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27.05.2014

10:54 Uhr

Messenger-Dienst

WhatsApp-AGB sind ungültig

VonKatharina Schneider

Wer mit deutschen Verbrauchern einen Vertrag schließt, muss auch das Kleingedruckte auf Deutsch veröffentlichen – das gilt auch für WhatsApp. Dank eines Urteils ist nun das komplette Regelwerk ungültig.

Messenger-Dienst WhatsApp: Schlappe vor dem Berliner Landgericht. Reuters

Messenger-Dienst WhatsApp: Schlappe vor dem Berliner Landgericht.

DüsseldorfMit seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen stößt WhatsApp bei Datenschützern schon lange auf Kritik. Der Grund: Die Nutzer des Messenger-Dienstes müssen zustimmen, dass WhatsApp alle Inhalte, Bilder und ähnliches aus den Statusmeldungen weiterverbreiten kann. Wie weit diese Verbreitung tatsächlich geht und ob Nutzer gar befürchten müssen, ihre Fotos auf Werbeplakaten wiederzufinden, weiß niemand so genau.

Doch Verbraucherschützer üben nicht nur inhaltliche Kritik, sondern stören sich auch an der Form der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Denn das Kleingedruckte, die Terms of Service, werden nur in englischer Sprache veröffentlicht. Dagegen hat der Verbraucherzentrale Bundeverband (vzbv) geklagt – und vor dem Landgericht Berlin jetzt auch Recht bekommen (Az.: 15 O 44/13). Noch ist das Urteil aber nicht rechtskräftig.

Die WhatsApp-Alternativen

Marktführer mit Image-Problem

Whatsapp ist in Deutschland und vielen anderen Ländern uneingeschränkter Marktführer in Sachen Instant Messaging. Trotzdem steht der Dienst, den Facebook gekauft hat, immer wieder in der Kritik: Zum einen wegen verschiedener Datenpannen, zum anderen wegen der Übernahme.

Herausforderer aus Japan...

In Japan ist der Dienst Line sehr beliebt, weltweit hat er rund 470 Millionen Nutzer. Die Anwendung ist kostenlos, Geld verdienen die Betreiber mit Werbung sowie dem Verkauf von Spielen und virtuellen Stickern.

... und auch aus China

Das chinesische Pendant von Whatsapp heißt Wechat. Die App hat mittlerweile auch außerhalb des Landes zahlreiche Nutzer gewonnen, im Mai 2014 waren es mehr als 800 Millionen. Ähnlich wie Line schaltet auch Wechat Werbung und verkauft virtuelle Sticker. In der Kritik ist die App, weil sie angeblich auf Geheiß der chinesischen Regierung bestimmte Inhalte ausfiltert.

Skype ist noch im Rennen

Skype, inzwischen eine Tochterfirma von Microsoft, hat eine treue Nutzergemeinde. Der Dienst bietet neben Videotelefonaten ebenfalls Chats an, die auch auf dem Smartphone funktionieren – damit steht er ebenfalls in Konkurrenz zu WhatsApp. Nach eigenen Angaben nutzen Skype mehrere Hundert Millionen Menschen, 2013 waren es bereits rund 300 Millionen.

Viber steigt ins Rennen ein

In Deutschland wenig bekannt ist Viber – trotzdem ist der Dienst aus Zypern viel wert: Das japanische Unternehmen Rakuten kaufte ihn im Februar 2014 samt der damals 300 Millionen Nutzer für 900 Millionen Dollar. Mit der App können Nutzer nicht nur chatten, sondern auch telefonieren.

Apps mit mehr Datenschutz

Einige App-Anbieter wollen mit Datenschutz punkten. Neben Threema zählt dazu auch der Chat-Dienst Telegram. Beide verschlüsseln den Datenverkehr auf dem gesamten Weg. Verbraucherschützer kommen allerdings zu einem durchwachsenen Fazit: Während die Stiftung Warentest Threema gute Noten gibt, sieht sie bei Telegram Schwächen, etwa ein fehlendes Impressum und die automatische Übernahme aller Adressbucheinträge.


„Viele deutsche Verbraucher sprechen zwar gutes Englisch, aber das heißt noch lange nicht, dass sie auch die englische Rechtssprache verstehen“, sagt Bianca Skutnik, Rechtsexpertin beim vzbv, gegenüber Handelsblatt Online. Es sei den Verbrauchern deshalb nicht zumutbar, die Vertragsbedingungen nur in Englisch zu veröffentlichen. Der Dienst werde in deutscher Sprache beworben, deshalb müsse auch der Nutzungsvertrag auf Deutsch verfasst werden.

Doch damit nicht genug, auch beim Verfassen des Impressums hat WhatsApp nicht die nötige Sorgfalt walten lassen. „Es fehlen essenzielle Angaben“, sagt Skutnik. „Angegeben wurde weder die Postanschrift noch ein zweiter Kommunikationsweg neben der E-Mail-Adresse, auch fehlten der Vertretungsberechtigte des Unternehmens und das öffentliche Register, in welches das Unternehmen eingetragen ist.“ Das Landgericht hielt diese Anbieterangaben für unzureichend und gab damit der Klage des vzbv statt.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

27.05.2014, 11:13 Uhr

"what´s" WER?

Account gelöscht!

27.05.2014, 11:19 Uhr

Wer noch Whats App nutzt, ist eh damit einverstanden, dass seine gesamte Kommunikation (inkl. der schlüpfrigen Fotos seiner Freundin) gespeichert wird.

Ich nutzt nur noch das hoch-verschlüsselte Threema (kostet 1,60 €) und meine Freundin freut sich über ihre Privatsphäre ;-)

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