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22.04.2014

19:43 Uhr

Lohnzuschläge, Steuervorteile

Ostern zahlt sich aus

VonJulia Rotenberger

Lohnzuschläge sind ein schwieriges Thema. Nicht jeder Feiertag bringt Anspruch auf Extrageld. Wo es für die Arbeitnehmer am meisten zu holen gibt und was Angestellte, die Ostern im Büro verbrachten erwarten können.

Nicht nur Schokohasenhersteller hatten an Ostern viel zu tun: Tausende Menschen haben auch in diesem Jahr dann gearbeitet, wenn andere frei hatten. Dafür gibt es bis zu 50 Prozent Zuschlag auf ihren normalen Lohn. dpa

Nicht nur Schokohasenhersteller hatten an Ostern viel zu tun: Tausende Menschen haben auch in diesem Jahr dann gearbeitet, wenn andere frei hatten. Dafür gibt es bis zu 50 Prozent Zuschlag auf ihren normalen Lohn.

DüsseldorfAngestellte, die in diesem Jahr den Karfreitag auf der Arbeit verbrachte, können sich über einen Zuverdienst freuen. Wer am Ostersonntag im Büro schwitzte, nicht unbedingt. Das liegt an den unterschiedlichen Regeln, die für Lohnzuschläge gelten. Und sie betreffen immerhin mit rund 6,5 Millionen Menschen ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland.

So viele arbeiten laut der aktuellen Mikrozensus-Befragung des Statistischen Bundesamtes an Sonn- und Feiertagen. Rund 800.000 Menschen gaben an, ständig zu dieser Zeit zu arbeiten. 2,36 Millionen sagen, sie würden das regelmäßig tun und weitere 3,4 Millionen arbeiten gelegentlich, wenn andere frei haben.

Wichtige Urlaubsregeln

Geld statt Urlaub: Geht das?

Normalerweise nicht. In den allermeisten Fällen gilt: Wer seinen Urlaub nicht fristgerecht verbraucht, hat Pech gehabt und kann von seinem Chef auch keine Abgeltung verlangen. Eine Ausnahme gilt nur, wenn das Arbeitsverhältnis endet, bevor der Angestellte noch ausstehenden Urlaub vollständig nehmen konnte. Dabei ist allerdings zu beachten: Während der Kündigungsfrist muss der Mitarbeiter den restlichen Urlaub auf Weisung des Arbeitgebers möglichst umfassend abfeiern. Nur wenn die Zeit nicht reicht, um alle verbleibenden Ferientage abzubauen, ist der Arbeitgeber verpflichtet, nicht verbrauchten Urlaub auszuzahlen.

Krank in den Ferien: Was ist zu tun?

Wer mit einem ärztlichem Attest belegen kann, dass er in seinen Ferien das Bett hüten musste, muss nicht um seine freien Tage bangen. Grund: Er hat in der Zeit seiner Krankheit einen Anspruch auf Lohnfortzahlung und darf die entfallene Urlaubszeit später nachholen. Eine Frist für die Vorlage des Attests beim Chef gibt es zwar nicht. Um Ärger zu vermeiden, raten Experten aber, möglichst zeitnah zu agieren.

Urlaub in der Probezeit: Erlaubt oder verboten?

Die meisten Arbeitnehmer müssen, wenn sie einen neuen Job antreten, erst einmal ihr Können unter Beweis stellen und eine sechsmonatige Probezeit durchlaufen. In dieser Bewährungsphase gilt in der Regel auch eine - mehr oder minder strikte - Urlaubssperre. In der Praxis ist es allerdings durchaus üblich, auch neuen Mitarbeitern im ersten halben Beschäftigungsjahr den einen oder anderen freien Tag zu gewähren. Einen generellen Anspruch auf dieses Entgegenkommen des Unternehmens haben die Betroffenen aber nicht.

Abbruch der Reise: Kann der Chef das verlangen?

Nein – und zwar selbst dann nicht, wenn der Arbeitsvertrag die Möglichkeit einer solchen Rückrufaktion ausdrücklich vorsieht (BAG, Az.: 9 AZR 404/99). Wer, weil er seine Karriere nicht gefährden möchte, dennoch die Ferien abbricht, kann zumindest verlangen, dass der Arbeitgeber die Rückreisekosten übernimmt.

Termine: Darf die Firma die Urlaubsplanung übernehmen?

Ja und nein. Einerseits sind Arbeitgeber zwar angehalten, die Wünsche der Mitarbeiter so gut es geht zu berücksichtigen. Andererseits ist das nicht in jedem Team – und auch nicht in jedem Betrieb ohne Weiteres möglich. Gerade in saisonabhängigen Branchen, etwa der Hotellerie, ist es durchaus üblich, den Laden in umsatzschwachen Zeiten zuzusperren und Betriebsferien anzuordnen. Selbst wenn deren Lage nicht mit den Wunschvorstellungen jedes einzelnen Mitarbeiters übereinstimmt, muss die Belegschaft ihren Urlaub doch in dieser Zeit abfeiern.

Für die meisten dürfte sich der zusätzliche Gang ins Büro lohnen – schließlich müssen die Arbeitgeber für Feiertagsarbeit Lohnzuschläge zahlen. Wie hoch diese ausfallen, hängt von Bestimmungen im Tarif- und Arbeitsvertrag des Beschäftigten ab, üblich sind zwischen 25 und 50 Prozent zusätzlich, in manchen Branchen gibt es deutlich mehr.

So sollen Arbeitnehmer dafür entschädigt werden, dass sie dann arbeiten müssen, wenn alle anderen frei haben. Wichtig ist jedoch: „Es muss sich dabei auch um einen gesetzlichen Feiertag handeln“, sagt der Berliner Anwalt für Arbeitsrecht Christoph Abeln. Ein ausschließlich kirchlicher Feiertag reiche nicht aus. „Deswegen gibt es nur an Karfreitag und Ostermontag den Feiertagszuschlag, während am Ostersonntag der geringere Sonntagszuschlag gezahlt wird“, so Abeln. Schließlich sind Ostermontag und Karfreitag gesetzliche, Ostersonntag dagegen ein kirchlicher Feiertag.

Was als gesetzlicher und was als ein kirchlicher Feiertag gilt, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Während der Buß- und Bettag in Sachsen per Gesetz ein Feiertag ist, wird im Rest des Landes nicht gefeiert. Sogar innerhalb eines einzigen Bundeslandes gibt es Unterschiede: Mariä Himmelfahrt zum Beispiel ist in Bayern nur in den überwiegend katholischen Gemeinden ein gesetzlicher Feiertag. So kann das sein, dass ein Münchner Ansprüche auf Zuschläge hat, während im evangelischen Nürnberg ganz normaler Arbeitstag ist.

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