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13.03.2014

14:16 Uhr

Millionengeschäfte

Hoeneß, der Zocker

VonJörg Hackhausen, Sara Zinnecker

Das Gericht hat Uli Hoeneß verurteilt. Doch auch nach Ende des Prozesses bleiben Fragen offen. Wie konnte der Bayern-Boss so viel spekulieren, mit so gigantischen Summen? Selbst Profi-Trader finden das unglaublich.

Dreieinhalb Jahre Haft

Hoeneß-Anwälte: „Die Verteidigung wird das Urteil anfechten“

Dreieinhalb Jahre Haft: Hoeneß-Anwälte: „Die Verteidigung wird das Urteil anfechten“

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DüsseldorfDas Landgericht München II hat sein Urteil über Uli Hoeneß gefällt: Der Bayern-Boss wurde am Donnerstag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht stufte seine Selbstanzeige als ungültig ein und befand ihn der Steuerhinterziehung für schuldig. Mit seinem Urteil blieben die Richter zwei Jahre unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Doch mit dem Ende des Prozesses ist der Fall Hoeneß noch nicht abgeschlossen. Wichtige Fragen bleiben offen: Wie kann jemand, der eigentlich andere Dinge zu tun hat, so viel spekulieren? Wie kommt Hoeneß überhaupt zu so viel Geld?

Vor Gericht gab Hoeneß den reumütigen Sünder. Ja, er sei ein Zocker gewesen; einer, der den Überblick verloren habe. Und er gestand, dass ihm die Börsengeschäfte zeitweise so viel Geld brachten, dass sich daraus eine Steuerschuld von 27,2 Millionen Euro ergibt. „Es waren Summen, die für mich heute schwer zu begreifen sind“, so Hoeneß.

Die Erkenntnis kommt spät: Im Oktober 2011 gab Hoeneß dem Handelsblatt ein Interview. Die erste Frage lautete: „Herr Hoeneß, sind Sie ein Zocker?“ – „Nein, das bin ich nicht.“ Er sei nie ein Daytrader gewesen, schob er hinterher. „Kurz rein und schnell wieder raus – das entspricht nicht meiner Überzeugung.“ Dass der Bayern-Boss seit Jahren mit gigantischen Beträgen an der Börse spekulierte, dass er die Gewinne daraus nicht versteuerte, ahnte damals niemand.

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Auf den Konten in der Schweiz sollen sich zeitweise mehr als 150 Millionen Euro angesammelt haben, erklärte die Steuerfahnderin aus Rosenheim, die in dem Prozess als Zeugin aussagte. In den Jahren zwischen 2003 und 2009 soll Hoeneß rund 50.000 Transaktionen in Auftrag gegeben haben, die meisten wohl telefonisch im Gespräch einem Investmentbanker der Schweizer Bank Vontobel. Das sind im Schnitt 20 Transaktionen am Tag – und dabei ist nicht einmal berücksichtigt, dass die meisten Börsenplätze an Sonn- und Feiertagen geschlossen sind. An manchen Tagen soll Hoeneß sogar bis zu 300 Kauf- und Verkaufsaufträge erteilt haben.

Selbst Profis sind von dem Ausmaß der Geschäfte überrascht: „300 Orders am Tag?“, wundert sich ein Investmentbanker aus Frankfurt, der anonym bleiben will. „Das ist dann ein Fulltime-Job.“

„Ich finde das sehr ungewöhnlich“, sagt auch Markus Strauch, der als professioneller Trader für ICM Liechtenstein und Wikifolio handelt. „Ich mache zehn bis 15 Trades am Tag – und dann nichts anderes.“ Dabei müsse er ständig den Markt im Auge behalten, schnell reagieren, Limits setzten, kaufen und verkaufen. „Für mich wäre es unmöglich, das über das Telefon zu erledigen“, sagt Strauch.

Kommentare (16)

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13.03.2014, 13:50 Uhr

Ich wette eine kalte Cola:

es gibt eine saftige Bewaehrungsstrafe...!

Gruss! J

Account gelöscht!

13.03.2014, 13:58 Uhr

Der ...!Hätte der ne GmbH gehabt, hätte der die Verluste mit den Gewinnen ausgleichen können, ergo keine Steuerhinterziehung! Der war echt brutal zocksüchtig. Hat wirklich gutes unternehmerisches Denken und macht so nen Mist, das liegt wirklich Abeits der Realität.

Account gelöscht!

13.03.2014, 14:04 Uhr

Zocken, notorisches Zocken, gilt medizinisch als Krankheit.

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