die Cornell-Forscher Fortschritte. Nach Angaben der Wissenschaftler haben sie in einer anderen Studie eine Software getestet, die in fast 90 Prozent der Fälle korrekt zwischen echten und falschen Kundenmeinungen unterschieden hat.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

02.08.2012, 08:16 Uhr

"Haben die Betreiber also hohe Schutzwälle errichtet, erhöhen sie damit auch die Signalkosten für Spammer – die sich bei zu strengen Regularien abwenden."
Also irgendwie wäre ich da nun wirklich nicht drauf gekommen ...
Man kann es technisch noch so gut machen, es wird immer eine neue techische Finesse dazu erfunden, die genau das aushebelt.
Das einzige was wirklich hilft, ist Kommentarfunktion für Nicht-Mitglieder abschalten, und jede Bewertung persönlich durch z. B. telefonischen Kontakt verifizieren.
Damit könnte man sich in mancher Sparte auch andere Finanzierungsmodelle für solche Portale erschließen.

Account gelöscht!

02.08.2012, 08:52 Uhr

Aber wer hat schon Zeit und Nerv da extra anzurufen? Wenn ich zB auf Am*zon etwas bewerten möchte tue cih das doch, weil cih gerade etwas Zeit ahbe und anderen etwas gutes tun möchte. Da will ich doch keine Tel. Kosten zahlen!

Vlt ein bonussystem dazu einführen. Wenn man bestellte Artikel (abglecih mi Kundendaten) bewertet (telefonisch)

Account gelöscht!

02.08.2012, 09:05 Uhr

"Vlt ein bonussystem dazu einführen. Wenn man bestellte Artikel (abglecih mi Kundendaten) bewertet (telefonisch) "
Ja, wäre auch eine gute Möglichkeit, hilft aber bei den vielen, ach so nützlichen, Affiliate-Seiten nichts.
Kundenbewertungen, also echte Kunden, die was gekauft haben, wie man das auch immer bewerkstelligt, sehe ich als einzige Möglichkeit etwas mehr Ehrlichkeit ins Ganze zu bringen.
Aber selbst die größte Monopolsuchmaschine verzweifelt an den "Optimierungen" um die besten Plätze im Index.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×