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15.02.2011

16:21 Uhr

Massiver Widerstand

Banken droht Ärger wegen Abzocke bei Dispozinsen

Wenn Kunden ihren Dispo überziehen, halten Banken die Hand auf. Mehr als zehn Prozent Zinsen sind üblich. Verbraucherschützer sehen hierin "Abzocke". Auch die Bundesregierung will sich die Banken vorknüpfen.

Verbraucherschützer Gerd Billen: "Willkür bei der Zinsgestaltung." Quelle: dpa

Verbraucherschützer Gerd Billen: "Willkür bei der Zinsgestaltung."

Berlin/FrankfurtDeutschen Banken droht wegen hoher Überziehungszinsen juristischer Ärger. Verbraucherschützer mahnten zehn Institute ab und forderten sie damit auf, die Zinsen zu senken. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) sprach am Dienstag von einer "unverschämten" Abzocke der Bankkunden. Der durchschnittliche Überziehungszins betrage trotz der niedrigen Marktzinsen elf Prozent, die Spitzen lägen bei 15 Prozent. Konkrete Namen von Geldhäusern wurden nicht genannt.

Unterstützung kommt vom Bundesverbraucherministerium. Bankkunden hätten einen Anspruch auf Transparenz, erklärt ein Sprecher auf Handelsblatt-Anfrage. Für die Verbraucher müsse von vornherein klar sein, wann und in welchem Umfang Zinssätze geändert werden. "Verbraucher werden bei Dispo-Krediten zu oft durch überhöhte Zinsen benachteiligt, stellt das Bundesverbraucherministerium fest. Spitzenzinssätze von 15 Prozent oder darüber seien angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase eindeutig zu hoch. Banken dürften nicht einerseits die Vorteile erheblicher Zinssenkungen der Zentralbank einkassieren, andererseits aber ihre Kunden mit überzogenen Zinssätzen belasten. Zinssenkungen müssten an die Kunden weitergegeben werden.

Das Bundesverbraucherministerium werde mit einer ausführlichen Untersuchung, die bis Ende des Jahres vorliegen soll, das Zinsanpassungsverhalten der Banken und ihre Zinsanpassungsklauseln überprüfen.

Die Spitzenverbände der Finanzbranche wiesen die bereits vor Monaten erstmals erhobenen Vorwürfe zurück. Der Zentrale Kreditausschuss verwies auf Daten der Bundesbank, wonach die Dispozinsen in den vergangenen beiden Jahren um zwei Prozentpunkte auf unter zehn Prozent gesunken sein sollen. Die Verbände betonen, dass Dispokredite üblicherweise nur kurzzeitig genutzt werden. "Überziehungskredite sind nur als Überbrückung für kurze Zeit gedacht", erklärte der ZKA. Längerfristige Finanzierungen gebe es zu deutlich günstigeren Konditionen.

Mit der Abmahnung werden die Institute zur Unterlassung ihrer Zinspolitik aufgefordert - zunächst ohne Einschaltung eines Gerichts. Die Verbraucherschützer kritisieren besonders die sogenannten Anpassungsklauseln, mit denen die Institute die Zinsen nach eigenem Ermessen ändern könnten. Die Banken verlangten von ihren Kunden hohe Zinssätze, während sie selbst für Kredite kaum Zinsen zahlen müssten.

"Die Zinshöhe ist das eine Ärgernis, die Willkür bei der Zinsgestaltung das andere", erklärte VZBV-Vorstand Gerd Billen. Die Verbraucherschützer bekräftigten ihre Forderung nach einer gesetzlichen Deckelung der Marge von Überziehungs- und Refinanzierungszinsen.

Einen ähnlichen Streit lieferten sich die Verbraucherzentralen im vergangenen Jahr mit den Banken wegen hoher Gebühren an Geldautomaten. Auch das Kartellamt schaltete sich ein. Zumindest die Privatbanken deckelten die Entgelte danach auf 1,95 Euro. Sparkassen und Volksbanken zeigen die Gebühren beim Abheben an fremden Automaten direkt an.

Kommentare (2)

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Abzocke

24.05.2011, 12:38 Uhr

Hoffentlich bekommen die Bankengauner mal richtig Angst!
Ich meine 200 % Aufschlag auf derzeit 1% Zins der EB
oder 100 % Aufschlag auf Sparzinsen = ~ 3-4% Zinsen müssen reichen
Dispokredit mit 5 % ist das Maximum

Bernie

24.05.2011, 15:40 Uhr

Von wegen 10%. Die Commerzbank lag zuletzt bei 17% Dispozins. Da ist sogar die Mafia noch günstiger...

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