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18.09.2012

07:01 Uhr

Michael Schuhen

„Jugendliche müssen Brutto und Netto unterscheiden können“

VonKatharina Schneider

Im Interview erklärt der Geschäftsführer des Zentrums für ökonomische Bildung an der Uni Siegen, warum wir flächendeckend ökonomischen Unterricht brauchen und wie Lehrer praktisches Finanzwissen vermitteln können.

Michael Schuhen ist Geschäftsführer des Zentrums für ökonomische Bildung an der Uni Siegen.

Michael Schuhen ist Geschäftsführer des Zentrums für ökonomische Bildung an der Uni Siegen.

Herr Schuhen, deutsche Jugendliche scheinen keine Ahnung von Wirtschaft zu haben, müssen die Schulen mehr für die ökonomische Bildung tun?
Jugendliche sind im ökonomischen Bereich nicht mündig. Sie gehen zwar einkaufen, sparen oder verschulden sich sogar - mit 18 Jahren bei ihrer Bank oder schon früher bei Freunden oder der Familie - aber sie können häufig nicht erklären, welche Folgen ihre Handlungen auslösen können. Das haben schon viele Studien gezeigt. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn es hierzulande einen systematischen ökonomischen Unterricht gäbe.

Wie genau müsste der aussehen?
Ökonomische Bildung muss aus zwei Teilen bestehen: Kinder und Jugendliche müssen einerseits die Grundsätze unseres Wirtschaftssystems lernen, damit sie diese im alltäglichen Leben auf ihre Entscheidungen anwenden können. Andererseits müssen sie auf die praktischen Anforderungen beispielsweise im Umgang mit Finanzen vorbereitet werden.

Werden solche Grundsätze des Wirtschaftssystems nicht in Fächern wie Wirtschaft und Politik gelehrt?
Teilweise, denn das Stundenkontingent ist leider nur sehr begrenzt. Außerdem zeigen Studien, dass meist nur Fakten vermittelt werden, der praktische Bezug aber fehlt. So hört man beispielsweise in der politischen Diskussion häufig, dass die Soziale Marktwirtschaft in einer (Sinn-)Krise stecke. Unsere Forschung zeigt hier, dass dies aber so nicht stimmt. Tatsächlich befindet sie sich, so unsere These, in einer Vermittlungskrise. Unsere Jugendlichen lernen die Logik und die Wirkungsweise der Sozialen Marktwirtschaft nicht mehr kennen und können so natürlich auch nicht abwägen, welche Vorteile mit dem System verbunden sind.

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Sie sind die Kunden und Anleger von morgen, doch von Finanzfragen haben viele Jugendliche keine Ahnung. Manche sind sogar schon verschuldet. Die Schulen scheinen überfordert – da braucht es Eigeninitiative der Eltern.

Wie könnte man das vermitteln?
Um die Wirtschaftsordnung verstehen und bewerten zu können, muss man die praktischen Auswirkungen auf das eigene Leben kennen. Dazu gehört etwa: wie entstehen Preise, wie verhält sich ein Monopolist und wie funktioniert eine Versteigerung. Daran knüpfen weitere Fragen an, etwa: Wieso sind immer die gleichen Geschäfte in Bahnhöfen zu finden? Diese Dinge muss man nicht mit dem Lehrbuch unterrichten, sondern kann sie zum Teil in der unmittelbaren Umgebung beobachten und erklären.

Und was gehört aus Ihrer Sicht zum Bereich der praktischen Anforderungen?
Wer die Schule beendet, muss zum Beispiel wissen, welche Versicherungen es gibt und welche er braucht. Wichtig sind auch die Fragen: Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto? Wie gehe ich mit meinem Budget um? Wie eröffne ich ein Konto? Wie kann ich Geld anlegen, das ich nicht für den Lebensunterhalt brauche? Wie vergleiche ich Handy-Verträge? Wann ist ein Kredit sinnvoll und in welchen Fällen sollte man lieber darauf verzichten?

Kommentare (9)

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casinopianissimo

18.09.2012, 07:13 Uhr

"Jugendliche müssen Brutto und Netto unterscheiden können" - in aller Regel kommen die heute aus einem wohlbehüteten Elternhaus: wenn geistig und körperlich gesund, sollen sie ihr idiotenphone (iphone) in die Ecke stellen, von den Ohrstöpseln ablegen und eine eigene Wohnung mit Job erwerben! Dann merken sie sehr schnell, was B und was Cash account ist! Was soll der Wirtschaftsunterricht, wenn die Großen ihr ganz eigenwilliges Casino "über uns" führen!)???

Stinksauer

18.09.2012, 08:12 Uhr

Jugendliche haben keine Ahnung von Wirtschaft und von Mathematik und von Geschichte und von Literatur und von Finanzen und von Rechtschreibung und von Fremdsprachen und von Medizin und von Naturwissenschaften und, und, und...

Account gelöscht!

18.09.2012, 09:40 Uhr

Meiner Meinung nach hat das alles mit der Erziehung zu tun, die Tipps von der Pädagogin sind zwar hilfreich aber kaum langfristig einzuhalten. Heutzutage ist ein reiner Wirtschaftsunterricht kaum denkbar, schon angefangen bei den neuen Lehrern. Deutschland ist nach wie vor ein Staat in dem die wohlhabenden die besseren Karten ziehen, vor allem was Ausbildung angeht. Die Akademiker und die Kinder von besserem Elternhaus werden "schlauer" und die jenigen aus ärmeren Verhältnissen verblöden sich selbst durch "HARTZ IV"-TV, wie soll man da jemanden was von Kredit und Verschuldung erklären oder ganz einfach von der deutschen Wirtschaftspolitik. Die Redakteure die seit neustem über die immer intensivere Schere (Reich<->Arm) berichten haben gar nicht mal so Unrecht.

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