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24.02.2011

17:35 Uhr

Lohnsteuer

Finanzämter korrigieren fehlerhafte Bescheide

VonKirsten Krumrey

Nach einigem Hin und Her räumt das Finanzministerium Hürden bei der aktuellen Lohnsteuerbescheinigung beiseite. Durch einen Fehler hatten sogar Steuer-Nachzahlungen gedroht.

Formular für eine Einkommensteuererklärung. Quelle: dpa

Formular für eine Einkommensteuererklärung.

DüsseldorfIn den Personalabteilungen deutscher Unternehmen wurde in den vergangenen Wochen mächtig geschwitzt. Die Drähte zwischen Personalern und Mitarbeitern liefen heiß. Aufgrund eines Missverständnisses zwischen Bundesfinanzministerium und mehreren Anbietern von Lohnabrechungs-Software wie SAP und Datev haben Arbeitgeber zahllose fehlerhafte Lohnsteuerbescheinigungen an ihre Mitarbeiter verschickt. Betroffen sind vor allem die, die trotz ihres hohen Einkommens freiwillig in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen.

Im Kern geht es um lediglich drei Felder in der Lohnsteuerbescheinigung, die Zeilen 24 bis 26. Hier sollen für freiwillig gesetzlich Krankenversicherte die "gesamten Arbeitnehmer-Beiträge" aufgeführt werden. Das Finanzministerium meinte damit sämtliche Beiträge, inklusive Arbeitgeber-Zuschüsse - so wie es im fünften Sozialgesetzbuch definiert ist. Die Software-Anbieter hingegen gingen nur von den Arbeitnehmer-Beiträgen aus und programmierten entsprechend.

Das Ergebnis: In der Steuererklärung wurden die Zuschüsse der Chefs von den Beiträgen der Mitarbeiter abgezogen. Für die hat das gravierende Folgen. "Betroffene bekommen entweder zu wenig Steuern zurück oder müssen sogar nachzahlen", sagt Claudia Specht vom Software-Anbieter Datev. Unter dem Strich kann das zu Einbußen von mehr als 1.000 Euro führen.

Inzwischen ist das Problem erkannt - und es gibt auch einen ersten Lösungsversuch. Sah es zunächst so aus, als müssten Arbeitgeber ihren betroffenen Mitarbeitern neue Bescheinigungen mit den korrekten Angaben schicken und diese auch an die Finanzämter übermitteln. "Das ist nun nicht mehr erforderlich", sagt Tobias Romeis vom Bundesfinanzministerium. Die Bescheinigungen würden nun maschinell im Finanzamt erkannt und die korrekten Beiträge verwendet. So hofft die Behörde, den Unternehmen Verwaltungsaufwand, Zeit und Kosten zu ersparen.

Freiwillig gesetzlich Krankenversicherte sollten trotzdem auf Nummer sicher gehen und auf jeden Fall die Zeilen 24 bis 26 in ihren Lohnsteuerbescheinigungen prüfen. Als Richtwert gilt: Bei richtig ausgefüllten Erklärungen muss der Arbeitnehmeranteil mehr als doppelt so hoch ausfallen wie der Arbeitgeberzuschuss.

In der Beispieltabelle können dann fast 4000 Euro von der Steuer absetzen. Sie ergeben sich aus den Arbeitnehmerbeiträgen zur Krankenversicherung (3555 Euro) und zur Pflegeversicherung (438,84 Euro).

Gesamtbeitrag

Nur AN-Anteil ausgewiesen

Zeile 25 AN-Beitrag KV

6.7053.555

Zeile 26 AN-Beitrag PV

877,56438,84

Zeile 24 AG-Zuschüsse KV/PV

- 3.588,72

-3.588,72

Abzugsfähiger Vorsorgeaufwand

= 3993,84

= 405,12

Quelle: Eigene Berechnung und Datev.

Im falschen Fall steht in den Zeilen 25 und 26 nur der Beitrag, den der Arbeitnehmer selbst an Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt hat. Dann bleiben nur noch gut 400 Euro übrig, die abzugsfähig sind. Korrekt wäre es gewesen, hier den Gesamtbeitrag, also die Leistungen von Arbeitnehmer und die Zuschüsse des Arbeitgebers, einzutragen. Das korrigieren die Finanzämter jetzt offiziell automatisch.

Alternativ können Arbeitnehmer aber auch selbst die Werte für die Steuererklärung anpassen. In der Anlage Vorsorgeaufwand wird der Arbeitgeberzuschuss aus Zeile 24 der Lohnsteuerbescheinigung dann nicht eingetragen, Zeile 37 bleibt leer. Dann wird der Zuschuss des Chefs auch nicht mehr von den Zahlungen der Arbeitnehmer abgezogen. So ergibt sich der insgesamt richtige Aufwand, im Beispiel die 3993,84 Euro.

Ganz richtig wäre es gewesen, den Gesamtbeitrag zu nennen und davon dann die Arbeitgeber-Zuschüsse abzuziehen. In beiden Fällen kommt am Ende der reine Arbeitnehmer-Beitrag raus. Klingt kompliziert, muss aber so gemacht werden. Denn freiwillig gesetzlich Versicherte sind, anders als andere Angestellte, allein für ihre Krankenkassenbeiträge verantwortlich.

Die Begeisterung der Software-Anbieter hält sich in Grenzen. "Eine sinnvolle Entscheidung", sagt Claudia Specht, "aber sie hätte schon vor zwei Wochen so ausfallen können." Für Betroffene gilt: am Ende ihren Steuerbescheid noch mal gründlich prüfen, rät Tobias Romeis. Auch wenn maschinell alles korrekt erfasst werden soll - sicher ist sicher.  

Kommentare (1)

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mail@stb-rademacher.de

02.03.2011, 16:34 Uhr

Ich habe als Steuerberaterin den gleichen Fehler auch in den Lohnsteuerbescheinigungen 2009 festgestellt... die Unternehmen allerdings müssen noch überzeugt werden, dass auch 2009 analog 2010 falsch gelaufen ist.
Die Finanzämter übernehmen für 2009 nur die elektr. übermittelten Daten, der Steuerpflichtige hat das Nachsehen!
Also Achtung... auch für 2009 !!! Prüfen Sie Ihre elektr. Bescheinigungen auch hier und fordern Sie den Arbeitgeber und das Finanzamt zur Korrektur auf.

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