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28.12.2012

09:37 Uhr

Lästige Pflicht

Jetzt noch die Lohnsteuerkarte prüfen

Arbeitnehmer sollten ihre Lohn- und Gehaltsabrechnungen im kommenden Jahr genau prüfen. Durch die elektronische Lohnsteuerkarte könnten sich Fehler einschleichen. Auch lukrative Falschberechnungen müssen gemeldet werden.

Die letzte Lohnsteuerkarte auf Papier gilt seit 2010. dapd

Die letzte Lohnsteuerkarte auf Papier gilt seit 2010.

Berlin/DüsseldorfAuch wenn es zwischen Gänsebraten und Neujahrsböllern Schöneres gibt: Bis zum Jahresende sollten Millionen Arbeitnehmer noch ihre Lohnsteuerdaten prüfen. Wer sich nicht kümmert, riskiert, dass seine Abzüge falsch sind und das Nettogehalt im Januar gleich mal um ein paar Hundert Euro niedriger ausfällt.

"Das wird einen Aufschrei und dann Massenandrang in den Finanzämtern geben, wenn die Abrechnung millionenfach nicht stimmt", befürchtet der Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine (BdL), Erich Nöll. Dass möglichst viel Netto auf dem Konto landet, ist besonders wichtig, wenn etwa Arbeitslosen-, Insolvenz-, Kurzarbeiter-, Kranken- oder Elterngeld ansteht. Sonst gibt es weniger Unterstützung.

Am ersten Januar soll es endlich soweit sein, die neue Lohnsteuerkarte kommt – mit zwei Jahren Verspätung. Denn eigentlich sollte das elektronische Verfahren schon zum Jahresanfang 2011 starten. Damals wurde es aber wegen technischer Probleme verschoben und aus dem gleichen Grund fiel die Einführung auch in diesem Jahr ins Wasser.

Das Wichtigste zu den ElStAM

Welche Daten werden gespeichert?

Das Bundeszentralamt für Steuern speichert die Steuerklasse, die Anzahl der Kinderfreibeträge sowie sonstige Freibeträge und die Religionszugehörigkeit. Außerdem: die melderechtlichen Daten wie Heirat, Geburt eine Kindes sowie Kircheneintritt oder -austritt, die wie bisher von den Gemeinden an die Finanzverwaltung übermittelt werden.

Wie ändere ich mich meine ELStAM?

Um die elektronisch gespeicherten Merkmale zu ändern, müssen Arbeitnehmer einen Antrag bei ihrem Finanzamt stellen.

Wer darf die ELStAM abrufen?

Nur der Hauptarbeitgeber kann alle Angaben abrufen. So genannte Nebenarbeitgeber können nur einen Teil der Informationen sehen: Steuerklasse VI, Religionszugehörigkeit und gegebenenfalls einen Freibetrag.

Welche Kontrollmöglichkeiten haben Arbeitnehmer?

Der Arbeitnehmer kann unter www.elsteronline.de (Rubrik: Arbeitnehmer) jederzeit einsehen, welche Daten über ihn gespeichert sind und welche Arbeitgeber diese in den vergangenen zwei Jahren abgerufen haben.

Kann ich den Zugang beschränken?

Der Arbeitnehmer kann selbst bestimmen, welche Arbeitgeber die Daten abrufen dürfen. Dafür wird es drei Listen geben: Positivliste, Teilsperrung und Vollsperrung.

Was macht ein Arbeitgeber ohne Zugang?

Kann er die Daten nicht einsehen, muss ein Arbeitgeber die Lohnsteuer gemäß Steuerklasse VI abführen.

Wo finde ich die verwendeten Daten?

Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer einen Ausdruck der Lohnabrechnung mit den übermittelten ELStAM aushändigen.

Wie erfahren Arbeitgeber von Datenänderungen?

Wenn sich die Lohnsteuerabzugsmerkmale des Steuerzahlers ändern, kommen Arbeitgeber eine Nachricht, dass sie die ElStAM neu abrufen müssen.

2013 sollte eigentlich alles funktionieren. Völlig problemlos dürfte es aber nach Ansicht der Deutschen Steuergewerkschaft (DSTG) nicht ablaufen: Hunderttausenden Arbeitnehmern drohen im neuen Jahr fehlerhafte Lohn- und Gehaltsabrechnungen, so die Befürchtung. „Die Probeläufe in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Datenqualität nicht hundertprozentig ist“, sagte DSTG-Vorsitzender Thomas Eigenthaler. In „rund fünf Prozent“ der Fälle seien Daten von Arbeitnehmern bei der Finanzverwaltung falsch gewesen. Und auf diese Daten greifen die Lohnbüros von Firmen zu.

Typische Fehler: Arbeitnehmer wurden einer Religion zugeordnet, obwohl diese schon seit längerem aus der Kirche ausgetreten waren, oder bereits verheiratete Personen in der Datenbank noch als ledig vermerkt. Die Finanzverwaltung bekommt diese Daten von anderen Behörden wie Standesämtern zugeliefert. „Wenn diese Daten nicht richtig sind, kann es zu falschen Lohnabrechnungen kommen“, sagte Eigenthaler.

Ab Januar könnten die fehlerhaften Daten in „hunderttausenden von Fällen republikweit“ zu falschen Lohnabrechnungen führen, fürchtet DSTG-Chef Eigenthaler. Die Finanzämter treffe in der Sache aber keine Schuld. Mit der Umstellung auf die elektronische Lohnsteuerkarte hätten die Finanzämter Aufgaben von den Kommunen „ohne Personalausgleich“ übertragen bekommen. Davon sei die Finanzverwaltung "nicht begeistert" gewesen, so Eigenthaler.

Kommentare (2)

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HSLA

17.12.2012, 17:42 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Shut-up

17.12.2012, 19:14 Uhr

Wieder so ein Projekt verdeutschen Beamten-Stümper....

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